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Klinsmann wird neuer Bayern-Trainer

Überraschung aus München: Der Rekordmeister hat die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld geklärt. In der kommenden Saison übernimmt Ex-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann den Trainerjob. Details sollen am Nachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden.

Mit der spektakulären Verpflichtung von Jürgen Klinsmann hat Bundesliga-Herbstmeister Bayern München überraschend schnell die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld geregelt und den früheren Nationaltrainer nach Deutschland zurückgeholt. Vom 1. Juli an soll der derzeit noch in Kalifornien lebende Kosmopolit das Star-Ensemble des deutschen Fußball-Rekordmeisters führen.

Der 43-Jährige übernimmt dann zwei Jahre nach seinem letzten Auftritt als DFB-Coach bei der Weltmeisterschaft in Deutschland erstmals das Traineramt bei einem Verein. Nach der WM war der 108-malige Nationalspieler, der als Spieler von 1995 bis 1997 bei den Münchnern unter Vertrag stand und Meisterschaft sowie UEFA-Cup gewann, unter anderem als Auswahltrainer in den USA, England und als Coach beim FC Chelsea im Gespräch - nun sagte er beim FC Bayern zu.

"Er ist eine absolute Bereicherung für den deutschen Fußball. Insgesamt ist es ein spannendes Projekt, dass ein ehemaliger Bundestrainer, der viel bewegt hat, einen deutschen Spitzenclub trainiert. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit", sagte der frühere WM-Weggefährte und aktuelle Bundestrainer Joachim Löw. Der Bayern-Coup überraschte die Bundesliga-Szene. Selbst Klinsmanns Mutter Martha war völlig perplex. "Nee, das habe ich noch nicht gewusst. Ach du Scheiße", sagte sie dem Sender "Hit-Radio Antenne 1" am Freitag in ihrer Bäckerei im Stuttgarter Stadtteil Botnang.

Umzug nach Deutschland

Für den Bayern-Job muss Klinsmann auch seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Deutschland verlegen. Als Nationalcoach hatte Klinsmann sein US-Domizil auch aus familiären Gründen als Rückzugsort beibehalten und war dafür mehrfach - gerade auch von den Verantwortlichen des FC Bayern - scharf kritisiert worden. Der deutsche Branchenprimus und Klinsmann waren sich schon zu Klinsmanns eigenen Spielzeiten nicht immer grün, die Streitigkeiten aus der Vergangenheit dürften aber beigelegt sein. Beide Seiten gehen mit dem hochinteressanten Projekt, das insgeheim wohl schon über die Weihnachtsferien eingefädelt worden war, dennoch ein Wagnis ein.

"Ich freue mich auf die Zeit mit Jürgen Klinsmann. Ich finde die Entscheidung nicht mutig, sondern klug und durchdacht", sagte Bayern- Präsident Franz Beckenbauer der "Bild"-Zeitung. "Jürgen Klinsmann hatte mit seinen neuen Methoden bei der Nationalmannschaft Erfolg. Und ich bin sicher, er wird auch beim FC Bayern Erfolg haben." Der am Saisonende ausscheidende Hitzfeld gratulierte der Vereinsführung zu ihrer Wahl: "Der FC Bayern hat sich für einen erstklassigen Trainer entschieden."

Klinsmann kommt nach dem dritten Platz bei der Heim-WM 2006 und einer Erholungspause mit viel Rückenwind zum FC Bayern und dürfte für den Club keine billige Lösung sein. Nachdem die Münchner für die laufende Saison über 80 Millionen Euro für neue Spieler ausgaben, setzten sie nun auch die große Lösung auf dem Trainerposten um.

Mit Spannung wird nicht nur das sportliche Abschneiden und das Umsetzen der Spielphilosophie des oftmals eigenwilligen Klinsmanns verfolgt werden, sondern auch, wie die Zusammenarbeit mit der machtbewussten Führungsriege um den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge, Manager Uli Hoeneß sowie den omnipräsenten Beckenbauer funktioniert. Der FC Bayern dürfte mit Klinsmann auch als Verein eine Zäsur erleben.

Ein Geschichte der Konflikte

Das Verhältnis von Klinsmann zu den Münchner Bossen war immer eine spannende Beziehung, auch schon zu Spielerzeiten - wenngleich hier der Konflikt mit Lothar Matthäus für weit mehr Brisanz sorgte. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Bundestrainer war Klinsmann wiederholt extrem stark vom damaligen WM-Chef Beckenbauer oder von Hoeneß attackiert worden. Andererseits hatte ausgerechnet Hoeneß dem Nationalcoach nach dem 1:4 Anfang März 2006 gegen Italien in Florenz, als der Druck auf den Schwaben extrem zunahm, den Rücken gestärkt. Die gegenseitige Wertschätzung steht jedenfalls fest.

Für Hitzfeld wird durch die Verpflichtung von Klinsmann der Erfolgsdruck noch größer, denn der frühere Stürmer wäre im Falle einer Misserfolgsserie des FC Bayern zum Rückrundenstart Anfang Februar prinzipiell sofort verfügbar. Probleme mit Oliver Kahn, den Klinsmann vor der WM 2006 um seinen Status als Nummer eins brachte oder den von ihm geschassten Torwarttrainer Sepp Maier dürfte es nicht geben, weil beide zum Saisonende beim Rekordmeister aufhören.

Als Vereinstrainer hat Klinsmann keinerlei Erfahrung, seine Bilanz als Nationalcoach ist dagegen glänzend. Mit seinem offensiven Fußball erreichte er in 34 Spielen 21 Siege, 7 Remis und musste nur 6 Niederlagen einstecken. Die Torbilanz - 81:43. Für Klinsmann spricht zudem, dass er aus seiner Zeit als Profi in Italien, England und Frankreich sprachgewandt ist und mit neuen Bayern-Stars wie Luca Toni oder Franck Ribéry kommunizieren kann. Als einst eigenwilliger Profi weiß er, wie Stars ticken und zu behandeln sind. Klinsmann trifft zudem auf etliche "seiner" WM-Akteure wie Miroslav Klose, Philipp Lahm, Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger oder Marcell Jansen.

In seiner aktiven Zeit beim FC Bayern schoss Klinsmann das Team 1996 mit 15 Toren zum Uefa-Cup-Gewinn, insgesamt gelangen ihm 31 Treffer in 65 Bundesligaspielen. Am meisten in Erinnerung blieb aber ein anderes Bild: Der Tonnentritt im Olympiastadion nach einer Auswechslung durch den damaligen Bayern-Coach Giovanni Trapattoni.

DPA/DPA
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