Spannender als die Premier League, mehr Fans und Potenzial - der Sportbusiness-Experte Emmanuel Hembert lobt den deutschen Fußball. Nur an Image und Vermarktung müsste man noch arbeiten. Hembert zeigt den Weg zur Spitze.

Die Bundesliga hat Geschichte und bietet Geschichten, so wie die vom Hoffenheimer Aufstieg© Daniel Maurer/AP
Wieso sollte ich?
Wirtschaftlich, gemessen am Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben, ist die Bundesliga die profitabelste Liga Europas. Im Sponsoring etwa hat sie mit England gleichgezogen.
Ihr Schwachpunkt liegt eindeutig im Verkauf der TV-Rechte, das ist richtig. Aber der Erlös entspricht nicht der Qualität des Fußballs, hier sehe ich große Möglichkeiten, mehr Geld zu generieren. Zum Beispiel beim Sponsoring und bei den Ticketpreisen. Die Attraktivität des Fußballs würde einen vernünftigen Anstieg der Preise rechtfertigen.
Imaging. Das fängt an bei der Art der Übertragung. Viele englische Spiele im Stadion können genauso langweilig sein, wie überall. Aber im Fernsehen sieht man das nicht, da wird ein anderes Spiel aufgeführt. In England arbeitet SkyTV sehr eng mit den Klubs zusammen. Da geht es nicht um journalistische Qualitäten. Da geht es um ein Produkt. Bundesliga-Fußball ist nicht langweiliger, mir scheint er in vielen Fällen sogar spannender zu sein.
Ihre Geschichte und ihre Geschichten. So wie die von Hoffenheim. Dritte Liga, zweite Liga, erste Liga, Herbstmeister - so etwas vermag zurzeit keine andere Liga zu erzählen. Was ich sagen will: Die Bundesliga sollte, gerade um die Auslandsvermarktung voranzutreiben, etwas mehr, wie man bei uns sagt, die Vögel um den Baum fliegen lassen.
Es ist nur ein Detail. Der große Vorteil der Bundesliga ruht in ihrer Wirtschaftlichkeit. Anders ausgedrückt: Sie steht ökonomisch auf den solidesten Füßen. Ihre Stadien beispielsweise sind seit der WM 2006 auf dem neuesten Stand, Logen, VIP-Plätze, Hospitality - in allem ist sie top. Sie ist zudem fest in ihren Regionen verankert und profitiert von der Treue ihrer Sponsoren. Hinzu kommt die höchste Auslastung der Stadien.
Niedergang ist etwas zu drastisch ausgedrückt, aber beides bedingt einander. Mehre englische Klubs werden in naher Zukunft ihre Besitzer verlieren, andere sind von der Insolvenz bedroht, die Ticketpreise fallen und Sponsoren erweisen sich als zurückhaltend.
Mehr Geld auf dem Markt bedeutet höhere Transferpreise und höhere Gehälter. Das Geld würde schnell verbrennen, denn Gehälter verlassen die Zirkulation. Und dass man dadurch besser Fußball spielt, ist nicht garantiert.
Die Ausbildung eigener Talente, von Stars. So wie Manchester United Ende der 90er. Damals bestand das Gerüst der Mannschaft beim Champions-League-Sieg 1999 gegen Bayern München aus Spielern wie Giggs, Scholes, Neville, Irwin, Butt, Beckham. Sie haben die Erfolgsgeschichte der Marke "Manchester United" begründet. Nehmen Sie heute Thierry Henry, Steven Gerrard, Frank Lampard, Didier Drogba, Cesc Fabregas. Sie sind in England erst zu Stars geworden. Weltfußballer Cristiano Ronaldo war 18, als er zu United wechselte.
Sie würde den Fußball vor der Gefahr bewahren, irgendwann bankrott zu sein. Gehälter, wie sie zurzeit in England bezahlt werden, gefährden die Klubs wirtschaftlich. Gehälter sind für die Zirkulation verlorenes Geld. Die Profitabilität schwindet. Die Aktienwerte englischer Klubs fallen seit Jahren.
Zur Person Emmanuel Hembert ist Experte fürs Sportbusiness. Als Leiter der Global Sports and Entertainment Practice bei A.T. Kearney (London) referiert der 39-Jährige Franzose heute in München auf dem Sportbusiness-Kongress. Mit 1500 Teilnehmern und 160 Referenten hat sich Ispo Spobis zu Europas größtem Treffen seiner Art entwickelt.