Im Fußball-Wettskandal soll auch ein DFB-Schiedsrichter Schmiergeld kassiert haben. Thomas Reichenberger, einer von drei Spielern des VfL Osnabrück, die angeblich bei dem Betrug mitgemischt haben sollen, beteuerte unterdessen seine Unschuld.

Unparteiisch? Offenbar nicht immer© Philipp Guelland/DDP
Im größten Wettskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs werden immer mehr Details bekannt. So stehen übereinstimmenden Medienberichten zufolge drei Spieler unter Verdacht, die vergangene Saison für den aus der Zweiten Liga abgestiegenen VfL Osnabrück aktiv waren. Auch gegen den SSV Ulm soll es offenbar mehrere Verdachtsmomente geben, ebenso gegen einen DFB-Schiedsrichter.
So berichtet der "Spiegel", dass der Viertligist Ulm offenbar tiefer in den Wettskandal verwickelt ist als bislang bekannt. Nach Informationen des Magazins stehen vier Regionalligaspiele des baden-württembergischen Traditionsvereins aus der Endphase der vergangenen Saison unter Manipulationsverdacht. SSV-Vizepräsident Mario Meuler sagte: "Wir gehen davon aus, dass niemand mit dieser Sache etwas zu tun hat."
Die Spieler des Süd-Regionalligisten, der heute ein Auswärtsspiel in Karlsruhe bestreitet, haben eine Erklärung unterschrieben, dass sie an keinerlei Wettmanipulationen beteiligt sind oder waren. Vorstand und Aufsichtsrat kündigten an, alles in ihrer Macht stehende zu tun, "um so schnell wie möglich, aber auch so gründlich wie nötig, mitzuhelfen diese unglaublichen Vorwürfe aufzuklären".
Auch ein Schiedsrichter des DFB soll laut "Spiegel" bei einem Spiel der Regionalliga Süd im Mai Schmiergeld von den mutmaßlichen Wettbetrügern kassiert haben. Auf die Spekulationen über die Rolle von Schiedsrichtern im neuen Wettskandal reagierte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Samstag bei einer Rede zum Deutschen Turntag 2009 in Koblenz. "Wir werden diese Leute bestrafen, sie gehören nicht mehr zu uns. Wo Geld ist, da ist auch Korruption. Wichtig ist der Umgang damit. Die Botschaft ist nicht, dass es passiert, sondern wie man damit umgeht", sagte Zwanziger.
Weitere Spiele unter Betrugsverdacht sind bislang ein Freundschaftsspiel des SSV Ulm gegen Fenerbahce Istanbul und nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" ein Spiel der Borussia Mönchengladbach II gegen den SC Verl.
Vor allem Spieler des VfL Osnabrück stehen unter Manipulationsverdacht. So sollen die Partien in Augsburg und Nürnberg zu den vier von der Staatsanwaltschaft benannten Zweitligaspielen gehören, die verschoben wurden. Die Niedersachsen stiegen nach der vergangenen Saison in Liga 3 ab.
Osnabrücks ehemaliger Trainer Claus-Dieter Wollitz zeigte sich bestürzt: "Ich habe versucht, das auszublenden, konnte es aber nicht. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", sagte der heutige Trainer von Energie Cottbus vor dem Zweitliga-Spiel seiner Mannschaft am Freitagabend bei Fortuna Düsseldorf. "Es ist das Allerschlimmste, was es gibt, Mannschaft, Trainer, Fans und Sponsoren zu betrügen." Der Abstieg hätte "einen ganz bitteren Beigeschmack", sagte Wollitz, der sich nach der Niederlage in Augsburg "bei den Fans noch für die schlechte Leistung meiner Mannschaft entschuldigt" hatte. Ähnlich sah es VfL-Präsident Dirk Rasch. "Wenn das stimmt, wäre das eine Katastrophe - das könnte dann ein Grund für den Abstieg gewesen sein."