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Wirtin bringt Fußball-Bosse ins Schwitzen

Europas Fußballmanager zittern vor Karen Murphy: Die britische Pub-Besitzerin könnte das lukrative Geschäft mit den TV-Sendern ins Wanken bringen. Dienstag entscheidet der Europäische Gerichtshof - und macht Fußball im Pay-TV möglicherweise billiger.

  Ob Liga 1 oder 2, wie hier in Aue: Sky versorgt die deutschen Fußballfans exklusiv mit Livebildern - noch

Ob Liga 1 oder 2, wie hier in Aue: Sky versorgt die deutschen Fußballfans exklusiv mit Livebildern - noch

Karen Murphy, eine Pub-Besitzerin aus Portsmouth, lehrt Fußball-Manager, TV-Sender und die Rechtehändler das Fürchten. Die Wirtin vom "Red White & Blue" aus dem wenig feinen Stadtteil Southsea hat sich mit der Premier League angelegt und droht jetzt für Fernsehrechte das zu werden, was Jean-Marc Bosman für die Transfers von Fußballprofis war. "Murphys Law" schrieben englische Zeitungen bereits, auch wenn das Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) noch aussteht.

Die Frau aus Portsmouth hat mit einer nicht autorisierten griechischen Decoderkarte in England Fußballspiele gezeigt hatte. Sie will durchsetzen, dass sie in Zukunft die Übertragungen vom Anbieter ihrer Wahl beziehen kann - und nicht auf britische Sender angewiesen ist - und stützt sich dabei auf die Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU.

Um Geld zu sparen, hatte Murphy bereits von 2005 an keine Decoder-Karte des englischen Pay-TV-Senders Sky, sondern des griechischen Anbieters Nova, der auch einen englischen Kommentar anbietet. Murphy sparte nach eigenen Angaben rund 6400 Pfund im Jahr - zog sich aber den Ärger von Sky und der Premier League zu. Zweimal verlor die mutige Wirtin vor heimischen Gerichten, wandte sich dann im Februar an den EuGH. "Ich kämpfe, weil ich ärgerlich bin, weil es ungerecht ist", sagte Murphy in einem BBC-Interview. Und erklärte ihre Sicht der Dinge: "Wenn ich ein Auto kaufen will, dann kann ich zu jedem Händler und jedem Hersteller gehen. Wenn ich Fußball sehen will, kann ich nur zum Sky-Händler gehen und muss dort zehnmal mehr bezahlen."

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich der Gerichtshof dieser Meinung anschließt. Am Dienstag will er über die bisherige Praxis der Vergabe nationaler Exklusivrechte entscheiden. Eine Gutachterin des Gerichts hatte empfohlen, die Verwendung ausländischer Decoderkarten zum Empfang der Spiele im Pay-TV zu billigen. Das EU-Gericht folgt in etwa drei Vierteln aller Fälle der Empfehlung der Gutachter.

Rummenigge befürchtet "gefährliche Zeiten"

Für die Proficlubs und Millionen von Fans steht viel Geld auf dem Spiel. Das Urteil könnte die Fußball-Übertragungen im Abonnementfernsehen billiger machen, sollten die Richter in Luxemburg tatsächlich einen europaweiten Wettbewerb durchsetzen. Fans könnten in Zukunft Verträge mit ausländischen Anbietern abschließen, die Live-Spiele aus der Bundesliga oder anderen Ligen kostengünstiger anbieten als nationale Pay-Sender.

Ein entsprechendes Urteil hätte zudem enorme Auswirkungen auf die Vermarktung der Bundesliga. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge befürchtet sogar "gefährliche Zeiten". Die Preise für nationale Übertragungsrechte könnten gewaltig unter Druck geraten. Derzeit sorgen die TV-Erlöse in Deutschland immerhin für knapp ein Drittel der Gesamteinnahmen der Vereine. Allerdings wird die Liga im Ausland nicht so stark vermarktet wie die Premier League, folglich dürfte der Wettbewerb von Sky Deutschland mit ausländischen Billiganbietern nicht so heftig sein.

Nach Ansicht der EuGH-Gutachterin bewirken Exklusivitätsrechte eine Aufteilung des Binnenmarktes in getrennte nationale Märkte. Dies stelle eine "Beeinträchtigung der Dienstleistungsfreiheit dar" und sei nicht mit dem Unionsrecht konform.

Die Football Association Premier League (FAPL), die sich um die Vermarktung der Premier-League-Spiele kümmert, hatte gegen die Verwendung ausländischer Decoderkarten geklagt. Unternehmen würden Karten aus dem Ausland nach Großbritannien importieren und sie Gaststätten zu günstigeren Preisen anbieten als die heimischen Lizenznehmer. Dagegen ist die Generalanwältin Juliane Kokott der Ansicht, dadurch werde die wirtschaftliche Verwertung der Rechte nicht unterlaufen, denn schließlich würden die entsprechenden Gebühren für diese Karten entrichtet.

ben/DPA/DPA
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