Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Hoeneß kommt glimpflicher davon als einst Peter Graf

Uli Hoeneß ist wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Viel oder wenig? Hier zwei andere Beispiele zum Vergleich.

Von Annette Berger

  Uli Hoeneß am Donnerstag auf dem Weg nach einer Verhandlungspause ins Landgericht München II

Uli Hoeneß am Donnerstag auf dem Weg nach einer Verhandlungspause ins Landgericht München II

Er hat 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen - mit der Summe ragt der Fall Uli Hoeneß aus den vielen Verfahren der vergangenen Jahrzehnte gegen prominente Steuersünder heraus. Auch das Urteil ist nicht gerade zimperlich: Zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilte das Landgericht München am Donnerstag den Präsidenten des FC Bayern. Er bleibt jedoch zunächst auf freiem Fuß.

Dreieinhalb Jahre für 28,5 Millionen Euro also. Ist das viel oder wenig? Vergleicht man Hoeneß' Fall mit zwei anderen prominenten Fällen, in denen deutlich weniger Geld am Fiskus vorbeigeschummelt wurde, relativiert sich die Härte der Strafe ein wenig. Jene beiden Steuersünder, die ehemalige Geliebte des Frankfurter Bierkönigs und Peter Graf, erstatteten im Unterschied zu Hoeneß keine Selbstanzeige, sondern wurden erwischt. Hoeneß' Selbstanzeige wurde vom Gericht allerdings wegen fehlender Unterlagen als unzureichend bewertet.

Halten Sie das Urteil im Prozess gegen Uli Hoeneß für gerecht?

Die zwei Beispiele eignen sich zum Vergleich, weil der Steuerfall Peter Graf in den 90er-Jahren wegen seiner großen Dimension hohe Wellen schlug. Und der zweite ist ganz aktuell.

Nehmen wir zuerst das aktuelle Beispiel, es stammt aus dieser Woche: Zu nur einem Jahr Haft weniger als Hoeneß wurde am Dienstag die frühere Geliebte des inzwischen verstorbenen Frankfurter "Bierkönigs" Bruno Schubert verurteilt. Die 32-Jährige erhielt eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren. Sie hatte insgesamt 775.000 Euro Steuern hinterzogen und schuldet dem Fiskus bis heute eine halbe Million Euro.

Geschenke nicht beim Finanzamt angemeldet

Das Gericht blieb damit nur drei Monate unter dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Die Frau hatte - damals war sie Anfang bis Mitte 20 - wertvolle Geschenke ihres Geliebten von insgesamt 2,5 Millionen Euro nicht beim Finanzamt angegeben. Ihr Anwalt will Revision einlegen.

Im Gegensatz zu Hoeneß, bei dem der Haftbefehl gegen eine Millionen-Kaution außer Vollzug gesetzt wurde und der auch nach dem Urteil zunächst ein freier Mann bleibt, verbrachte die junge Frau rund sieben Monate in Untersuchungshaft und wird den Rest der Strafe vermutlich ebenfalls absitzen müssen. Das Verfahren, in dem sie ein Geständnis abgelegt hatte, dauerte drei Monate. Hoeneß musste dagegen an nur vier Tagen vor Gericht erscheinen.

Bei Peter Graf waren es 6,3 Millionen Euro

Auch der im vergangenen Jahr verstorbene Vater von Tennisstar Steffi Graf musste ins Gefängnis. Das Urteil gegen ihn erging im Januar 1997: Drei Jahre und neun Monate Haft, also ein Vierteljahr mehr als Hoeneß. Graf hatte 12,3 Millionen Mark Steuern hinterzogen, umgerechnet gut 6,3 Millionen Euro. Inklusive Untersuchungshaft verbrachte Peter Graf gut zwei Jahre hinter Gittern.

Graf hatte dem Finanzamt 42 Millionen Mark Einkommen seiner Tochter verschwiegen, wovon sie nichts wusste. 27 Millionen Mark musste Peter Graf nachzahlen. Im April 1998 wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Hoeneß wird weiter für seine Freiheit kämpfen. Sein Anwalt Hanns Feigen will Revision einlegen.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools