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1. November 2009, 15:11 Uhr

Angst vor dem Hass-Spiel

Das brisante Nordderby zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli sorgt schon vor Anpfiff für Zündstoff: Die DFL wies Kritik von den Hamburger Club-Verantwortlichen zurück. Die Polizei ist wegen der berüchtigten Fan-Feindschaft in Alarm-Bereitschaft.

hansa, st. pauli

Hansa-Fans im Millerntorstadion auf St. Pauli: "Beklemmendes Gefühl"© Bodo Marks/DPA

Fabian Boll ist Zweitliga-Spieler beim FC St. Pauli, als hauptberuflicher Polizei-Kommissar wird der Mittelfeldspieler am Montagabend aber mit einem Auge auch auf die Tribünen schauen. Beim brisanten Nordderby zwischen Hansa Rostock und St. Pauli werden trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen wieder Ausschreitungen zwischen den verfeindeten Fanlagern befürchtet. Zudem sorgt die umstrittene Ansetzung am Montagabend (20.15 Uhr/live im DSF und bei Sky) für Zwist.

"Wir fahren da mit einem beklemmenden Gefühl hin. Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Saison müssen wir leider Gottes wieder mit Randalen rechnen. Diese Einsätze wünscht man keinem Kollegen", sagte Boll, der halbtags als Beamter tätig ist.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stufte die Partie wie in den Jahren zuvor als "Spiel mit erhöhtem Risiko" ein. Laut Medienberichten sollen rund 1500 Polizisten und Ordnungskräfte Vorkommnisse wie im vergangenen Jahr verhindern. Damals waren 15 Personen verletzt und 52 Randalierer festgenommen worden. Statt mit einer Taktik der "langen Leine" wollen die Beamten dieses Mal durch mehr Präsenz Herr der Lage werden. Zudem sollen die Straßen rund ums Stadion frühzeitig gesperrt werden.

Eine Präventionsmaßnahme wurde jedoch verpasst. Die Ansetzung als Flutlichtspiel stieß bei beiden Vereinen auf Unverständnis. "Aus unserer Sicht macht ein solches Spiel nur bei Tageslicht und nicht bei Dunkelheit Sinn", sagte Pauli-Präsident Corny Littmann. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte einen Antrag auf Verschiebung abgelehnt. "Das Potenzial von gewaltbereiten Chaoten ist an einem Montag geringer als am Wochenende", begründete DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus. Zudem habe man sich bei der Terminierung eng mit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) abgestimmt.

"Im übrigen würde ich mir wünschen, dass Herr Littmann mit uns das konstruktive Gespräch sucht und nicht einen Tag vor dem Spiel öffentlichkeitswirksam Stimmungsmache betreibt. So liefert er den Chaoten ein Alibi zu Lasten der DFL", kritisierte Hieronymus. Dabei haben beide Verein versucht, im Vorfeld mit Appellen an die Fans deeskalierend zu wirken. "Ich hoffe, es wird ein Fußball-Fest, bei dem alle am Ende gesund nach Hause kommen. Emotionen gehören auf den Platz, nicht auf die Ränge", sagte Hansa-Trainer Andreas Zachhuber. Littmann forderte die Pauli-Anhänger auf: "Lasst euch nicht provozieren!"

Rund 2000 Pauli-Anhängern, die mit Sonderzügen anreisen und von Beamten ins Stadion begleitet werden, werden erwartet. Das Fassungsvermögen im Stadion wurde wegen der besonderen Sicherheitsbestimmungen von 29.000 auf 25.300 gesenkt. Auf der Südtribüne und im Gästeblock wird ein Alkoholverbot herrschen.

In der Vergangenheit waren gewaltbereite Anhänger beider Klubs immer wieder aneinandergeraten. Als Tiefpunkt gilt der Wurf einer Rauchbombe aus dem Block der Rostocker bei der Bundesligapartie am 23. September 1995. St. Paulis damaliger Keeper Klaus Thomforde musste beim 2:0-Sieg der Gastgeber mit einer Augenverletzung ausgewechselt werden.

Jörg Soldwisch/SID
 
 
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