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Mr. Gelassenheit

Jupp Heynckes gratuliert Pep Guardiola zum Wechsel nach München. Er begrüßt den "Generationswechsel" beim Rekordmeister - und lässt seine eigene Zukunft offen.

Von Maximilian Koch

  Mit Lust auf einen letzten Triumph: Jupp Heynckes

Mit Lust auf einen letzten Triumph: Jupp Heynckes

  • Maximilian Koch

Es gab Zeiten, da galt Jupp Heynckes als sperriger Typ. Als Kauz, der manchmal dünnhäutig auf Fragen von Journalisten reagiert. Als Eigenbrötler, über den man nicht viel wusste, außer dass er eine Menge von Fußball versteht.

Diese Zeiten sind vorbei. Spätestens seit sich der ehemalige Weltklassespieler vor knapp zwei Jahren entschloss, ein weiteres Mal den FC Bayern zu trainieren und seiner erfolgreichen Karriere damit ein passendes Ende zu setzen. In den vergangenen zwei Jahren, speziell in dieser Saison, hat man beim Rekordmeister einen anderen Jupp Heynckes kennengelernt. Einen meist gut gelaunten, in sich ruhenden Mann, der zwar klar und konzentriert seine Ziele verfolgt – wahrscheinlich so fokussiert wie nie zuvor. Der aber souverän über kleinere Verfehlungen hinwegsieht, der gelernt hat mit dem teils divenhaften Verhalten seiner Stars umzugehen und deren Genialität für die Mannschaft zu nutzen. Ganz anders als noch in den 90er Jahren bei Eintracht Frankfurt und später bei Real Madrid.

Am Freitag in München, als er zur Verpflichtung seines Nachfolgers Pep Guardiola befragt wurde, konnte man diesen anderen Jupp Heynckes erleben. "Buenos dias", sagte er freundlich, als er die Medienvertreter begrüßte. Und fuhr fort: "So können Sie sich schon mal an den Sommer gewöhnen." Heynckes brachte den Fragen-Marathon gekonnt hinter sich, auch wenn man ihm anmerkte, dass er sich auf Pressekonferenzen noch immer nicht richtig wohl fühlt. Die Vereinsspitze lobte er für den Coup mit dem umworbenen Spanier, dem er seine Gratulation aussprach: "Ich kann Pep Guardiola nur beglückwünschen, zum FC Bayern zu gehen. Er findet hier nach dem FC Barcelona die beste europäische Mannschaft vor."

Heynckes lobt "Generationswechsel"

Heynckes' Auftritt am Freitag war von Angriffslust, aber auch von großer Reife geprägt. Den "Generationswechsel", der im Sommer vollzogen wird, und der höchstwahrscheinlich nichts anderes bedeutet als das Ende seiner eigenen Trainerkarriere auf Topniveau, begrüßte Heynckes ausdrücklich. Und beendete damit auch alle Spekulationen, der FC Bayern habe ihn zu einem Abschied im Sommer gedrängt. Seine Entscheidung, nach dieser Saison in München aufzuhören, sei schon in der vergangenen Sommerpause gefallen, sagte Heynckes. Gestern hatte die Aussage von Bayern-Präsident Uli Hoeneß anderes vermuten lassen. "Ich glaube", sagte Hoeneß dem ZDF, "er hätte gern noch ein Jahr weitergemacht".

Diese Tür ließ sich der 67 Jahre alte Coach auch am Freitag offen. "Hier beim FC Bayern höre ich auf", erklärte er. "Aber es ist nicht richtig, dass ich gesagt habe, ich werde meine Karriere beenden." Vielleicht hängt Heynckes ja tatsächlich noch irgendwo ein Jahr dran. Wahrscheinlich verabschiedet er sich aber im Sommer. Mit mindestens einem Titel. Und mit der Gewissheit, dass er sich im letzten Abschnitt seiner Karriere noch einmal neu erfunden hat.

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