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4. September 2008, 16:16 Uhr

Ohnmächtig in die nächste Schlacht

Fußball in Italien hat schon lange nichts mehr mit Vergnügen zu tun. Am ersten Spieltag der neuen Saison sorgten Ultras aus Neapel für den nächsten Skandal. Die Camorra stecke hinter der Gewaltorgie, vermutet die Regierung. Fakt ist: Mafiöse Strukturen haben die italiensiche Fan-Szene längst unterwandert. Von Luisa Brandl, Rom

Zoom

Napoli-Fans im Römer Olympiastadion: gutes Benehmen ist etwas Anderes© Chris Helgren/Reuters

Nachdem Italiens Polizeichef Antonio Manganelli den Verdacht geäußert hatte, das organisierte Verbrechen stecke hinter den Krawallen der Neapel-Fans, widersprechen Ermittler deutlich der These von der Camorra als Anstifter der Fan-Randale. Vize-Polizeichef Nicola Cavaliere relativierte die Worte seines Vorgesetzten und sagte, Manganelli habe nicht von einer mafiösen Führungsebene gesprochen - oder gar einer Strategie. "Er meinte lose Gruppen, die sich nicht einem Projekt verschrieben haben, sondern viele unterschiedliche Interessen verfolgen. Niemand hat behauptet, die Camorra habe die Gewaltserie organisiert."

Die Polizei wisse jedoch, dass es Verbindungen zwischen der Camorra und der Ultra-Szene gebe, sagte Cavaliere. In den heruntergekommenen Stadtvierteln Neapels, wo die Clans dominieren, stehen die radikalen Fans Tag für Tag unter dem Einfluss des organisierten Verbrechens. "Die Gruppe der Randalierer, die am Sonntag den Zug nach Rom gekapert hat, dealt etwa am Tag danach mit Drogen oder bereitet einen Überfall vor", erklärte Cavaliere. Von tausend Ultras, die in den Zug gestiegen sind, seien 200 vorbestraft wegen Drogenhandel, Erpressung und Raubüberfällen, einige von ihnen seien auch im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Müllnotstand in der Region aufgefallen, so Cavaliere.

Strategie des Vertrauens gescheitert

Auch Staatsanwalt Franco Roberti, Chef von Neapels Antimafia-Einheit Dda, der die Ermittlungen leitet, sagte: "Man muss klar unterscheiden zwischen der Präsenz von Clanmitgliedern in den extremistischen Fangruppen und der jetzt verbreiteten These einer Strategie der Camorra, die nach meiner Einschätzung nicht zutrifft." Für die Antimafia-Behörde sind es dennoch überaus gefährliche Extremisten, die sich in jeden Konflikt einmischten, wenn es darum gehe öffentliches Eigentum zu zerstören und Polizeikräfte anzugreifen. Die Gewalt hat sich längst aus den Stadien auf die Straße verlagert, die Ultras mischen bei den illegalen Geschäften der Clans mit und zeigten ihre geballte Macht, indem sie den Bürgerprotest gegen die Eröffnung der Müllhalden in Pianura und Chiaiano radikalisierten und zum willkommenen Anlass für Krawalle benutzten.

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