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8. Juni 2007, 14:21 Uhr

Klotzen statt Kleckern

Erstmals in ihrer Geschichte haben die Bayern in Sachen Transferpolitik die Schatulle richtig aufgemacht. Und das Budget ist längst noch nicht aufgebraucht. Ein zweistelliger Millionenbetrag soll noch inverstiert werden. In wen ist auch schon klar.

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Zwei Hochkaräter für den Rekordmeister: Luca Toni (l.) und Franck Ribéry bei ihrer Vorstellung in München© Matthias Schrader/EPA

In einem wahren Kaufrausch haben die Bayern so viel Geld ausgegeben wie noch nie, aber aufgebraucht ist das Einkaufsbudget noch lange nicht. Nun will der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München auch noch einen zweistelligen Millionen-Betrag für WM-Torschützenkönig Miroslav Klose springen lassen und die Ablöse für das Komplett-Paket mit Luca Toni, Franck Ribéry & Co. auf bis zu 70 Millionen Euro hoch schrauben. "Wir haben Regeln, die wir 20 Jahre hatten, verändert. Man muss auch mal neue Wege gehen. Wir haben uns stets gesagt: Wir machen die Schatulle auf, wenn es mal nicht so läuft. Das haben wir in diesem Jahr getan", sagte Manager Uli Hoeneß.

Nach dem titellosen Jahr und der verpassten Champions-League- Qualifikation weichen die Münchner jetzt völlig vom besonnenen Kurs der vergangenen Spielzeiten ab, der Kader wurde runderneuert wie nie. Mit Gehältern - der 30 Jahre alte Toni soll angeblich über 5 Millionen Euro netto verdienen, der 24-jährige Ribéry 4 Millionen - wurde alleine der Preis dieses bis zum 30. Juni 2011 verpflichteten Duos auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. "Wir haben in diesem Jahr wirklich viel Geld ausgegeben. Zum Schluss ist ein richtiges Jagdfieber entstanden. Schnell nach Florenz, dann nach Paris - und, und, und", schilderte Hoeneß, wohlwissend, dass hohe Investitionen auch hohes Risiko bedeuten.

"Wir stehen enorm unter Druck

Leidvolle Erfahrungen mit einer zu offensiven Transferpolitik machte Borussia Dortmund und trieb sich mit seiner verschwenderischen Einkaufstour fast in den Ruin. Doch die Sache hat einen ganz entscheidenden Unterschied: Die Bayern nehmen die Millionen vom Festgeld-Konto, die Borussia kaufte auf Pump. "Wir werden den Erfolg nicht mit Schulden kaufen. Solche Investitionen werden kein Dauerzustand", betonte Hoeneß und räumte mit Blick auf die angeblich 25 Millionen Euro für Ribéry an Olympique Marseille ein: "Für uns ist es der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte und damit wird es wohl auch der teuerste in der Liga sein." Bislang galt der Dortmunder Marcio Amoroso (50 Millionen Mark) als der kostspieligster Einkauf.

Zum Ende des Geschäftsjahres 2005/06 hatte der Münchner Club ein Eigenkapital von 159 Millionen Euro und eine freie Liquidität von 95 Millionen Euro - trotz der titellosen WM-Nachspielzeit kommt ein geschätzter Gewinn von 30 Millionen Euro ebenso in die Kasse wie mehr als 25 Millionen Euro aus dem Transfer von Owen Hargreaves (Manchester United). Obwohl das Konto also nicht komplett geplündert ist, sind die Bayern in der neuen Saison fast zum Erfolg verdammt. "Wir stehen enorm unter Druck und werden von Beginn an die Gejagten sein. Wir haben den Mund ja auch sehr voll genommen", erklärte Hoeneß, der vor Wochen gesagt hatte, dass die Konkurrenz die Bayern demnächst nur noch mit dem Fernglas sehen könne.

Makkay geht, wenn Klose kommt

Noch ist auch Klose in der Ferne, aber ein laut Hoeneß "stattlicher" Ablöse-Betrag soll die Verpflichtung des 28-Jährigen schon in diesem Sommer möglich machen. "Es liegt an Werder Bremen, sich jetzt zu entscheiden", erklärte Hoeneß im Poker um den Nationalspieler, der spätestens zum 1. Juli 2008 kommt. Angeblich hat Bayern 10 Millionen Euro geboten, Werder will 15 - irgendwo in der Mitte werden sich beide wohl einigen. Ein ins Spiel gebrachtes Tauschgeschäft mit Lukas Podolski schloss der Manager aus: "Poldi" bleibt auf jeden Fall.

Sollte Klose kommen, wird dagegen der langjährige Tor-Garant Roy Makaay gehen. "Er hat signalisiert, dass er Probleme sehe, wenn Miro kommt", sagte Hoeneß, der in den nächsten ein, zwei Wochen auch Klarheit mit Rückkehrer Zé Roberto über einen Zweijahresvertrag erwartet. Bayerns Bedingung: Keine Nationalmannschaft mehr.

DPA

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