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Jens Lehmann ist der bessere Oli Kahn

Im Nationaltor nahm er Oliver Kahn einst den Stammplatz weg. Nun stellt Jens Lehmann den "Titan" auch als TV-Experte in den Schatten. Mit unverblümter Kritik an Jogi Löw und Manuel Neuer.

Von Daniel Bakir

Wenigstens einer, der Ahnung von Fußball hat: Jens Lehmann als RTL-Experte

Wenigstens einer, der Ahnung von Fußball hat: Jens Lehmann als RTL-Experte

Es gab nicht viele Deutsche, die am Samstagabend in Warschau eine gute Figur machten. Von den Spielern traf dies am ehesten noch auf Karim Bellarabi zu, der bei seinem Debüt im DFB-Dress ein starkes Spiel machte. Da es der Neuling aber verpasste, eine seiner zahlreichen Chancen zu einem Tor zu nutzen, blieb am Ende des Abends nur ein deutscher Gewinner.

Und das war Jens Lehmann. Der TV-Experte von RTL landete nach dem Schlusspfiff einige bemerkenswerte verbale Treffer. In einer RTL-Übertragung, die viele Fernsehzuschauer auch diesmal als Zumutung empfanden, schaffte es Lehmann sein Profil als TV-Experte deutlich zu schärfen.

Im Gegensatz zu seinem ewigen Pendant Oliver Kahn, der sich mehr auf psychologische Erklärungen, denn auf taktische Analyse versteht, vermied Lehmann allgemeines Blabla und nannte die Dinge beim Namen: Die Polen waren eigentlich verdammt schwach und man hätte sie schlagen müssen. Bei den Gegentoren stimmte die Abstimmung der Verteidiger nicht. Vorne passten Thomas Müllers Laufwege nicht.

Lehmann bringt Löw ins Schleudern

Auch als der Bundestrainer ins Studio kam, schaltete Lehmann nicht in den Streichelmodus. Von den Außenverteidigerpositionen sei offensiv gar nichts gekommen, sagte Lehmann. Und richtete seine Kritik an Löw persönlich. "Ihr hattet jetzt acht Wochen bei der WM, aber auf den Außenverteidigerpositionen sehe ich noch keine Lösungen. Da hätte man etwas entwickeln können."

Der Angesprochene hatte so einen Schuss vor den Bug offenbar nicht erwartet. Nach einer Schrecksekunde gab er zu, dass er vom unerfahrenen Antonio Rüdiger auf rechts nicht mehr erwartet hatte. Erik Durm auf links habe immerhin "gute Ansätze" gezeigt. Aber man wisse ja, wie es um die Auswahl an Außenverteidigern in der Bundesliga bestellt sei. Selten gab ein Bundestrainer gegenüber einem TV-Experten so klein bei.

Auch Welttorhüter Manuel Neuer bekam noch sein Fett weg. Beim ersten Gegentor sei das Herauslaufen an sich nicht falsch gewesen. Neuer habe aber nicht optimal gestanden und sei deswegen von einer schlechten Startposition gestartet. "Das macht er häufig, da muss er ein bisschen üben", beschied Lehmann.

Natürlich kam Lehmanns oberlehrerhafte Art nicht bei jedem gut an. Aber ein gutes Maß Narzissmus gehört nun mal dazu, wenn man im Fernsehen Fußball erklären will. Und da bei RTL die Zeit zum Erklären wegen der vielen Werbepausen knapp bemessen ist, ist es gut, wenn das jemand mit scharfer Zunge übernimmt.

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