HOME

Wie Klopp und Scholl sich lächerlich machten

Doping im Fußball? Macht gar keinen Sinn! Sagen zumindest Mehmet Scholl und Jürgen Klopp im Sportschau-Interview. Peinlicher kann es in der Diskussion kaum noch werden.

Eine Einordnung von Felix Haas

In der Sportschau diskutierte Reinhold Beckmann mit Jürgen Klopp, Peter Nemeth und Mehmet Scholl (v.l.)

In der Sportschau diskutierte Reinhold Beckmann mit Jürgen Klopp, Peter Nemeth und Mehmet Scholl (v.l.)

Der DFB-Pokal war längst abgehakt im ARD-Sportschau-Studio in Dresden. BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte sich über den Rasen beschwert, hatte sich gefreut, dass es dennoch so viele "positive Szenen" zu besprechen gab und dass sein Team eine Runde weitergekommen war. Da lenkte Moderator Reinhold Beckmann das Gespräch weg vom Spielgeschehen, hin zum Fußball-Thema der Woche: Doping. Es entwickelte sich eine Szene, die an Peinlichkeit und Absurdität kaum zu überbieten war. Beckmanns Ausgangsfrage: "Die Vorwürfe an den VfB Stuttgart und SC Freiburg - Doping in den 70er und 80er Jahren - ist das für Sie vorstellbar?"

Jürgen Klopp antwortete zunächst noch einigermaßen einordnend ("Die haben in Stuttgart vor sich hingetestet") und verteidigte die Spieler ("Wenn sie was gekriegt haben, haben sie es sicher nicht gewusst"). Doch dann wurde es abenteuerlich. Klopp wiegte seinen Kopf hin und her und sagte: "Dass die Spieler glauben, damit können wir uns weiterhelfen - so funktioniert das Fußballgeschäft überhaupt nicht."

Mehmet Scholl setzte sogar noch einen drauf.

Bei Bayern gab's Kindermedikamente

Der ARD-Experte ging zur berühmten Gegenfrage über: "Doping im Fußball, was soll das bringen?" Seine Argumentation: Alle Medikamente hätten auch Nebeneffekte, wer für die Ausdauer dope, verliere zum Beispiel an Schnelligkeit. Danach offenbarte er noch Details aus seiner Bayern-Zeit: "Wir hatten einen Medizinschrank, da waren Kindermedikamente drin. Das war harmloses Zeug". Spätestens an diesem Punkt dürfte so mancher Fernsehzuschauer sein Getränk wieder ausgeprustet haben. Auch Reinhold Beckmann konnte ein Glucksen nicht unterdrücken.

Für wie blöd - fragten zahlreiche Nutzer auf Twitter - kann man Fußball-Fans eigentlich halten? Jeder, der einmal Fußball gespielt hat, weiß: Ohne Fitness geht nichts. Wenn es im Fußball nur um Technik und Taktik ginge, dann könnten selbst Kreisligisten Bundesligisten schlagen. Dort gibt es nämlich auch überragende Techniker. Nur komischerweise kommt bei denen nach 30 Minuten nur noch die Hälfte aller Pässe an. Warum? Weil bei Ausdauersport irgendwann die Konzentration nachlässt, weil sie nicht so fit wie andere sind.

Fitness ist essenziell - in allen Ligen

Dieses Prinzip lässt sich getrost auf die Bundesliga, auf die Champions League, auf die Weltmeisterschaft übertragen. Warum schießt Lionel Messi kurz vor Schluss im WM-Finale einen Freistoß 30 Meter über das Tor? Sicherlich nicht, weil Messi keine Freistöße schießen kann. Sondern eher wegen fehlender Konzentration. Und der Mann hat sein Leben lang Spritzen bekommen. Natürlich nur zu Wachstumszwecken. Sicherlich hätte es ihm also etwas gebracht, wenn er noch fitter gewesen wäre - und er auch diesen Freistoß konzentrierter in Richtung Tor gebracht hätte.

Man weiß nicht, ob im Fußball flächendeckend gedopt wurde oder wird. Aber dass im Fußball Doping keinen Sinn machen würde, dieses Argument ist so absurd, dass es selbst der treueste Fan nicht glaubt. Dass es sich zudem wissenschaftlich nicht halten lässt, bestätigte auch der Dopingexperte der PH Heidelberg, Gerhard Treutlein, im ARD-Interview: "Das ist Blödsinn. Doping, je nachdem was man nimmt, bringt sehr wohl etwas im Fußball."

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity

Partner-Tools