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Sami Khedira - der ewig Unterschätzte

Vor anderthalb Jahren verhinderte Pep Guardiola eine Verpflichtung von Sami Khedira. Ein Jahr später griff Juventus Turin zu, Bayerns heutiger Gegner in der Champions League - das zahlte sich aus.

Von Tim Schulze

Der deutsche Nationalspieler Sami Khedira im Trikot von Juventus Turin

Sachlich, ehrgeizig, Vollblutprofi: Sami  Khedira zeichnet sich durch einen unbändigen Comeback-Willen aus

Als der VfB Stuttgart vor einigen Jahren noch international spielte, hieß der Trainer von 2009 bis 2010 mal Christian Gross. Der Schweizer war ein markiger Kerl, einer, der um kaum eine Wahrheit verlegen war. Und Christian Gross war es, der Sami Khedira erstmals richtig beschrieb. Khedira fehlte Gross einmal verletzt in einem Spiel. Die Schwaben spielten deutlich schwächer und Gross stellte sich nachher vor die Kameras und klagte: "Uns fehlte heute der Punch von Khedira". Gross wusste, was er an dem damaligen Youngster hatte und wie wichtig der damals 23-Jährige war. Khedira spielte schon in jungen Jahren den Chef auf dem Platz und marschierte vorneweg.

Sein aktueller Trainer schwärmt in ähnlicher Weise von dem Mittelfeldmann. Massimo Allegri, Coach von Bayern-Gegner Juventus Turin (ab 20.45 Uhr im stern-Liveticker) sagte unlängst: "Ich halte Sami für einen ganz großen Spieler." Und: "Er versteht es, das Spiel zu lesen und zu animieren." Khedira bringt, wenn er fit ist, eben den "Punch" auf den Rasen. "Er hat fünf Lungen, er läuft für alle mit", sagt Teamkollege Paul Pogba. Khedira ist aber auch ein Stratege mit einem guten Auge, er ist Vorbereiter und torgefährlich. Einige in Turin halten ihn deshalb für den besseren Arturo Vidal.

Juventus baut auf den Weltmeister

Im Spiel gegen die Bayern bauen sie bei Juventus auf den Weltmeister. Sein Start bei den Italienern verlief im Sommer nach fünf Jahren bei Real Madrid holprig. Khedira fiel verletzt aus, doch als er wieder zur Verfügung stand, kam auch Juve nach müdem Beginn in Schwung. Mit Khedira hat der italienische Rekordmeister insgesamt 14 Spiele gewonnen und zwei Unentschieden erreicht. Juventus ist aktuell Tabellenführer. Die anfängliche Skepsis in den Medien wich heller Begeisterung: "Seine Erfahrung und sein Charisma könnten gegen die Super-Bayern zum entscheidenden Element werden", schrieb der Corriere dello Sport.

In der Führungsetage der Bayern schätzten sie die sportlichen Qualitäten des Nationalspielers offensichtlich ähnlich ein. Die FCB-Bosse wollten den Weltmeister und Champions-League-Sieger 2014 als Nachfolger von Toni Kroos nach München lotsen. Doch Pep Guardiola legte sein Veto ein. Der Bayern-Coach schätzte dessen Spielweise nicht, vielleicht war er ihm zu verletzungsanfällig. Genaueres weiß man aber nicht. Doch Peps Skepsis teilen auch viele Fußball-Fans in Deutschland. In der Nationalmannschaft ist Khedira nicht derjenige, der ständig glänzt. Zudem fehlte er seit der WM häufig wegen zäher Verletzungen.

Bei Real fehlte Khedira Anerkennung

Sicher ist, dass Khedira damals gerne zu den Münchnern gewechselt wäre. Denn auch bei Real war das so eine Sache mit der Anerkennung. Er gewann mit den Königlichen zwar die Champions League, aber Spieler seines Typs genießen dort keine große Wertschätzung, sondern werden dort eher als Erfüllungsgehilfen der Edeltechniker angesehen. Der Mann mit dem unbändigen Comeback-Willen musste damit leben, dass er nicht so im Fokus stand wie Nationalmannschaftskollege Özil oder Ronaldo. Er ist eben einer, der auch für andere die Löcher stopft. Man unterschätzt ihn leicht. "Bei Juve werden nicht nur die Stürmer und Künstler anerkannt", sagt er selbst über seine Rolle in Italien, das habe er "lange vermisst".

Dennoch wird Guardiolas Veto im Sommer 2014 für den deutschen Nationalspieler im anstehenden Duell gegen die Bayern natürlich keine Rolle spielen. Eine Art Rache für die Nicht-Verpflichtung ist überhaupt kein Thema. Der mittlerweile 28-Jährige ist Vollblutprofi, sachlich. Ihm reicht sein Ehrgeiz, um sich zu motivieren. "Khedira giert nach Erfolgen und Trophäen“, urteilte der Corriere dello Sport. Die Bayern werden gewarnt sein. Denn am Abend steht gegen sie in jedem Fall nicht nur eine Meister-Abwehr von Juve auf dem Platz. Sondern auch der Punch von Khedira.

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