Rumpelstilzchen lebt!

19. September 2013, 11:57 Uhr

Jürgen Klopp hat es wieder getan: Dortmunds Trainer rastete beim Spiel in Neapel aus und wurde auf die Tribüne verbannt. Der BVB verlor die Partie - wegen Klopp. Der würde wohl wieder so reagieren. Von Klaus Bellstedt

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Jürgen Klopp im Clinch mit dem Vierten Offiziellen, danach ging es für den BVB-Trainer zunächst auf die Tribüne uind später ins Hausmeisterkabuff.©

Als Jürgen Klopp gut 15 Minuten nach Spielschluss schließlich doch noch den Weg durch die Katakomben des altehrwürdigen Stadio San Paolo ins ZDF-Studio gefunden hatte, wirkte Dortmunds Trainer schon wieder sehr aufgeräumt. Tiefenentspannt und mit einem Lächeln auf dem Gesicht gab er bereitwillig Auskunft über seine Eindrücke von diesem aufregenden Champions-League-Spiel, das der BVB beim SSC Neapel irgendwie unglücklich, aber doch verdient mit 1:2 verlor. Und Klopp war daran nicht ganz unschuldig.

Es war gerade eine knappe halbe Stunde gespielt, als der brodelnde Trainer unten an der Seitenlinie mit einem Wutausbruch seiner Mannschaft einen Bärendienst erwies. Auch nach eigener Einschätzung: "An guten Tagen, wenn der Trainer seine Nerven im Griff hat, können wir was mitnehmen", sagte Klopp hinterher reumütig. Und: "Ich mach da draußen den Affen. Das war wirklich doof." So aber wurde der 46-Jährige für seinen Ausraster auf die Tribüne verbannt – und konnte von dort aus weder in der Halbzeitpause noch in der zweiten Hälfte seinem taumelnden Team die nötigen Ratschläge mit auf den Weg geben.

"Im falschen Film"

Was war passiert? Weil Verteidiger Neven Subotic von einer Behandlung jenseits des Rasens auf Geheiß des Referees erst mit Verzögerung in die Partie zurückkehren durfte und die BVB-Abwehr deshalb beim 0:1 durch Gonzalo Higuaín (29.) noch nicht wieder vollends formiert war, hatte sich Klopp lautstark mit dem Vierten Offiziellen angelegt. Natürlich war das ein Fehler. Einer, den der impulsive Trainer sofort einsah. "Ich habe mich direkt nach dem Spiel beim Vierten Offiziellen, beim Schiedsrichter und bei meiner Mannschaft entschuldigt. Die Emotionen, die ich herein gebracht habe, haben aus einem von uns nicht gut geführten Spiel ein hektisches gemacht."

Vor allem in den Minuten vor dem Pausenpfiff überschlugen sich die Ereignisse. Genau in diesen Momenten verlor die Borussia diePartie. Napolis Führung, der Verweis des Trainers auf die Tribüne, die Auswechslung des verletzten Nationalspieler Mats Hummels und die Rote Karte für Torhüter Roman Weidenfeller, dessen Handspiel außerhalb des Strafraums regelkonform geahndet wurde, brachten die Borussia mächtig ins Wanken. Nuri Sahin wähnte sich "im falschen Film".

Nachspiel für Klopp

Dass sich Weidenfeller-Ersatz Mitch Langerak bei einer Rettungstat in der zweiten Halbzeit auch noch zwei Schneidezähne abbrach, passte ins Bild von einem gebrauchten Abend. Nach dem 0:2 von Lorenzo Insigne schöpfte der BVB durch das späte Eigentor des Neapolitaners Juan Camilo Zúñiga zwar noch einmal Hoffnung, konnte aber den schmerzlichen Fehlstart in den noch in der Vorsaison märchenhaften Wettbewerb nicht mehr abwenden.

Übrigens: Jürgen Klopp verfolgte den zweiten Akt des Trauerspiels im Kabuff des Hausmeisters. Dort schaute er sich das Spiel im TV weiter an. Den Zufluchtsort im Bauch der Arena hatte er mit voller Absicht gewählt, weil der Wüterich in den Minuten nach seiner Verbannung auf die Tribüne mit Häme seiner italienischen Sitznachbarn überschüttet wurde. Das wollte er sich einfach nicht mehr antun.

Für Klopp wird das Spiel in Neapel aller Voraussicht nach noch Folgen haben. Die Uefa könnte nachträglich eine Strafe aussprechen. "Das liegt jetzt nicht mehr in meiner Hand", sagte der Trainer, dem ähnliche Szenarien aus der Bundesliga bereits vertraut sind. Auf nationaler Bühne hatte Klopp für vergleichbare Vorkommnisse schon diverse Geldstrafen kassiert.

Ob Klopp aus der Geschichte von Neapel lernen wird? Eher nicht. "Wenn ich jetzt sage, es passiert nicht mehr, denken die Leute vielleicht, ich habe einen Lattenschuss. Ich wollte es nicht mehr machen, habe es trotzdem gemacht." Rumpelstilzchen lebt weiter. Ganz sicher!

mit DPA.

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