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9. November 2009, 10:09 Uhr
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Lahm legt Finger in die Bayern-Wunden

Die massive Kritik von Philipp Lahm an den Bayern-Bossen und der Eklat um Luca Toni haben zu ersten Konsequenzen geführt. Beide Spieler mussten zum Rapport antreten und wurden zu hohen Geldstrafen verdonnert.

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Die Bayern-Rebellen: Luca Toni und Philipp Lahm während des Trainings am Sonntag© Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images

Wieder kein Sieg, aber noch mehr Ärger - der FC Bayern München wird zum Tollhaus. Mit Vorstands-Kritiker Philipp Lahm und Stadion-Flüchtling Luca Toni machte der Fußball-Rekordmeister am Sonntag kurzen Prozess - beide wurden zu Geldstrafen verdonnert. Dass Magier Felix Magath seinem Ex-Club mit dem FC Schalke 04 auch wegen des mutigen Schachzugs mit dem 18 Jahre alten Bundesliga-Nobody Joel Matip beim 1:1 zwei Punkte "klaute", verblasste hinter dem Wirbel um den sonst so loyalen Nationalspieler Lahm und den nach seiner Auswechslung zur Pause wutentbrannt heimgebrausten Weltmeister Toni.

Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Louis van Gaal zitierten die beiden Profis am Sonntagmorgen noch vor dem Training zum Rapport, sprachen auch in der Kabine zur gesamten Mannschaft. Es herrscht Alarm an der Säbener Straße. Lahm traf es nach seiner in der "Süddeutschen Zeitung" geäußerten Fundamentalkritik an den Club-Bossen, aber auch an Trainer und Teamkollegen härter als Toni.

Der Vize-Kapitän habe in "eklatanter und unverzeihlicher Art und Weise gegen interne Regeln verstoßen", erklärte der Vorstand und sprach von einem Tabu-Bruch. Darum wurde Lahm "mit einer Geldstrafe belegt, wie es sie in dieser Höhe beim FC Bayern noch nicht gegeben hat", so Rummenigge. Die Strafe müsste über 50.000 Euro liegen.

Lahm hat sich nicht entschuldigt
"Empfindlich" soll die Buße für Spitzenverdiener Toni sein, dem eine "unakzeptable Disziplinlosigkeit" vorgeworfen wurde. Toni habe sich inzwischen beim Club und seinen Teamkollegen entschuldigt, von Lahm wurde Ähnliches in der Presse-Erklärung nicht überliefert. Der Vorstand ging auch weiterhin nicht inhaltlich auf Lahms Aussagen ein.

Ungemütlich bleibt der Münchner Herbststurm, der sich auf der Hauptversammlung am 27. November mit dem geplanten Stabwechsel von Franz Beckenbauer zu Uli Hoeneß im Präsidentenamt in einem Orkan entladen könnte, auch für Louis van Gaal - obwohl der Trainer akut nicht um seinen Job bangen muss. "Es war kein katastrophales Spiel, sondern ein ordentliches. Wir werden in aller Ruhe bis Weihnachten abwarten und gucken, wie das Zwischenergebnis ist", sagte Hoeneß.

Trotz Mittelmaß, Platz acht und sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen hielt der Manager an seiner kühnen Platz-1-Prognose zum Jahresende fest: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Aber sie schwindet, zumal Abwehrchef Daniel van Buyten (31.) einmal mehr als Torschütze für die indisponierten Stürmer einspringen musste. Youngster Matip konnte per Kopf ausgleichen (43.). "Das war ein großes Erlebnis für mich - ein Super-Film", jubelte der 18 Jahre alte Schüler nach seinem Traum-Debüt bei den Profis.

Die Tore fehlen
"Die Tore fehlen, es ist frustrierend", stöhnte van Gaal. Das Heimspiel gegen Leverkusen in zwei Wochen werde aber nicht zu seinem persönlichen Endspiel: "Das denke ich niemals. Wir haben aus den letzten neun Spielen 18 Punkte geholt. Mit einem Durchschnitt von zwei Punkten kann man Meister werden."

Trotz der raschen Bestrafung von Lahm und Toni bleibt der innere Betriebsfrieden gestört. Kritiker Lahm legte den Finger in viele Münchner Wunden. Er monierte besonders die "nicht immer glücklichen Transfers" der Vereinsführung, die keinen erkennbaren Plan und eine klare Linie habe. Eine "Spiel-Philosophie" wie bei Manchester United oder dem FC Barcelona "gibt es bei uns nicht". Auch die Kollegen wurden nicht verschont. Im Mittelfeld sieht er "das größte Problem".

Rumms, das saß! Der seit 30 Jahren als Manager amtierende Hoeneß reagierte verärgert: "Sie können sich sicher sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird." Hoeneß sieht Lahm, der nach dem Spiel schwieg, fremdgesteuert durch seinen Berater Roman Grill, "den nicht angenommenen Manager beim Hamburger SV". Hoeneß bezeichnete Lahms Vorgehen "als nicht klug in so einer Phase" und betonte: "Man kann mit uns über alles sprechen, aber bei uns hinter der Tür."

Die Nerven liegen blank
Wie blank die Nerven liegen, bewies das Revanchefoul von Arjen Robben an Lukas Schmitz - zum Glück für Bayern zog Schiedsrichter Florian Meyer Gelb statt Rot: "Es war definitiv keine Tätlichkeit. Robben stößt mit der Brust, nicht mit den Armen und nicht ins Gesicht", erläuterte Meyer. Doch Lahm, Toni, Robben und die Krise - Torschütze van Buyten schlug Alarm: "Wir müssen jetzt den FC Bayern zusammenhalten. Nur so werden wir da rauskommen. Wenn jeder seinen Weg geht, wird es schwierig."

Bei Schalke gibt nur einer die Richtung vor - Felix Magath. Der Meister-Coach zauberte in Matip ein neues Juwel aus dem Ärmel.

DPA/tis
KOMMENTARE (10 von 25)
 
Zukunftsfussball (11.11.2009, 09:09 Uhr)
So ein Hoeneß
In Bayern würde man sagen: "Wer hat dem
Hoeneß und Rummenigge ins Hirn geschissen?"...
natürlich wäre das nur die richtige Wortwahl,
würde man dem Vorstand persönlich
gegenüberstehen.Philipp Lahm, unentbehrlich für
die Bayern, seit Jahren im Verein, zuverlässig und
treu. Wenn einer sein "bayrisches Maul" aufreissen
darf, dann Herr Lahm. Hoeneß fühlt sich derzeit
wohl zu beliebt und hat schon die Zeiten vergessen, als er
mit Eiern beworfen wurde und täglich ausgebuht wurde,
wenn der rot-verschwizte Schädel ins Rampenlich trat.
Kahn oder Lahm, die seit Jahren das Spiel leben(lebten),
sollten eher aufmerksam angehört werden.Tatsache ist
ja, dass Rummenigge und Hoeneß aus der Dinosaurier
Fußballzeit stammen. Das deren Philosophie seit Jahren
ausgestorben ist, ist schon längst klar, nur traute
sich keiner den Würstlmann in scharfen Senf zu tauchen.
"Alles hat ein Ende, nur die Bayern haben keins".
Das passt genauso, wie der Würstchenmann zu den Bayern
- nämlich garnicht!Ich schlage vor, dass Hoeneß
die ausfallenden Stadioneinnahmen zahlt, die wegen seiner
eigenen Verblendung in den nächsten Monaten ein Loch in
die Bayernkasse reißen wird. Arme Bayern mit einem
Hoeneß als Vorzeigewurst..
pingpong (09.11.2009, 12:42 Uhr)
Kritik am
Arbeitgeber? Ja.
In der öffentlichkeit: im Grunde nein. Das dürfte bei jedem Arbeitnehmer - und das sind die Fußballtreter doch auch - Mecker geben. Zumindest Abmahnung. und beim nächsten Mal: Kündigung.
Also Herr Lahm: Wenn se wegwollen - einen hamse noch!
gunnarhaeger (09.11.2009, 12:33 Uhr)
Strafe verdient!
Mag Lahm in der Sache vielleicht sogar Recht haben, er ist trotzdem nur ein Angestellter eines Vereins. So etwas kann man intern klären, aber nicht ohne Vorwarnung in der Öffentlichkeit. Als Arbeitgeber würde ich mir das auch nicht gefallen lassen. Aber nächstes Jahr ist ja WM und da stellt sich für einige schon die Frage, ob sie einen Rauswurf nicht provozieren wollen.
asbaminga (09.11.2009, 11:56 Uhr)
Chapeau für Lahm
Er hat Recht. Schlicht und einfach! Das Interview ist hervorragend, sachlich und gut durchdacht. Der Zeitpunkt hervoragend gewählt- er konnte sicher sein, die volle Aufmerksamkeit aller zu bekommen. Die Strafe wird er einkalkuliert haben, und mit Sicherheit hat er im Vorfeld versucht, mit der Führung des FCB zu reden. Bei denen beginnt aber vermutlich der Altersstarrsinn.. und Majestätsbeleidigungen waren und sind in Bayern kein Kavaliersdelikt. Ich bin sehr gespannt, ob und wie die Führung des FCB reagiert, wenn sie das Interview selbst analysiert haben und wenn die Wut dem Verstehen weicht.....Hut ab vor Philip Lahm, der sich richtig verantwortlich fühlt für seinen Verein und seine Mitspieler..wenn man das Interview nämlich richtig liest, übt er keinerlei Kritik an seinen Spielern und dem Trainer, im Gegenteil!!
rynaldo (09.11.2009, 11:36 Uhr)
Freiheit für Lahm und Toni
... die Anderen sollte man bestrafen: 1. Rimmenigge für seine Langweiligkeit und 2. Beckenbauer für seine Bräsigkeit. Höneß muss aber erhalten bleiben, sonst schläft die Bundesliga vor Langeweile ein.
MartinZ (09.11.2009, 11:08 Uhr)
Panem et Circenses
Brot und Spiele, das beherrscht der FCB in dieser Saison perfekt. Noch nie war der Unterhaltungwert so hoch. Weiter so, Herr Höhness, dann werde ich doch noch zum Bayernfan..................
Maddux (09.11.2009, 11:00 Uhr)
Mao ist Vorbild
für Hoeness und Rummenigge oder was ? Free Philip ! Zum Schiri "Robben stößt mit der Brust" und stoßen ist jetzt erlaubt oder was ? Also liebe Gegenspieler von Robben und Ribery: Stoßen ist angesagt !
Styx2007 (09.11.2009, 10:42 Uhr)
Uiuiuiuiui - hohe Geldstrafe
Uiiiii - da muss Lahm und Toni doch tatsächlich die höchste Geldstrafe zahlen, die die bayern je verhängt haben - 50.000 ? Mein lieber Mann, ich weiß zwar nicht, wieviel Lahm und Toni pro Jahr an Geld einsacken, aber die geldstarfe wird diese beiden ja unglaublich hart treffen - mal angenommen, dass beide im Schnitt 2,5 mio ? pro Jahr beziehen - wahrscheinlich eher viel mehr - müssen Sie doch tatsächlich von Ihren über 200 T?/Monat ein viertel!!!!! abgeben - FRECHHEIT! Wie können die beiden denn dann überhaupt noch existieren??? Schlage deshalb sofort einen Notgroschen vor, den die bayernfans zu überweisen haben, damit die Spieler bei Laune bleiben.

Die Knödelköpfe bei Bayern machen sich ja mehr als lächerlich wenn sie annehmen, dass das eine "harte und empfindliche" Strafe sein soll . was für ein lächerlicher Wurstverein!
Prato61 (09.11.2009, 09:11 Uhr)
Geballte Hilflosigkeit
Diese Fälle zeigen wieder einmal eindeutig auf, wo der FCB seine großen Probleme hat. Zum einen kann es nicht funktionieren, dass ein Betrieb mit derartigen Umsätzen von einem abgebrochenen Sparkassenlehrling geführt wird, zum anderen wird dem Verein das viele Geld zum Verhängnis, wie man unschwer aus der hirn- und sinnlosen Transferpolitik der letzten Jahre erkennen kann.
Man kann sicher über das Vorgehen von Philipp Lahm geteilter Meinung sein. Allerdings zeigt die hilflose Reaktion der Vereinsführung, dass ihnen die Bodenhaftung total abhanden gekommen ist, dass sie absolut keine Ahnung über den derzeitigen Zustand der Mannschaft hat und nicht zuletzt, dass ihnen der Gemütszustand des einfachen Fans total wurscht ist.
gez. Ein Bayernfan
arniston (09.11.2009, 07:00 Uhr)
kaum zu glauben,
wie sich menschen die für die gesellschaft relativ unwichtig sind hier aufspielen.
solche sorgen müsste der bürger haben.
hoeneß & co ist wohl entgangen , dass es sich um ein spiel handelt wo mit werbung und anderer wichtigtuerei millionen über den tisch geschoben werden und diese dadurch auf keinen fall wichtiger werden wie zb ein lokführer im ice der 700 menschen bewegt, und dass sinnvoll..
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