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Bayern? Einfach wegquasseln!

Der FC Arsenal geht am Abend als Außenseiter in das Duell mit den Bayern. Hoffnungsträger ist ausgerechnet Lukas Podolski, der einst in München scheiterte. In London ist er ein Star.

Von Klaus Bellstedt

  Wenigstens einer, der bei Arsenal gerade gute Laune hat: Lukas Podolski

Wenigstens einer, der bei Arsenal gerade gute Laune hat: Lukas Podolski

  • Klaus Bellstedt

Arséne Wenger, der Trainer von Lukas Podolski beim FC Arsenal, hat es derzeit schwer. So schwer wie vielleicht noch nie in seiner fast 17-jährigen Amtszeit bei den Nord-Londonern. Der Franzose steht mit seiner Mannschaft vor der achten titellosen Spielzeit nacheinander – und stärker denn je in der Kritik. Am Wochenende blamierte sich Arsenal im Achtelfinale des FA Cups. Zuhause im Emirates Stadium verlor man mit 0:1 gegen den Zweitligisten Blackburn Rovers. Einer der bekanntesten TV-Moderatoren Englands, Arsenal-Fan Piers Morgan, twitterte daraufhin: "Eilmeldung: Elf Arsenal-Spieler wurden positiv auf Eselfleisch getestet."

Immerhin war Lukas Podolski damit nicht gemeint. Genauso wenig wie dessen Nationalmannschaftskumpel Per Mertesacker. Wenger schonte die Mehrzahl seiner Stammspieler für den Champions-League-Hit gegen die Bayern an diesem Dienstagabend (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker). Das Ausscheiden im englischen Pokalwettbewerb, so der Vorwurf von Fans und Medien, habe Wenger billigend in Kauf genommen. Arsenal hat jetzt nur noch die Champions League, um positive Schlagzeilen zu produzieren. Aus dem Ligapokal flogen die "Gunners" bereits im Dezember nach einer Blamage gegen den Viertligisten Bradford City. In der Premier League liegt der Club als Fünfter trotz des momentanen Aufwärtstrends bereits mit großem Abstand hinter den Spitzenteams. Und nun also die Über-Bayern. Es könnte wirklich besser laufen für Wenger.

Arsenal-Tattoo für Podolski

Während sich Arsenals Coach auf der Beliebtheitsskala der Fans ausgerechnet vor den beiden wichtigsten Spielen der Saison also der Nulllinie nähert, ist Fanliebling Podolski so etwas wie der Hoffnungsträger des Vereins für die Königsklassen-Duelle mit den Münchnern. Weil er für das steht, was vor allem dem knurrigen Elsässer in letzter Zeit immer öfter abgeht: Optimismus, Unbekümmertheit und Spaß. Und natürlich auch, weil er genau zum richtigen Zeitpunkt in Form ist und den Gegner und dessen Schwächen besser als jeder andere bei Arsenal kennt. Podolski, 27, erlebt in London gerade die Zeit seines Lebens. Vergessen sind die drei Frustjahre bei den Bayern. Die Drähte in die Heimat zu seinem geliebten FC Köln sind zwar nach wie vor exzellent und glühen täglich, aber auch hier scheint der für seine Entwicklung als Mensch und Fußballer so wichtige Abnabelungsprozess endgültig abgeschlossen.

Was sich auch daran festmachen lässt, dass Podolski mit dem Gedanken spielt, sich das Emblem seines neuen Vereins tätowieren zu lassen. "Ich bin sehr glücklich bei diesem Club. Vielleicht könnte ich auf meinen linken Arm ein Arsenal' kriegen", teilte er in der vergangenen Woche auf seiner Twitterseite mit. Das hört sich nach sehr viel Liebe nach gar nicht mal so sehr langer Zeit im neuen Verein an. Podolski wechselte zu Saisonbeginn nach London. Der Außenstürmer spielt unter Wenger nicht immer von Beginn an, aber acht Tore und neun Vorbereitungen in der Premier League stehen als Beweis seines außergewöhnlichen Könnens zu Buche.

Wiedersehen mit Schweinsteiger und Co.

"Ich wusste immer, dass ich die Qualität besitze, mich hier oder auch woanders durchzusetzen. Ich bin auf und außerhalb des Platzes total zufrieden. Ich fühle mich absolut wohl", sagte Podolski dem Kölner Boulevardblatt "Express". So wohl, dass er sich sogar vorstellen kann, seinen Vierjahresvertrag schon bald zu verlängern. Die Zeit beim FC Arsenal tue ihm gut, so Podolski weiter. Man nimmt ihm das sofort ab. Heimweh nach Kölle? Eher nicht. Stattdessen zeigt er seinen Facebook-Freunden und Twitter-Followern in regelmäßigen Abständen, wo er sich gerade in London aufhält. Die Schnappschüsse aus der City haben schon jetzt Kultcharakter.

Gegen seinen Ex-Club im Champions-League-Achtelfinale steht Podolski noch mehr als sonst im Blickpunkt - auch wenn er versucht, das Wiedersehen mit den Kollegen von einst klein zu halten. "Ich habe keine Extramotivation, um irgendjemandem etwas zu beweisen. Meine Zeit bei den Bayern ist Jahre her, irgendwann ist dieses Thema auch mal durch." Die Freundschaften sind aber geblieben. Zu Uli Hoeneß sowieso. Aber vor allem natürlich zu Thomas Müller und Bastian Schweinsteiger, seinen Buddys aus der Nationalmannschaft.

"Irgendwas quasseln"

Vergangene Woche trafen sich Mertesacker und Podolski mit Schweinsteiger und Müller in einem Video-Chat. Ausrüster adidas hatte das Internet-Date arrangiert. Beide Seiten frotzelten entspannt hin und her. Natürlich ging es auch um diesen Dienstag. Arsenal geht als klarer Außenseiter in die beiden Spiele gegen die Bayern. Die größte Gefahr gehe für sie von Lukas Podolski aus, sagt Schweinsteiger an einer Stelle des Chats: "Es wird schwierig, sich dort zu konzentrieren, weil er einen bestimmt auch mal durcheinanderbringen und irgendwas quasseln wird." Allein durch die Macht der Worte die Bayern schlagen: Lukas Podolski ist derzeit alles zuzutrauen.

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