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In seiner eigenen Liga

Gut, besser, Messi! Für den Argentinier gehen die Attribute aus. Und die Rekorde. Mit zwei Toren gegen Betis Sevilla hat der Barca-Star die Bestmarke von Gerd Müller geknackt. Eine Würdigung.

Von Joel Stubert

  Ein gewohntes Bild: Lionel Messi bejubelt ein Tor des FC Barcelona

Ein gewohntes Bild: Lionel Messi bejubelt ein Tor des FC Barcelona

  • Joel Stubert

Viel Zeit blieb Carles Rexach an jenem Dezembertag im Jahr 2000 nicht. Und so orderte der damalige Manager des FC Barcelona eine Serviette. Rexach zögerte nicht, denn das, was er soeben sehen durfte, war verblüffend. "Nehmt den Knirps unter Vertrag, aber rapido!", soll er gerufen haben, nachdem er den 13-Jährigen Lionel Messi beim Probetraining das erste Mal den Ball berühren sah. Rexach, Vermittler Josep Minguella und Messis Anwalt Horacio Gaggioli unterschrieben schließlich auf dem kleinen Stückchen Stoff den Vertrag für den kleinen Lionel. Ein Vertrag, der die Fußballwelt nachhaltig prägen sollte.

Gut zwölf Jahre später ist Lionel Messi der beste Fußballer aller Zeiten. Aber nicht nur: Mit seinen beiden Toren gegen Betis Sevilla hat der Argentinier nun auch Gerd Müllers 40 Jahre währende Bestmarke geknackt. Müller hatte 85 Treffer im Kalenderjahr 1972 erzielt, Deutschland zum EM-Titel geschossen und für den FC Bayern am Ende der Saison 1971/72 40 Treffer markiert. So wie Müller für den FC Bayern und Deutschland der Garant für Erfolg war, ist es Lionel Messi heute für seinen FC Barcelona. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er den 85-Tore-Rekord knacken würde. 86 Pflichtspieltore hat er in diesem Jahr erzielt. Bislang, denn bis zum Jahresende bleiben Messi noch drei weitere Pflichtspiele um sein Torkonto auszubauen - zwei in der Liga und das Hinspiel im Pokal-Achtelfinale gegen den Zweitligisten FC Córdoba.

Dabei deutete zunächst nicht viel auf das Talent des Lionel Messi hin. Er war schmächtig und litt an einer Wachstumsstörung, die mit Hormonen behandelt werden musste. Kein Verein in Argentinien wollte die Kosten dafür übernehmen, zu unsicher schien ihnen seine Entwicklung. So spielte Messi in Barcelona vor. Die Katalanen nahmen die 900 Euro für die Behandlung monatlich gern in Kauf - eine Investition, die sich auszahlen sollte.

Zwölf Jahre später darf man die Entschlossenheit des Carles Rexach getrost als eine Sternstunde des FC Barcelona bezeichnen. Messi trägt seitdem das granatrot-blaue Trikot und entwickelte sich in der berühmten Jugendakademie "La Masia" zum besten Fußballer der Welt.

Weltfußballer auf lange Sicht

Mit ihm spielt Barcelona den schönsten und erfolgreichsten Fußball, den je eine Vereinsmannschaft gespielt hat. 19 Vereinstitel gewann Messi seit 2005 mit "Barca", davon dreimal die Champions League, zweimal die Klub-Weltmeisterschaft und fünfmal die spanische Meisterschaft. Dass er selbst in einer eigenen Liga spielt, zeigen seine 34 persönlichen Ehrungen.

Dass er von 2009 bis 2011 dreimal in Folge zum Weltfußballer des Jahres geehrt wurde, scheint da fast selbstverständlich. Sein Mannschaftskollege Dani Alves sieht daher für andere herausragende Fußballer wie Cristiano Ronaldo schwarz: "Wenn nichts Außergewöhnliches geschieht, wird Messi den Ballon d'Or auch in den kommenden drei, vier Jahren gewinnen." Sein Vorschlag: "Deswegen würde ich auch verschiedene Auszeichnungen für verschiedene Positionen vergeben, weil sonst Messi immer der Sieger sein würde."

Da das Alves’sche Modell für das Jahr 2012 noch keine Anwendung findet, gilt "Barcas" Nummer 10 auch in diesem Jahr als haushoher Favorit für die Wahl des weltbesten Kickers. Die schiere Flut an Ehrungen verschafft jedoch nur einen ungefähren Eindruck davon, welche Qualität der Mann aus Rosario aufweist. Seine Eleganz, Schnelligkeit und technische Brillanz münden vor allem in einem: Torgefahr.

In der Saison 2011/12 knackte "La Pulga", der Floh, mit 50 Ligatoren in 37 Spielen den Uraltrekord von Ferenc Puskas aus dem Jahr 1960. Bis zum Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon hatte der Argentinier 275 Tore im Trikot der Katalanen erzielt.

Lobeshymnen pflastern seinen Weg

Lionel Messi ist das Synonym für einen Spieler der Extraklasse. Wenn man einem Fußballer eine außerordentliche Qualität bescheinigen will, muss zumeist Lionel Messi als Vergleichsobjekt herhalten. Ribéry sei derzeit "Bayerns Messi", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge kürzlich. Auch Mario Götze wurde die derzeit größte Ehre für einen Fußballer zuteil: "Er hat die Anlagen wie Lionel Messi, dessen Spielverständnis und die Technik. Und er ist ein reiner Instinkt-Fußballer - genau wie Messi", sagte Franz Beckenbauer über das Dortmunder Talent.

Doch das Original übertrifft sie alle. Sein ehemaliger Trainer Pep Guardiola meinte einst: "Leo ist der beste Spieler, den ich je auf dem Fußballplatz habe spielen sehen und wohl auch der Beste, den ich je sehen werde. Wir haben viele gute Spieler, aber er allein macht den Unterschied." Nach Messis fünf Toren im Champions-League-Spiel gegen Leverkusen im März dieses Jahres, bezeichnete ihn Teamkollege Carles Puyol schlicht als "Fußballgott".

Superlative, Lobeshymnen und Preise pflastern den Weg des Lionel Messi. Abseits des Rasens fällt er dadurch auf, dass er eben möglichst nicht auffallen will. Lionel Messi ist bescheiden. "Mit dem ersten Geld, das er bei Barça bekam, hat er mir ein Hemd gekauft, das mir schon lange gefiel. So ist Leo halt", berichtet sein Vater. Diese Mischung aus sportlicher Genialität und Bescheidenheit macht ihn zu einem weltweiten Botschafter des Fußballs.

Vergleiche können nur hinken

Als Barack Obama den amerikanischen Fußballmeister von 2010, die Colorado Rapids, besuchte und ein Trikot mit der Nummer 10 überreicht bekam, fiel ihm zuerst der Argentinier ein: "Die Nummer 10 - für Spielmacher wie mich und Messi".

Und auch Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann durfte sich eines Messi-Vergleichs erfreuen: "Er ist der Lionel Messi der Bankenwelt. Aber auch er verschießt gelegentlich einen Elfmeter. Dennoch ist Messi Weltklasse." sagte Manfred Pohl, Autor der Ackermann-Biographie, bei der Vorstellung des Buches im Mai.

Solche Gleichsetzungen zeigen nicht zuletzt, dass Lionel Messi eben gerade dafür nicht geeignet ist. Ein Vergleich mit Messi muss zwangsläufig hinken. Diego Maradona, der bisher beste Fußballer Argentiniens, hat jedoch auch eine Parallele parat - natürlich mit sich selbst. "Messi ist besser als ich es bei der WM 1986 war", gab der nach eigener Auffassung beste Fußballer des 20. Jahrhunderts zu. Und wer Diego Maradona kennt, weiß - ein größeres Lob gibt es nicht.

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