"Gierig darauf, das Ding zu gewinnen"

21. Mai 2008, 11:28 Uhr

Am Abend (ab 20.45 Uhr im stern.de-Live-Ticker) trifft Michael Ballack mit Chelsea im Champions-League-Finale auf Manchester United. Im stern-Interview spricht der Mittelfeldstar über unerfüllte Träume, den gnadenlosen Konkurrenzkampf bei Chelsea und seine neue Härte.

0 Bewertungen

Michael Ballack, 31, am Tag nach dem Champions-League-Halbfinale gegen Liverpool im Mai 2008©

Herr Ballack, die "Daily Mail" schreibt: "Ballack sieht unbesiegbar aus." Fühlen Sie sich selbst so?

Oh, ich fühle mich frisch, bin gut drauf, ich treffe das Tor. Aber unbesiegbar? Wir reden hier immer noch über Fußball.

Noch seien Sie ein Unvollendeter, es fehle Ihnen ein internationaler Titel, sagen Kritiker. Nun haben Sie am Mittwoch in Moskau gegen Manchester United erneut die große Chance, die Champions League zu gewinnen. Wenn es Ihnen glückt, herrscht ein für alle Mal Ruhe, oder?

Das ist mir von Herzen egal. Ich will diesen Pokal unbedingt gewinnen. Ich will nicht irgendwann auf meine Karriere zurückschauen und sagen, schade, es war ein paarmal knapp, aber es hat nie gereicht.

Worum geht es da, um Ihren inneren Frieden?

Was weiß ich. Wahrscheinlich um das Gefühl, das, was ich am besten kann, ausgereizt zu haben.

Vor sechs Jahren standen Sie zuletzt im Finale, mit Leverkusen gegen Real Madrid ...

... das war ja noch vor meinen vier Jahren beim FC Bayern. Unglaublich lang her. Wir waren die bessere Mannschaft, wir haben Real am Ende an die Wand gespielt - und wir haben eins zwo verloren. Wir haben uns selbst geschlagen damals.

Hadern Sie damit heute noch?

Nein. Man denkt ab und zu daran. So ist das im Fußball: Wir hatten mit Leverkusen diese tolle Saison gespielt und am Ende alles verspielt, davor auch Meisterschaft und Pokal. Du wirst in unserem Sport selten belohnt und manchmal sogar brutal bestraft.

Was kann man da tun?

Nicht viel. Sich nicht entmutigen lassen, was auch immer geschieht. Da sein, wenn sich das Glück zu wenden scheint.

Wendet es sich denn dieses Jahr? Im Meisterschaftsfinale der Premier League sind Sie nach großer Aufholjagd am Sonntag knapp gescheitert.

Das war ja leider zu erwarten, wir sind nicht zu sehr enttäuscht. In die Champions- League-Saison aber gehst du jedes Jahr und sagst dir: Dieses Jahr ist unser Jahr. Auch die Jungs von ManU, die wie wir eine bärenstarke Mannschaft haben. Bei mir war in den letzten Jahren der Traum manchmal ein bisschen früher zu Ende, manchmal später. Aber der Traum blieb. Und jetzt stehe ich ganz kurz davor. Es fehlt nur noch dieses Spiel. Ich bin ... Wie soll ich es sagen? Es lohnt sich ja nicht, sich verrückt zu machen. Ich bereite mich wie immer vor, und dann geh ich da rein und will es gewinnen, mit aller Macht. Mehr kannst du nicht tun, als es zu wollen.

Sie sprechen sonst nüchtern über Fußball. Aber nun benutzen Sie dieses Wort: Traum.

Das ist es ja auch: ein Traum. Als Vereinsfußballer gibt es nichts Größeres.

Vor der WM 2006 erzählte uns Joachim Löw, damals Co-Trainer des DFB, dass er sich jeden Abend vor der Nachtruhe dieses Bild vorstelle: Wie er den Weltmeisterpokal in den Händen hält. Machen Sie so etwas auch?

Nein, eigentlich nicht. Es klingt lapidar, es ist aber so, du darfst im Sport nicht zu weit denken. Immer nur ans nächste Spiel. Dieses Halbfinale jetzt gegen Liverpool, das war so eine schwere Aufgabe, die packst du nur, wenn du dich ihr mit Haut und Haaren stellst. Aber das Gefühl entwickelt sich gerade, wie es wäre, den Pott in den Händen zu halten. Das füllt irgendwann alles aus, das ganze Denken, wenn es auf den Spieltag zugeht. Und so muss es auch sein: Dass du total fokussiert bist, gierig, das Ding zu gewinnen.

Wie wird es Ihnen gehen vor diesem Finale, einem der größten Matches Ihrer Karriere?

Ich gehe in solche Spiele anders rein als noch vor ein paar Jahren. Gelassener. Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, sich zu sehr unter Druck zu setzen. Auf der anderen Seite brauchst du Anspannung, um gut zu sein. Das ist eine Waage, die im Lot gehalten werden muss. Man kann sich zwar besser kontrollieren, wenn man älter wird. Und doch ... Wenn du da rausgehst und das Stadion betrittst, springt dich die Nervosität trotzdem an. Da kannst du dich nicht gegen wehren.

Wer Sie in Chelseas letzten Spielen beobachtet hat, der staunte: Das war der präsenteste, wachste, aber auch egoistischste Ballack, den es je gab – womöglich auch der beste. Sehen Sie das ebenso?

Sagen wir so: Von der Entwicklung, Präsenz, Ausstrahlung, vom Spielniveau insgesamt her entwickelst du dich mit dem Alter weiter, und zugleich arbeitest du weiter an deinen Schwächen.

Nach zwölf Jahren im Profigeschäft sprechen Sie noch von Entwicklung?

Natürlich. Ich habe in diesen knapp zwei Jahren bei Chelsea viel dazugelernt.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 21/2008

  zurück
1 2 3
 
 
MEHR ZUM THEMA
KOMMENTARE (1 von 1)
 
prinzalbert (21.05.2008, 12:53 Uhr)
deutsche Sprache, schwere Sprache
nicht nach jedem Komma wird aus das - dass. Man braucht sich doch bloß diese Überschrift laut vorzulesen um zu wissen, dass "dass" hier "das" heißen muß. Aber wie schon früher gesagt, der Stern wird dem Blatt mit den vier großen Buchstaben immer ähnlicher. Von Seriosität ist da nicht mehr viel vorhanden.
Ach übrigens: Fußball interessiert mich nicht - also auch dieser Artikel nicht (falls noch mehr so tolle Rechtschreibkünste vorhanden sein sollten!!!)
Sport-Liveticker
Fußball-Bundesliga - live Fußball-Bundesliga - <i>live</i> Die Jagd nach der Schale Zum Liveticker
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (18/2014)
Die vegane Versuchung