24. März 2010, 17:20 Uhr

Hertha BSC Berlin muss Fans aussperren

Die Fan-Randale nach dem Bundesligaspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Nürnberg hat für den Hauptstadtclub Folgen: Der Deutsche Fußballbund (DFB) verdonnerte die Hertha zu einer Geldstrafe. Eine weitere Sanktion wiegt für die Berliner aber viel schwerer.

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Nach der Partie Hertha vs. Nürnberg kam es im Olympiastadion zu Krawallen©

Hertha BSC ist bei der Strafe für die Fan- Randale vom 13. März mit einem blauen Auge davongekommen. Der Berliner Bundesligist wurde am Mittwoch vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dazu verurteilt, die Partie am 10. April gegen den VfB Stuttgart vor nur maximal 25.000 Hertha-Fans auszutragen und die Ostkurve leer zu lassen. Zudem setzte es eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro. "Dass wir nur einen Teilausschluss des Publikums verfügt haben, hat nichts damit zu tun, dass wir Wildwest-Szenen akzeptieren", sagte Hans E. Lorenz als Vorsitzender des dreiköpfigen Gremiums. "Es handelte sich aber nicht um eine geplante Aktion, die der Verein hätte vorhersehen oder vermeiden können."

Lorenz begründete sein Urteil mit unsportlichem Verhalten der Anhänger in Tateinheit mit einem nicht ausreichenden Ordnungsdienst. Unberührt von der Maßnahme bleibt das Kontingent für die Gäste-Fans von etwa 7500 Tickets. Für das Spiel verordnete der DFB zudem strenge Auflagen: Die 6600 Dauerkartenbesitzer der Ostkurve, von der die Randale ausgegangen war, müssen zu Hause bleiben. Der Kartenvorverkauf muss von Hertha sofort gestoppt werden. Rund 150 Chaoten aus dem Berliner Fanblock hatten nach der 1:2-Niederlage Herthas gegen den 1. FC Nürnberg den Innenraum des Olympiastadions gestürmt und Sachbeschädigungen angerichtet.

Ordnungsdienst aufgestockt

"Es war ein Vorfall in einer Qualität, wie wir es in unseren Stadien nicht kennen. Man muss aber das Verhalten des Vereins berücksichtigen, die den Vorfall in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen", sagte Norbert Weise, der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollausschusses, als DFB-Ankläger. Hertha habe große Anstrengungen gemacht, die Sicherheit zu gewährleisten, aber nicht vorhergesehen, "dass die Heimfans die Problemfans waren". Strafmildernd für Hertha BSC wirkte sich aus, dass der Club in den beiden vergangenen Spielzeiten nur jeweils einmal durch Fehlverhalten seiner Anhänger auffällig geworden war. "Das ist im Liga-Vergleich wenig", sagte Lorenz. Deshalb rückte der Kontrollausschuss auch davon ab, ein "Geisterspiel" zu fordern.

"Wir bedauern den Vorfall auf das Äußerste", sagte Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller nach der zweistündigen Verhandlung und 70-minütigen Beratung des Gericht und der Parteien. Er verwies darauf, dass sein Verein den Ordnungsdienst für das so wichtige Spiel im Abstiegskampf von 600 auf 800 Kräfte verstärkt und extra auch eine Sicherheitsbesprechung vorher durchgeführt habe. "Es ist keine einzige Person zu Schaden gekommen. Der Sachschaden hielt sich in Grenzen", sagte Schiller, musste aber auf Nachfrage von Weise einräumen, dass es bei der Räumung der Ränge vier leicht verletzte Polizisten gegeben hat. Den Ordnern im Olympiastadion, so die Erkenntnis von Richter Lorenz, sei kein Vorwurf zu machen.

23 Randalierer mit Stadionsperre

"Das war der gefühlte Abstieg", beschrieb Herthas Rechtsbeistand und Ex-Profi Dirk Greiser die Momente, bevor die Lage eskalierte: Die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel hatte in der Nachspielzeit das Gegentor zum 1:2 kassiert. Greiser sprach von einer "Kurzschlusshandlung" der Randalierer. Der Hertha- Sicherheitsbeauftragte Sascha Binder sagte als Zeuge aus, dass Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer nach dem späten Siegtor des "Clubs" und dem Abpfiff die Zuschauer in der Ostkurve mit Gesten provoziert habe. Schäfer war ebenfalls als Zeuge geladen. Der Keeper hat jedoch von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, weil er "möglicherweise ein eigenes Verfahren anstrebt" (Weise).

Auch ein vorgeladener Hertha-Fan sprach vor dem Sportgericht von einer "sehr obszönen Geste" Schäfers, woraufhin die Fans erstmals Richtung des Grabens gedrängt hätten. Ein DFB-Sachverständiger bezeichnete den Ordnungsdienst der Berliner grundsätzlich als "sehr gut und erfahren". Hertha hat für 23 Randalierer eine bundesweit gültige Stadionsperre über drei Jahre ausgesprochen. Mindestens sechs weitere sollen nach Angaben von Geschäftsführer Schiller folgen. Die Vorfälle in Berlin hatten eine bundesweite Diskussion um die Sicherheit in den Stadien ausgelöst.

DPA/kbe

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Styx2007 (25.03.2010, 16:15 Uhr)
Wieso Fans???
Wieso werden diese Asozialen eigentlich immer als Fans tituliert???? Es sind debile Asoziale, keine Fans. Jeder wirkliche Fan muss sich verar... vorkommen, mit diesen hirnlosen Idioten in einen Topf geschmissen zu werden. Wann wird eigentlich auch mal die Presse für dieses Pack einen anderen Begriff verwenden???
kabelmann (24.03.2010, 19:43 Uhr)
Ich wünsche...
....diesem Verein die totale Bedeutungslosigkeit in einer Liga jenseits des Profifussballs. Wenn die Fans als Rechtfertigung eine Provokation des Torhüters vorschieben, dann ist das wohl das Letzte vom Letzten.

In keinem einzigen Bundesligastadion wird ein Keeper die eine Halbzeit in Ruhe gelassen, wenn er in der falschen Kurve steht. Die Torhüter sind grundsätzlich Opfer von diversen Wurfgeschossen wie Flaschen, Feuerzeugen und sonstigem.
Aber einmal eine obszöne Geste und die Fans flippen aus. Ja nee, is klar.
TomH (24.03.2010, 19:38 Uhr)
Farce
TSV 1860 muss 2 Spiele Strafe akzeptieren.
Köln darf keine Fans nach Hoffenheim mitnehmen.
Aber die Hertha dank Ost Bonus und verflechtungen in den DFB Betrugssumpf bekommt ein mildes Urteil...
Pfui sag ich da nur...
tepes (24.03.2010, 19:31 Uhr)
@.link
will die Randalierer nicht in Schutz nehmen, wie geschrieben!! Aber wenn jemand im Effekt eine Straftat begeht, dann wird das meistens auch Strafmindert gewertet, oder?! Warum also dann nicht auch bei Fussballverrückten??(Vermeinde absichtlich den Begriff "FAN") Und wenn Sie schon mal persönlich Erfahrung mit der Deutschen polizei hatten (gerade die Berliner Polizei!) dann wissen Sie auch, das eine "leichte Körperverletzung" auch ein Kratzer bedeuten kann, wo ein kleines Pflaster reicht....(wie gesagt jeder der seine eigene Erfahrung gemacht hat, weißt das Polizei nicht immer gleich "Freund und Helfer" bedeutet und auch gern Kurzschlußreaktionen provoziert. Um dann richtig einzugreifen...)Will jetzt nicht über die Polizei im allgemeinen herziehen, dass würde jetzt den Rahmen der diskussion sprengen bzw. ist reine Spekulation, da ich nicht persönlich anwesend war. Allerdings spreche ich aus eigener Erfahrung bzw. weiß, dass auch die medien gern zur Übertreibung neigen, gerade bei solchen themen(schließlich war auch in den ersten Tagen von "eisenstangen die rede, was sich ja als falsch herrausgestellt hat(erstens wie sollte man sowas ins Stadion kriegen bzw. waren es Plastik-Fahnenstangen!)Aber jetzt auch über die Medien zu diskutieren würde ebenfalls den Rahmen sprengen bzw. von thema abweichen...
Man sollte erst beide seiten anhören, dann seine Meinung bilden. Das passiert heute leider zu wenig!! Mehr fordere ich nicht!!!!!!!!
Bzw. haben solche kommentare wie von Hr. hans hubert weder was produktives noch was sinnvolles !!
Wie gesagt rechtfertige damit nicht die Tat an sich (!!!für die ganz schlauen hier!!)bzw. befürworte Gewalt! Das eine hat mit den anderen nix zu tun!!
Miguelo (24.03.2010, 18:55 Uhr)
Warum nur ein Spiel?
Danke DFB, ein erster Schritt in die richtige Richtung.

So lange es in den Fan-Blöcken der so genannten "treusten Fans" nicht eine Selbstreinigung gibt, kann die Strafe kann nicht drastisch genug ausfallen.

Die wirklich wahren, richtigen Fans müssen endlich auch mal anfangen, die ganzen Idioten rauszuschubsen oder anzuzeigen, die Böller und Bengalos zünden, gewalttätig werden, etc.

Auch die Köln-Strafe ist richtig. So lange dieses Pack seine Taten auch noch bejubelt und feiert, ist das genau der richtige Weg.

Ob jemand provoziert wurde oder nicht... völlig egal. Gewalt ist nie eine Lösung. Und wenn man sich nicht im Griff haben kann; zu Hause bleiben.
.link (24.03.2010, 18:48 Uhr)
stimmt. niemand wurde angegriffen...
...die verletzten Polizisten sind wohl ganz klassisch die Treppe runtergefallen.

Wie weit darf man denn nach einer Provokation Ihrer Meinung nach gehen? Hätten sie Schäfer auch verprügeln dürfen? Selbst schuld, was provoziert er auch. Und die Stürmer,... schießen auch noch ein Tor gegen die Hertha. Wie provokant!!!

Emotionen,.. klar. Aber wie sagte schon der Bundesberti:
"Hass gehört nicht ins Stadion. Die Leute sollen ihre Emotionen zu Hause in den Wohnzimmern mit ihren Frauen ausleben."

In diesem Sinne: Wer sich nach so einer "Provokation" nicht im Griff hat soll doch bitte zu Hause bleiben.
tepes (24.03.2010, 18:42 Uhr)
@hans-hubert
sind Sie Bayern-Fan oder Union-Fan?? Das würde einiges erklären.
Und es ist traurig, wenn man Hertha mit Herta(die stellen Würste her!) verwechselt!!
Und die obzöne Geste von Hr. Schäfer war sehr wohl ein Faktor, der nicht zu unterschätzen werden darf! Wenn man fast den Stinkefinger Richtung Fankurve zeigt beim 1:2( es gibt sicher Bilder davon im Net!) ist dass nicht in Ordnung! Gerade als Profi sollte man sich bewusst sein, was alles passieren kann!!
Will die Spinner, die durchdrehten, nicht in Schutz nehmen, aber im Sport spielen Emotionen eine große Rolle(deshalb guckt man doch überhaupt !)Und wenn ein Verein im Abstiegskampf gegen ein Konkurrent in der Nachspielzeit verliert dann der Torwart noch provoziert springen bei einigen die Sicherungen raus....Emotionen halt-ganz menschlich! Und es wurden schließlich keiner angegriffen!
s4sh81 (24.03.2010, 18:32 Uhr)
Und ich spreche nicht nur für mich...
.... aber eine erste Bundesliga ohne einen Verein aus der Zone, das wird mal ein Genuss.

Und zur Strafe, die ist der absolute Witz.
Aber Hertha scheint eine gute Lobby zu haben.
.link (24.03.2010, 18:19 Uhr)
"... Ostkurve mit Gesten provoziert habe"
achso ja dann. das erklärt natürlich einiges.


lächerliche rechtfertigung.
hans-hubert (24.03.2010, 18:12 Uhr)
Hoffentlich steigt Herta ab
Es ist an der Zeit,dass der überhebliche
Verein Herta aus der Bundesliga verschwindet
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