Während Ballack Kapitän im Wartestand ist, darf Lahm weiter die Binde tragen. Der Chef in der DFB-Elf aber heißt auch im Spiel gegen Aserbaidschan (ab 20. 45 Uhr im Liveticker): Bastian Schweinsteiger. Angeblich hat sogar Real Madrids Trainer Josè Mourinho Interesse am deutschen Leitwolf.

"Spiele nicht besser, wenn ich was am Arm habe": Bastian Schweinsteiger will immer gewinnen© Bernd Weissbrod/DPA
Kapitän Michael Ballack muss weiter auf seine Rückkehr in die Nationalmannschaft warten, Philipp Lahm vertritt den "Capitano" auch im Spiel gegen Aserbaidschan. Einer, der auch ohne die Binde am Arm eine unumschränkte Chefrolle einnimmt, ist Bastian Schweinsteiger. Auf dem Platz ist der Bayernstar der Boss. Der 26 Jahre alte Münchner hat sich im Schatten der heiß diskutierten Kapitänsfrage als die Führungskraft Nummer 1 in der deutschen Nationalmannschaft etabliert.
Auch ohne Binde ist Schweinsteiger der "emotionale Leader", wie es Bundestrainer Joachim Löw schon vor der furiosen WM in Südafrika ausgedrückt hat. Für ihn selbst ist die Kapitänsbinde kein Thema, er will sportlichen Ruhm und Titel gewinnen. "Ich spiele nicht besser, wenn ich was am Arm habe", sagt Schweinsteiger: "Entscheidend ist, ob man die Spiele gewinnt oder verliert."
Schweinsteiger ist der Taktgeber
Die Auszeichnungen nach der Weltmeisterschaft holten andere ab wie
Jungstar und Torschützenkönig Thomas Müller. Den Rhythmus und das
Spiel der deutschen Elf aber bestimmte vor allem Schweinsteiger. "Die
Mischung passt sehr gut. Und auch die Philosophie, die der Trainer
hat, passt zu den Spielern", bemerkte der Münchner nach über 80
Länderspielen zur derzeitigen Situation der Nationalmannschaft.
Schweinsteiger ist nicht erst nach dem verletzungsbedingten WM-Ausfall von "Capitano" Ballack noch mehr in eine Führungsrolle gerückt - im DFB-Team und beim FC Bayern. Vor allem die Versetzung in die Mittelfeldzentrale durch Trainer Louis van Gaal in München gab Schweinsteiger einen enormen Schub. Löw zog schließlich nach.
Mourinho-Aussage sorgt für Schlagzeilen
Die Begehrlichkeiten bei den ganz großen Clubs in Europa sind
längst geweckt. Jüngst soll auch José Mourinho, der allmächtige neue
Trainer von Real Madrid, bei Schweinsteiger direkt sein Interesse
angemeldet haben. Schon eine beiläufige Bemerkung von Mourinho
("Nächstes Jahr gehörst Du mir") am Rande eines Spiels reichte für
große Schlagzeilen vor dem Aserbaidschan-Spiel. Dabei ist die
Transferperiode gerade abgelaufen, das vermeintliche Thema aktuell
gerade eine Randnotiz. Bis 2012 hat Schweinsteiger einen Vertrag beim
FC Bayern - und mit dem deutschen Rekordmeister noch viel vor.
Das Eingengewächs ordnet seine Bayern, für die er seit zwölf Jahren kickt, momentan höher ein als Real. "Ich spiele bei einem der besten Vereine in Europa, der in der vergangenen Saison besser war als Real Madrid", erklärte der in Kolbermoor im Alpenvorland geborene Schweinsteiger. Nicht die "Königlichen", sondern die Münchner hatten zuletzt im Champions-League-Finale gestanden. Dass er "irgendwann" im Ausland Erfahrung sammeln wolle, ändert nichts an seinem Bekenntnis: "Ich fühle mich bei den Bayern sehr wohl."
Schweinsteiger will maximalen Erfolg
Für den gereiften Schweinsteiger zählt im Profi-Geschäft vor allem
der Erfolg. Die Zeiten, als er als 18-Jähriger 15.000 Euro Strafe
nach einer Disco-Nacht zwei Tage vor einem Bundesliga-Spiel zahlen
musste, sind längst vorbei. Dem Gewinnen ordnet er alles unter. Auch
deshalb hatte Schweinsteiger nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen
Spanien betont, dass Deutschland den Ausnahme-Fußballer Ballack in
Topform weiterhin brauche. "Michael war jetzt lange verletzt. Wir
wissen alle, dass er große Erfahrung und Qualität hat. Ich gehe davon
aus, dass er in guter Verfassung zurückkommt", sagte Schweinsteiger.
Bundestrainer Löw zählt den Mittelfeld-Lenker zu seinen wichtigsten Ansprechpartnern. Auch vor dem Spiel gegen Aserbaidschan nahm der Bundestrainer Schweinsteiger beim Abschlusstraining wie auch häufig bei der WM zu einem Vier-Augen-Gespräch zur Seite. Und der Profi zahlt das Vertrauen zurück. Beim 1:0 in Belgien war er es, der mit einem energischen Einsatz gegen seinen Bayern-Kollegen Daniel van Buyten das Siegtor einleitete. Schweinsteiger geht voran - auch ohne Spielführer-Binde.
Die voraussichtlichen Aufstellungen
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Badtsuber, Westermann - Khedira, Schweinsteiger - Podolski, Özil, Müller - Klose
Aserbaidschan: Agayev – Medvedev, Sadygov, Yunisoglu, Allahverdiyev – Sadygov, Shukurov, Mammadov, Fabio Luis, Chertoganov – Aliyev