Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, fordert von den Spielern Eigeninitiative aber auch Lernfähigkeit. Akteure wie Rolfes und Friedrich setzen das um - und zeigen sich ohne Ecken und Kanten. Aber gewinnt man mit solchen Typen wirklich Titel? Von Klaus Bellstedt, Berlin

Glatt, gebügelt und gestriegelt: Oliver Bierhoff, der Manager der deutschen Nationalmannschaft© Clemens Bilan/ddp
Eben noch mit der Nationalmannschaft mittrainiert, jetzt schon wieder auf dem Podium: Oliver Bierhoff, selbstverständlich frisch geduscht, könnte so wie er da sitzt glatt als Spieler durchgehen. Aber er ist kein Spieler mehr. Er ist Manager des DFB. Und er ist ein Mann von Welt. Gut sieht er aus. Wie immer. Alles sitzt perfekt. Nur allzu gern präsentiert die Presseabteilung des größten Fußball-Verbandes der Welt seinen Vordenker den Medien.
Bierhoff ist Profi durch und durch. Keiner kann sich im DFB so gut ausdrücken wie er. Rhetorisch macht ihm sowieso niemand etwas vor. Und wie steht's um die Fremdsprachenkenntnisse? Bitte sehr: Die Frage einer italienischen Fernsehjournalistin übersetzt Bierhoff sich und den leicht neidisch dreinblickenden deutschen Pressevertretern praktisch simultan ins Deutsche, um kurze Zeit später im perfekten Italienisch der Blondine zu antworten. Das gleiche Spiel wenig später, als Bierhoff einem englischen Zeitungsmann in dessen Muttersprache an Englands verloren gegangene Elfmeterdramen gegen Deutschland erinnert.
Natürlich meint der DFB-Manager das nicht böse. Erkennen kann man das daran, dass der 40-Jährige am Tag vor dem letzten Länderspiel des Jahres in Berlin gegen die "Three Lions" die totale Charmeoffensive vorexerziert. Früher, als Bierhoff noch Werbung für Bitburger oder Toshiba machte, konnte man dieses breite, strahlende Lächeln immer wieder ja auch im TV bewundern. Aber damit ist schon lange Schluss: "Alle Werbeverträge habe ich für den DFB beendet", sagte Bierhoff vor kurzem im Interview mit stern.de. Beim DFB gibt's für den Manager schließlich Wichtigeres zu erledigen.
Zum Beispiel die Organisation des Besuches der Mannschaft bei der Bundeskanzlerin im Vorfeld des Klassikers gegen England ("Frau Merkel wurden private, aber auch wirtschaftliche Fragen gestellt"), oder auch die Gesprächsleitung bei der wichtigen Prämienregelung auf dem Weg zur WM 2010, die allen Anschein nach so problemlos wie noch nie verabschiedet wurde. Bierhoff ist da sehr genau: "Innerhalb von nicht mal 40 Minuten haben wir gemeinsam mit dem Spielerrat (Ballack, Frings, Lahm, Anm. der Red.) eine Lösung gefunden. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es schon mal so schnell ging." Alles super. Alles paletti. Probleme? Gibt's nicht!