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"Ich gehöre zu den Besten"

Oliver Kahn am Scheideweg: Nach der WM Schluss- oder weitermachen? Auch mit 37 Jahren sei er noch gut genug für Bayern München, sagt Franz Beckenbauer. Findet Kahn selber auch und kokettiert mit einem Wechsel ins Ausland.

Erst war er der Titan, dann sportlich und privat ein Tollpatsch, doch nach der Rückkehr zur alten Stärke will Oliver Kahn in seiner vielleicht letzten Bundesliga-Saison weitere Triumphe feiern. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland im kommenden Sommer als großem Ziel vor Augen steht der Torwart beim FC Bayern München aber nicht nur vor einigen Rekorden, sondern auch am Scheideweg der Karriere. Der einst für die Zeit nach der WM geplante Rücktritt ist längst nicht mehr die einzige Alternative. "Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die Leistung. Und was das betrifft, gehöre ich immer noch zu den Besten", sagte der 36-Jährige.

Der FC Bayern wird Kahn laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in nächster Zeit ein neues Angebot für den 2006 auslaufenden Vertrag unterbreiten. Nach seinen wieder stabilen Leistungen in der Rückrunde der Vorsaison hält Kahn dies für "logisch". Höchste Priorität hat die Personalie im Gegensatz zu der des Teamkollegen Michael Ballack beim deutschen Rekordmeister aber offensichtlich nicht.

Auch Präsident Franz Beckenbauer scheint hin und her gerissen ob der Zukunftsperspektiven des mehrfachen Welttorhüters. "Er hat die Absicht weiterzuspielen, und die Möglichkeit sollte man ihm geben. Er ist auch mit 37 auf jeden Fall noch gut genug für den FC Bayern", sagte er jüngst der "Sport-Bild". Am Vortag hatte der Kaiser noch via "Bild" verkündet: "Vielleicht merkt er schnell, dass es wichtigeres gibt, als dem Ball hinterher zu springen."

Für Kahn könnte der Körper den Ausschlag zum Karriereende geben. Besorgt stellte man beim FC Bayern fest, dass der Kapitän in der Vorbereitung erneut über Rückenprobleme klagte und den einzigen ernsthaften Test im Ligapokal ausfallen lassen musste.

Die anschließende Asien-Reise machte Kahn jedoch mit, denn ohne ihn hätte der Trip nach Fernost für die Münchner wenig Sinn gemacht. In Japan genießt der pünktlich zum Saisonbeginn mit eigener Homepage ausgestattete Schlussmann seit der WM 2002 höchste Wertschätzung und eigene Werbeverträge.

Kaum aus Tokio zurück kokettierte Kahn auch prompt mit einem möglichen Wechsel ins Land des Lächelns. Ob dies ernst gemeint war, ist jedoch fraglich. Schon 2004 hatte er nach dem Ende der privaten Querelen und sportlichen Pannenserie Millionen-Offerten aus Fernost selbst ins Spiel gebracht. Spätestens seit diesem Sommer-Poker scheint eine Berufsperspektive vertan. Beim FC Bayern spricht derzeit niemand mehr von Kahn als möglichem Nachfolger von Manager Uli Hoeneß.

Bis zur Winterpause soll alles in trockenen Tüchern sein

Bis zur Winterpause will Kahn seine weitere Karriere geregelt haben und sich dabei - auch mit Blick auf den trotz fortdauernder Rotation reklamierten WM-Stammplatz im Tor der Nationalmannschaft - nicht von den sportlichen Zielen ablenken lassen. In seiner 19. Saison im Fußball-Oberhaus könnte er mit dem siebten Meistertitel nicht nur zum Rekordchampion beim Rekordchampion werden, sondern auch manch markante Marke knacken. 468 Liga-Spiele standen vor dem Saison- Eröffnungsspiel am Freitagabend gegen Borussia Mönchengladbach für den Profi mit den meisten Einsätzen unter den aktiven Spielern zu Buche. Freund und Torwart-Trainer Sepp Maier (473 Einsätze) ist schon in Reichweite, für die Aufnahme in den 500er-Club dürfte Kahn aber nur zwei Partien verpassen.

Arne Richter/DPA/DPA
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