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22. Juli 2008, 14:32 Uhr

Auch Werders Diego "flüchtet"

Peking wird immer mehr zum Reizwort für die Bundesliga. Nach Rafinha hat jetzt auch Diego, Superstar von Werder Bremen, eigenmächtig und gegen den Willen seines Clubs die Reise nach Paris zum Treffpunkt der brasilianischen Olympia-Auswahl angetreten. Werder zieht jetzt alle Register.

Diego am Bremer Flughafen: Werders Mittelefeldzauberer zieht es nach Peking© Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images

Im Streit um die Olympia-Abstellung von Fußball-Profis wollen Schalke.04 und Werder Bremen nach der "Flucht" von Rafinha und Diego eine Grundsatzentscheidung vom Internationalen Sportgerichtshof CAS. Nachdem die beiden Top-Akteure gegen den Willen ihrer Clubs am Dienstag zum brasilianischen Olympia-Team nach Paris gereist sind, hoffen die Verantwortlichen beider Clubs nun auf eine schnelle Entscheidung. Während Werder und Diego erklärten, sich dem Schiedsspruch dieser Instanz unterwerfen zu wollen, droht der FC Schalke.04 Rafinha mit einer saftigen Geldstrafe und einer Sperre für das Olympia-Turnier. Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs wollte beide Fälle zwar nicht in einen Topf werfen, sagte aber unmissverständlich: "Tatsache ist, wenn wir am Mittwoch ins Trainingslager nach Österreich fahren, wird Diego unentschuldigt fehlen."

"Wir haben den brasilianischen Fußball-Verband CBF und das IOC schriftlich dazu aufgefordert, dass Rafinha bei Olympia nicht spielen darf. Falls der CBF unserem Wunsch nicht entsprechen wird, werden wir vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eine Klage einreichen", kündigte Schalkes Manager Andreas Müller an. Beide Vereine sind der Ansicht, dass es keine Abstellungspflicht für ihre Spieler für das Olympia-Turnier gibt.

"Einfach nur schlecht beraten"

Diego hatte im 90-minütigen Gespräch mit Allofs keine Einigung erzielt und war danach zum Treffpunkt nach Paris geflogen. "Ich möchte in Peking spielen. Das ist mein großer Traum. Aber das wird an anderer Stelle entschieden", sagte der 23-jährige Mittelfeldspieler. Er befürchtet große Schwierigkeiten für seine weitere Karriere im Nationalteam, wenn er weg bliebe. Daher sieht sich der Brasilianer in der Pflicht, einer Einladung des Verbandes Folge zu leisten.

"Diego steht unter großem Druck aus seinem Heimatland", so Allofs. Ähnlich sieht es sein Schalker Kollege. "Ich glaube, dass vom Verband viel Druck auf Rafinha ausgeübt und er von seinem brasilianischen Umfeld bedrängt und einfach schlecht beraten wurde", meinte Müller. Der Manager betonte, dass der Spieler einen Vertragsbruch mit Schalke begangen habe. "Es widerspricht der olympischen Charta, dass solch ein Spieler bei Olympia antreten darf", betonte Müller, der damit auch eine Sperre Rafinhas für die Olympischen Spiele fordert.

Keine Abstellungspflicht laut DFB

Beide Clubs holten Rat beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein. "Wir haben uns mit Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach abgestimmt, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein", sagte Müller. Der DFB hat Schalkes Protest an den Weltverband FIFA weitergeleitet und teilt die Rechtsauffassung, dass keine Abstellungspflicht besteht. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte der DFB: "Das Miteinander von Vereinsfußball und den Terminen und Verpflichtungen der Nationalmannschaften kann nur funktionieren, wenn frühzeitig Rechtssicherheit geschaffen und die geltenden Regularien klar kommuniziert werden. Es kann nicht sein, dass ein europäischer Spitzenclub drei Wochen vor dem Saisonstart von so einer Entwicklung überrascht wird."

Die FIFA hatte sich in einem Schreiben an die betroffenen Clubs lediglich auf ein Gewohnheitsrecht zur Abstellung berufen und damit für viel Verwirrung bei den Clubs gesorgt. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte sogar von einer Sperre für die Spieler gesprochen, die trotz Nominierung nicht von ihren Clubs freigestellt werden.

Hoffen auf Sinneswandel bei Rafinha

Sollte Rafinha seinen Boykott durchziehen und mit Brasilien in Peking starten, kommt ihn das teuer zu stehen. Die Geldstrafe könnte bis zu 800.000 Euro betragen. Müller hat bisher vergeblich versucht, Rafinha telefonisch zu erreichen. Die zu erwartenden Konsequenzen sind dem Profi schriftlich in englischer und portugiesischer Sprache in den Hausbriefkasten zugestellt worden. Dennoch ist Schalke bereit, die ganze Geschichte zu vergessen, wenn der Spieler einlenkt und doch noch ins Trainingslager des Bundesligisten nachreist. "Wir hoffen, dass bei Rafinha nun ein Sinneswandel einkehrt. Falls er am Mittwoch oder Donnerstag bei uns im Trainingslager auftaucht, wird es aber keine weiteren Konsequenzen geben", versprach Müller.

DPA/kbe

 
 
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