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23. Juli 2008, 18:39 Uhr

Für Blatter nur "großes Geschrei"

Der Olympia-Streit um die Freigabe von Bundesliga-Spielern ist mittlerweile eskaliert. Schalke hält das Verhalten von Fifa und IOC für ein "Schurkenspiel", die Bremer warten zähneknirschend ab. Aber beide forcieren ein Gerichtsurteil. Jetzt äußert sich Fifa-Boss Joseph Blatter im Interview.

Herr Blatter, wie konnte es zu einem so heftigen Streit um die Olympia-Abstellung kommen?

Ich bin erstaunt, dass plötzlich im Jahre 2008 ein so großes Geschrei losgeht. Also, wir übernehmen einen Teil der Verantwortung. Vielleicht wurde die Kommunikation nicht so gemacht, wie man es hätte machen sollen. Den Brief, den ich geschrieben habe, hätte man vielleicht früher schreiben sollen. Doch wenn wir im Fußball ein Problem haben, dann sollten wir das auch innerhalb des Fußballs lösen und nicht vors Sportgericht ziehen.

Wie kann man das Problem lösen?

Ich appelliere an die Solidarität. Fragen sie doch mal die Spieler. Die möchten doch alle zu Olympia. Und niemand soll mir sagen, dass ein Klub keine Meisterschaft mehr spielen kann, wenn ein Akteur fehlt. Die Profi-Vereine haben 25 Spieler auf ihrer Liste. Also, etwas mehr Solidarität wäre hier angesagt.

Sie haben bekräftigt, dass alle U23-Spieler abgestellt werden müssen ...

Ich glaube, mit dieser Regel kann man generell gut leben. Und die Spieler, die jetzt gegangen sind, sollte man auch nicht wieder zurückrufen. Ich bitte die Klubs auch um Soldidarität gegenüber der olympischen Idee. Fragen Sie doch mal bei einem großen deutschen Spieler nach, der 1988 bei Olympia war: Jürgen Klinsmann. Er hat gesagt, dass der Gewinn der Bronzemedaille einer der größten Momente seiner Laufbahn war.

Sie begründen die Abstellung der U23-Spieler mit dem olympischen Geist. Gilt der auch für Profi-Fußballer?

Ja sicher. Seit dem olympischen Kongress Anfang der 80er Jahre sind die olympischen Spiele offen für Profisportler. Das sehen sie ja auch in anderen Sportarten wie Basketball oder Tennis. Bei uns im Fußball ist es nicht so einfach, die besten Spieler zu entsenden, da Olympia nicht dann stattfindet, wenn es unser internationaler Kalender erlauben würde.

Die Klubs kritisieren die unklare Statutenlage der FIFA. Muss da nachgebessert werden?

Ja, da wird nachgebessert. Ganz sicher.

Würden Sie sich einem Urteil des Sportgerichtshofs CAS anschließen?

Wenn das CAS in Lausanne, dem wir angeschlossen sind, eine Entscheidung trifft, müssen wir das annehmen. Ob wir wollen oder nicht. Aber ich weiß gar nicht, ob sich das CAS dazu äußern will. Denn die Klubs haben sich ja nicht an uns gewandt. Sie hätten sich zunächst an die FIFA wenden müssen und dann an das IOC oder an das CAS. Denn der Fußball wird immer noch deligiert von den nationalen Verbänden. Dann wäre es leicht zu lösen.

Sie saßen mit Liga-Präsident Reinhard Rauball und DFB-Präsident Theo Zwanziger zusammen. Haben sie darüber nicht gesprochen?

Wir haben das schon besprochen. Ich habe meine Position dargelegt. Und da wurde deutlich: Wäre dieser Brief vor einem Monat geschrieben worden, klar und deutlich und unterschrieben vom FIFA-Präsidenten, wäre wahrscheinlich diese Situation nicht eingetroffen. Aber: Es ist ja noch Zeit, sie zu korrigieren.

Was heißt das jetzt für die Spieler wie Diego und Rafinha. Werden Sie zu den Spielen reisen dürfen?

Ich glaube, sie sind schon unterwegs. Ich nehme doch an, dass man es denen erlaubt. Und wenn man es denen nicht erlaubt, dann bleiben sie halt zu Hause.

Werden Sie mit den betroffenen Vereinen noch sprechen?

Ich habe das jetzt mit dem Verband angesprochen. Auch mit dem Präsidenten der Deutschen Fußball Liga, Reinhard Rauball. Wir werden sehen, wie sich die Sache entwicklt. Ich werde es vermeiden, dass es eskaliert und ein großes Problem daraus wird.

DPA
 
 
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