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Warum die Bayern auch dieses Jahr nicht vom Thron gestürzt werden

Wer glaubt, dieses Jahr würde der FC Bayern vom Thron gestürzt, liegt falsch. Wer glaubt, die Bayern gewinnen die Champions-League, aber auch, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Der FC Bayern wird auch in diesem Jahr Deutscher Meister, ist sich stern-Stimme Philipp Köster sicher

Der FC Bayern wird auch in diesem Jahr Deutscher Meister, ist sich stern-Stimme Philipp Köster sicher

Wer in den letzten Tagen vor dem Supercup die Meldungen rund um den FC Bayern verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, der Serienmeister taumele gerade durch eine existentielle Krise. Testspiele in Serie verloren, jede Menge Verletzte, ein belastbares Spielsystem nicht erkennbar, dazu verabschiedete sich auch kurz vorm Supercup auch noch Kaderplaner Michael Reschke in Richtung VfB Stuttgart - all das hatte für sichtbare Nervosität in München gesorgt. Sogar Coach Carlo Ancelotti, der ja sonst das Phlegma eines gemütlichen Honigbären verbreitet, gab sich nach der 0:3-Klatsche gegen den FC Liverpool "besorgt".

Nun lassen sich natürlich all die bayrischen Widrigkeiten ganz gut entschuldigen. Dass auf der strapaziösen Asienreise die Mannschaft nicht brillierte, war auch auf den Jetlag und das sumpfige zurückzuführen. Dass sich Neuzugang James Rodriguez verletzte, war kein Resultat falschen Trainings, sondern einfach nur Pech. Und der Abgang von Reschke war vielleicht auch eine Reaktion darauf, dass dessen Auge für Talente in einem Klub, der auf dem Markt vornehmlich Spieler sucht, die sich anderswo bereits bewiesen haben, nicht mehr so dringend gebraucht wurde. Außerdem war Reschke just zuvor mit Hasan  Salihamidzic auch noch ein Sportdirektor vor die Nase gesetzt wurde, der erst noch beweisen muss, dass er systemisch arbeiten kann.

Der FC Bayern und die Probleme

Doch die herrlich egalen Testspiele und Personalrochaden schienen am Samstagabend vergessen. Da hatten die Bayern gerade mal wieder den Supercup gewonnen. Zwar nur mühsam, nach zweimaligem Rückstand und Elfmeterschießen, dafür hatten sie aber die Dortmunder eine halbe Stunde lang so kunstvoll eingeschnürt, dass die BVB-Kicker am Ende froh sein konnten, nicht längst einem höheren Rückstand hinterherzuhecheln. Und die Münchner hatten Kampfgeist gezeigt. Nach den zuletzt lethargischen Auftritten rackerte das Team endlich wieder, das hineingebolzte Karambolage-Tor zum 2:2 durch Kimmich war dafür ebenso ein Beispiel wie Ribérys enthusiastisch aufgerissener Kiefer nach seinem verwandelten Elfer.

Natürlich beseitigt das Spiel in Dortmund nicht die grundlegenden Probleme der Bayern. Etwa, dass noch niemand in Sicht ist, der als Nachfolger der beiden Strategen Alonso und Lahm dem Bayern-Spiel eine krisenfeste Struktur geben kann. Dass bislang vergeblich versucht, dass Guardiola'sche Ballbesitzspiel in ein ähnlich dominantes System zu überführen. Und dass die erste Elf mühelos in der europäischen Spitze mithalten kann, die Bank der Bayern allerdings bei Verletzungen nur bedingt die Klasse der Stammelf kompensieren kann. Das sind keine gute Nachrichten für alle jene, die nach 2013 gerne mal wieder die Bayern als Champions-League-Sieger sähen. Da gibt es derzeit einfach zu viele Teams, die individuell wie spieltaktisch besser aufgestellt sind.

Keine echte nationale Konkurrenz 

Wer allerdings aus den vagen internationalen Perspektiven der Bayern Hoffnung schöpft, die Münchner würden es auch national mal ein bisschen lockerer angehen lassen, liegt ebenfalls falsch.

Ancelotti könnte seine Truppe notfalls ohne jede taktische Formation auf den Rasen schicken und sie wäre trotzdem 90 Prozent der nationalen Konkurrenz himmelweit überlegen. Das hübsch arrogante Diktum des Uli Hoeneß, man werde eben notfalls zweimal "nur deutscher Meister", umschreibt ziemlich realistisch den Umstand, dass weit und breit kein Team in Sicht ist, das auf die lange Strecke den Bayern gefährlich werden kann. Nicht die Leipziger, die zuviel Kraft in den europäischen Auftritten lassen werden. Nicht die Dortmunder, die sich erst einmal ein paar Monate an die neuen Freiheiten unter Peter Bosz gewöhnen müssen. Und nicht die Gladbacher, Schalker, Leverkusener, die allesamt schon große Schampusflaschen aufmachen werden, wenn sie auch nur in Rufweite der Champions-League-Plätze kommen.

Am Ende wird alles so wie zuletzt.

Die Bayern werden nur Meister und sitzen beim Champions-League-Finale vor dem Fernseher. Die Hoffnung stirbt in dieser Saison zuerst.

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