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Kartellamt erlaubt Internet-"Sportschau"

Wegweisende Entscheidung: Das Bundeskartellamt hat keine Bedenken gegen eine "Sportschau"-Konkurrenz im Internet. Die DFL kann dadurch die ARD unter Druck setzen, um höhere Lizenzerlöse zu erzielen. Für den TV-Klassiker könnte es nun eng werden.

  Kampf um einen Bundesligaplatz - bald in einer Internet-Sportschau zu sehen?

Kampf um einen Bundesligaplatz - bald in einer Internet-Sportschau zu sehen?

Mit dieser Entscheidung könnte das Bundeskartellamt den Fußballsamstag vieler Fans verändern: Künftig darf die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit dem Aus für die "Sportschau" drohen und die ARD damit unter Druck setzen. Durch die Ausschreibung für eine Internet-"Sportschau" will die Liga mehr Geld für ihre Rechte vom "Ersten" erhalten.

Eine Zusammenfassung des Ligageschehens im Internet statt im Fernsehen hält die Behörde für rechtlich unbedenklich. Sie signalisierte am Montag Zustimmung für die geplante Ausschreibung der DFL, die den Konkurrenzkampf entfachen soll. Es gebe "keine grundsätzlichen kartellrechtlichen Bedenken".

Der Ligaverband versucht mit dem Vorstoß, sich vom notorisch defizitären Bezahlsender Sky Deutschland unabhängiger zu machen. Sky steuert bisher mehr als die Hälfte zum Erlös aus den Fernsehrechten bei. Die ARD zeigt momentan ab 18.30 Zusammenfassungen aller Spiele. Im Internet überträgt die Telekom die Bundesliga-Spiele live.

Die ARD reagierte gelassen: "Wir akzeptieren die Entscheidung des Kartellamtes und stellen uns dem Wettbewerb", sagte Sportkoordinator Axel Balkausky. "Wir sind dennoch guter Dinge." Er sei optimistisch, dass die Zukunft der Bundesliga mit der Sportschau verbunden bleibe.

Wettbewerb für Erstausstrahlung anheizen

Es gehe "keineswegs darum, bestimmte Sendungen abzuschaffen", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball. "Ziel ist es vielmehr, den verschiedenen Rechte-Nachfragern mit ihren individuellen Geschäftsmodellen und Vertriebswegen faire Chancen einzuräumen." Anders ausgedrückt: Die Liga will den bisher kaum vorhandenen Wettbewerb für die Erstausstrahlung der Höhepunkte anheizen. Derzeit zahlt die ARD geschätzte 100 Millionen Euro für ihr Rechtepaket. Für die Privatsender ist das zu viel, weil sich die Summe nicht refinanzieren lässt.

Die DFL will die Ausschreibung der Rechte von der Spielzeit 2013/14 an mit mindestens zwei verschiedenen Verwertungsszenarien voraussichtlich am Ende des Jahres starten. Eines der angebotenen Modelle ermöglicht eine "Sportschau" im Internet und auf mobilen Endgeräten wie Handys von 19.00 Uhr an. Eine Zusammenfassung im Fernsehen wäre dann erst um 21.45 Uhr erlaubt. Das würde das Ende des ARD-Klassikers in der jetzigen Form bedeuten.

"Das solidarischste Modell der Zentralvermarktung in Europa bleibt damit erhalten, gleichzeitig wird Wettbewerb um die Medienrechte ermöglicht", sagte Rauball. Und: "Wir werden die Hinweise des Bundeskartellamtes umsetzen und im Sinne aller Marktteilnehmer eine transparente und diskriminierungsfreie Ausschreibung durchführen." Vor drei Jahren war die Liga mit ihrem ursprünglichen Modell, dem Komplettverkauf der Rechte, am Veto der Behörde gescheitert.

Ein pfiffigeres Modell der Vermarktung?

Dieses Mal scheinen DFL-Chef Christian Seifert und seine Kollegen ein pfiffigeres Modell gefunden zu haben. "Welche Form der Berichterstattung am Ende den Zuschlag erhält, ist nicht unsere Entscheidung", kommentierte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt.

Der ARD droht nun der erneute Verlust der Rechte, falls finanzstarke Internet-Unternehmen die Rechte haben wollen. Die Sportschau hatte 2003 ein Comeback nach mehr als zehnjähriger Unterbrechung gefeiert. Zwischenzeitlich hatten RTL und Sat.1 die Bundesliga-Zusammenfassung gezeigt.

jup/DPA/Reuters/DPA/Reuters

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