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Geld verleiht Flügel

Red Bull stürmt den Weltfußball. In Salzburg, Leipzig und New York erzielt der österreichische Getränkehersteller sportliche Erfolge. Die sind jedoch den wirtschaftlichen Zielen untergeordnet.

Von Daniel Barthold

  Kluger Schachzug: Dietmar Beiersdorfer (l.), Sportlicher Leiter bei Red Bull, holte Thierry Henry nach New York

Kluger Schachzug: Dietmar Beiersdorfer (l.), Sportlicher Leiter bei Red Bull, holte Thierry Henry nach New York

Zeiten ändern sich – gerade im Fußball. Noch vor einigen Jahren stand das brisante Lokalderby FC Sachsen gegen Lokomotive im Mittelpunkt des Leipziger Fußballs. Nun spielt RB Leipzig die erste Geige in der sächsischen Metropole. Ebenfalls vor nicht all zu langer Zeit waren die beiden Wiener Stadklubs, Austria und Rapid, die führenden Teams im österreichischen Fußball. Nun ist es Red Bull Salzburg.

Und gerade jüngst kannte man in New York nur die Yankees, Giants oder Knicks – nun hält mit den New York Red Bulls ein Klub des ungeliebten "Soccer" Einzug am "Big Apple". Die Fußball-Abteilung des österreichischen Energy-Drink-Herstellers gibt mächtig Gas. Unter der Federführung von Ex-HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer geht die Red Bull GmbH drei unterschiedliche sportliche Ziele an – mit hohem betriebswirtschaftlichen Nutzen.

In Salzburg ist vieles, aber nicht alles möglich

Für Red Bull geht es nicht nur um sportliche Erfolge, die natürlich die finanziellen Mittel erhöhen und das Interesse für mögliche Neuzugänge und Sponsoren- und Fernsehgelder wecken. Die Marktpositionierung und die Erschließung dieser Märkte sind für den Konzern hoch interessant. Dabei sind die Standorte Leipzig und New York für Red Bull weitaus attraktiver als Salzburg. Durch den Hauptsitz von Red Bull in Fuschl am See, in der Nähe Salzburgs, war es naheliegend, sich dort dem ersten Fußballklub zu widmen.

Eine wirtschaftliche Intervention in Österreichs Fußball, wie es in England am lukrativsten ist, ist in Salzburg zumindest auf höchstem Niveau eher fragwürdig. Trotzdem hat man bei Red Bull Salzburg ein großes Ziel: die Qualifikation zur Champions League und die Erfüllung des ersten sportlichen Ziels des Unternehmens. In der Königsklasse sind die Einnahmen bezüglich Fernsehgelder, Prämien und Sponsorenverträge am Höchsten – dies hätte für die Fußball-Abteilung unter Dietmar Beiersdorfer einen hohen wirtschaftlichen Nutzen. Allerdings stehen die Vorzeichen schlecht: Das Qualifikations-Hinspiel verloren die Salzburger daheim gegen Hapoel Tel Aviv mit 2:3. Somit könnte der Traum bereits heute in Israel platzen. Wieder einmal.

RB Leipzig und die Aufstiege

Noch interessanter ist die Lage in Leipzig. Dort gründete Red Bull 2009 den Klub RasenBallsport (RB) Leipzig. Ziel seit Gründung: Der Aufstieg und die Etablierung in der Fußball-Bundesliga. Und dies so schnell wie möglich. Der Verein professionalisiert sich noch schneller als 1899 Hoffenheim: Aufstieg in die Regionalliga, Saisonziel Aufstieg in die dritte Liga, Neuverpflichtung eines mit Thomas Oral erfahreneren Coaches und Transfers von Talenten in der gesamten ostdeutschen Region. Mit dem Zentralstadion hat RB Leipzig zudem eine moderne Arena.

Die Chance der Wachablösung in Deutschlands Osten war nie größer als aktuell. Die Bundesliga-Landkarte ist frei von ostdeutschen Klubs: Hertha und Cottbus sind nur zweitklassig, Rostock, Dresden und Jena spielen in der dritten Liga und Magdeburg gar nur viertklassig. Sollte RB Leipzig den Höhenflug fortsetzen, könnte der Klub bald die neue Nr. 1 in Ostdeutschland sein – vielleicht sogar in der Bundesliga, einem großen sportlichen Ziel von Red Bull. Dabei muss bedacht werden, dass mit Beiersdorfer unter professionellen Bedingungen agiert wird.

Nicht wie bei den Scheichs und Öl-Milliardären in Manchester oder London, die die Fußball-Klubs als abwechslungsreiches Hobby sehen. Red Bull hat erfahrene Personen aus dem Fußballgeschäft integriert, die durch ihr sportliches know-how eine reale Gewinnmaximierung des Unternehmens und des sportlichen Bereichs erzielen können. Die Scheichs investieren in Spielertransfers ohne auch nur im Ansatz in die Kosten-Nutzen-Rechnung zu gehen oder Bilanzen im Auge zu haben. Trauriges Beispiel: Der Traditionsklub FC Portsmouth musste in der vergangenen Saison absteigen. Schulden und Punktabzüge zwangen den Verein dazu.

Red Bull und die Erfolgsgeschichte in New York

Einen komplett neuen Markt erschließt Red Bull in den Vereinigten Staaten. Wie bei RB Leipzig ist das dortige Engagement zeitlich perfekt. Dort fahren die Österreicher schwere Geschütze auf: Neue Arena, Transfercoups und gute Zuschauerzahlen. Die New York Red Bulls sind auf dem Weg, sich in den USA einen Namen zu machen. Dazu gehört in der amerikanischen Sportwelt vor allem folgende Regel: Erfolg über Tradition. Wenn ein Team Erfolg hat, ist es egal, von wem es gesponsort wird oder wer der Besitzer ist. Das sehen sie in Leipzig, Liverpool oder Manchester nun mal ganz anders. Europäisch eben.

Fußball hat Potential in den USA und Red Bull ist sich dem bewusst. Zudem können die New York Red Bulls die Los Angeles Galaxy als Nr. 1 im US-Fußball ablösen. Die Galaxy hatten sich mit dem Beckham-Transfer wirtschaftlich übernommen und sind auf dem absteigenden Ast. Die Red Bulls scheinen die Transfers von Thierry Henry und Rafael Marquez vom FC Barcelona wirtschaftlich besser geplant zu haben.

Red Bull ist großem Widerstand ausgesetzt

Somit stehen Red Bull sportlich viele Türen offen – und ist wirtschaftlich konkurrenzfähig. Man kann mit drei Klubs drei verschiedene Märkte des Profi-Fußballs erschließen: die Champions League, die Bundesliga und die Major League Soccer. Einziges Problem ist der Gegenwind der Fußball-Fans. In Leipzig und im gesamten ostdeutschen Fußball sind die Spieler von RB Leipzig einem beispiellosen Hass ausgesetzt. Auswärtsspiele sind für die Spieler ein reiner Spießroutenlauf. Auslöser für die Fans sind das Wegkaufen von Leistungsträgern durch Red Bull und fehlende Tradition von RB Leipzig.

Dies ist beim FC Sachsen und Lokomomtive ganz wichtig – denn Tradition ist das einzige, was sie noch haben. Selbst in New York folgen Fans dem Beispiel aus Europa. Viele Fans sorgten für die Neugründung des ehemaligen Beckenbauer-Klubs New York Cosmos und hoffen auf einen Startplatz in der MLS. Sollte der Höhenflug der Fußball-Abteilung von Red Bull weitergehen, wird der Unmut der Fußball-Anhänger weitergehen – wahrscheinlich noch schärfer als gegen 1899 Hoffenheim.

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