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Nur die Bayern wissen, warum

Der FC Bayern ist bereit, 40 Millionen Euro für Javier Martinez von Athletic Bilbao hinzublättern. So viel gab noch nie ein Bundesligist für einen Spieler aus. Ist Martinez wirklich diese Summe wert?

Von Klaus Bellstedt

  Doch kein Martinez-Transfer zu den Bayern? Der Deal wackelt ...

Doch kein Martinez-Transfer zu den Bayern? Der Deal wackelt ...

  • Klaus Bellstedt

Matthias Sammer ist ein höflicher Mensch. Für gewöhnlich. Der Sportdirektor der Bayern kann aber auch streng. Nach dem lockeren 4:0-Erfolg seiner Mannschaft in der ersten Pokalrunde gegen Jahn Regensburg wurde Sammer auf das derzeitige Reizthema der Münchner angesprochen. Wie weit man denn jetzt mit dem Wechsel von Javier Martinez sei, wollte die Sky-Reporterin wissen. Sammers Mine verfinsterte sich. "Es gibt keinen neuen Stand. Sie haben sicherlich, genau wie ich, einige Dinge gelesen, die wir erst einmal weiter bearbeiten müssen und dann sehen wir weiter", sagte er - und ergänzte: "Ich kann nur sagen: Es liegt an Bilbao, dementsprechend können wir darauf nur reagieren. Fakt ist der Wechsel nicht."

Seit Donnerstag vergangener Woche, vielleicht auch schon eher, sind sich die Bayern mit dem Defensivspezialisten und dessen Management über einen Fünfjahresvertrag einig. Auch die festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro, die in der Bundesliga Rekord wäre, ist dank Zugeständnissen von Martinez beim Gehalt keine Hürde mehr. Es hakt vielmehr an der Verweigerungshaltung der Clubführung von Bilbao und damit verbundenen steuerlichen Problemen bei der Transferabwicklung. Und dennoch: Stündlich wird mit dem Vollzug gerechnet. Dass Bilbaos Trainer Marcelo Bielsa seinen Defensivspieler wegen dessen Wechselambitionen beim Saisonauftakt gegen Betis Sevilla nicht in den Kader berief, dient dafür als weiteres Indiz.

Panisch im Sinne von zu viel Geld?

40 Millionen Euro. Es ist eine irre Summe. So viel Geld hat noch kein Bundesligist für einen Spieler ausgegeben. Ausgerechnet ein anderer Neuer bei den Bayern, Xherdan Shaqiri, sprach nach dem Pokalsieg in Regenburg aus, was viele Fans des deutschen Rekordmeisters vermutlich gerade denken - wenn sie nicht den Kopf schütteln: "Martinez ist sicherlich ein guter Spieler, sonst würde er nicht so viel kosten", bemerkte er über den Teamkollegen in spe. Dabei wirkte Shaqiri so, als wüsste er gar nicht genau, was der Spanier nun wirklich zu leisten im Stande ist.

Wir klären auf: Seit sechs Jahren ist der hünenhafte und physisch starke Youngster mit guter Ballführung und einem starken Zug nach vorne einer der Schlüsselspieler bei Bilbao. Eigentlich ist Martinez ein defensiver Mittelfeldakteur, was aber nicht bedeutet, dass er lediglich auf Spielzerstörung aus ist. Auf der Insel würde man Martinez als Box-to-Box-Spieler bezeichnen. Als einen, der zwischen den Strafräumen ackert. Dabei geht der 23-Jährige auch schon mal rustikal zu Werk. 60 Gelbe Karten sammelte Martinez in 200 Ligaspielen ein. Das ist eine stolze Bilanz. Über einen Schuss soll er, sagen zumindest die Spanier, nicht verfügen. Vielleicht haben die Bayern-Scouts ja mehr gesehen. Fakt ist jedenfalls, dass Martinez den beiden größten spanischen Clubs, Barca und Real, nie groß aufgefallen ist. Und die müssten es eigentlich ganz genau wissen. Haben die Bayern möglicherweise doch ein bisschen zu panisch gehandelt, um die vakante Stelle an der Seite von Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld zu schließen? Panisch im Sinne von zu ausgabefreudig?

Erinnerungen an Martin Demichelis

Fakt ist: Javi Martinez muss die 40 Millionen Euro und das damit automatisch verbundene Weltklasseniveau erst noch unter Beweis stellen. Bilbao beendete die vergangene Saison in Spanien auf Platz zehn. So wie der 1. FC Nürnberg in der Bundesliga. Immerhin stand die Mannschaft im Finale der Europa League. Dort unterlag man allerdings Atletico Madrid. Apropos Europa: Bei der EM in Polen und der Ukraine kam Martinez lediglich zu einem Kurzeinsatz - in der Vorrunde gegen Irland. Genau wie 2010 bei der WM. Auch in Südafrika blieb es bei einem 20-minütigen Einsatz während der Gruppenphase. Das spricht nicht gerade für ein großes Entwicklungspotenzial. An Sergio Busquets kommt Martinez derzeit nicht vorbei. Was nach der EM blieb, waren die Olympischen Spiele. Eigentlich sollte der vermeintliche Star die Spanier in London zu Gold führen. Es folgte das Aus in der Vorrunde. Und Martinez enttäuschte. Nach 40 Millionen Euro sah das nie aus.

Manchmal muss man in diesen Münchner Wahnsinns-Transfer-Tagen an Martin Demichelis zurückdenken. Der Argentinier wurde von den Bossen noch bevor er überhaupt in München angekommen war mit Lobeshymnen überschüttet und als Heilsbringer im defensiven Mittelfeld angepriesen. Die in ihn gesetzten Hoffnungen konnte Demichelis nie bestätigen. Er wurde später abgeschoben. Natürlich muss das bei Javier Martinez nicht so laufen. Der junge Spanier war während seiner Laufbahn zum Beispiel noch nie verletzt. Und doch hätten es vielleicht ein paar Millionen weniger auch getan. Aber das ist nur so ein Gefühl.

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