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15. November 2009, 13:41 Uhr

Theo Zwanzigers bewegende Trauerrede

Bei der Trauerfeier für Nationaltorwart Robert Enke hielt Theo Zwanziger eine bewegende Ansprache. Hier die Worte des DFB-Präsidenten in Auszügen.

Zoom
Enke, DFB, Zwanziger, Trauerfeier, Hannover 96,

Völlig frei hielt der Präsident des DFB, Theo Zwanziger, eine der bewegensten Reden auf der Gedenkfeier von Robert Enke© REUTERS/Morris Mac Matzen

Die Bilder dieser Woche, dieser Tage stehen vor unseren Augen. vor Euren und auch vor meinen. Diese unfassbare Nachricht am Dienstagabend, noch nicht wissend, was ist passiert? Es nicht fassen können. Am nächsten Tag die Gespräche mit unseren Nationalspielern. Wie geht es weiter? Was können wir tun? Jungs, ich bin stolz auf Euch. Es gibt die Zeit die wir brauchen. Der Trauer, um dies alles zu verkraften.

Die Pressekonferenz am Nachmittag, einen großen Respekt, liebe Frau Enke, für das, was Sie glaubten für Ihren Mann und ich denke auch für uns, tun zu können. Die Bilder aus den Medien, die uns betroffen machten von der Unfallstelle. Das Mitgefühl für alle, die unbeteiligt und doch beteiligt waren. Die Lokomotivführer, die Rettungskräfte, die Polizei. Alle, die ihren Dienst leisten mussten. Und dann am Abend die Trauerfeier hier in Hannover. Die Spontanität der Menschen in dieser Stadt, der Fans von Hannover 96, der Fans von Robert Enke. Danke an Euch. Diese Bilder verändern sich. Sie werden mal stärker und verblassen. Die Zeit wird vergehen. Das Leben wird wieder seinen Anfang nehmen.

Aber vor mir, vor meinen Augen, stehen auch zwei Sätze, gesprochen von Bischöfen der Evangelischen Kirche. Der eine am Mittwochabend von Bischöfin Käßmann: 'Fußball ist nicht alles'. Fußball, meine Damen und Herren, liebe Trauergemeinde, darf nicht alles sein. Das Leben, das uns geschenkt ist, ist vielfältig. Es ist interessant. Es ist lebenswürdig. Wir können auch auf das, was wir tun, ein Stück stolz sein. Wir können etwas leisten. Aber wir erfüllen uns immer nur in der Vielfalt und in der Gemeinschaft. Fußball darf nicht alles sein, liebe Eltern, wenn Ihr daran denkt, ob Eure Kinder einmal Nationalspieler werden könnten. Denkt nicht nur an den Schein, an dass was sich dort zeigt, über die Medien verbreitet. Denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen. Fußball ist nicht alles.

Aber meine Damen und Herren, es gibt auch den anderen Satz. Vor dreieinhalb Jahren begann die Weltmeisterschaft mit einem Gottesdienst in München. Damals, die Sonne begann genauso wie hier den Nebel und den Regen zu verdrängen, sprach Bischof Wolfgang Huber: "Fußball ist ein starkes Stück Leben". Ja, Fußball kann ein starkes Stück Leben sein, wenn wir nicht nur wie Besessene hinter Höchstleistungen herjagen. Wir dürfen uns anstrengen. Ja. Aber nicht um jeden Preis. Denn, so formulierte er damals 'den wirklichen Siegerpreis, den werden wir auf Erden nicht empfangen. Wir müssen uns diesem Preis würdig erweisen'.

Ein wenig mehr, nach diesen schlimmen Tagen an die Würde des Menschen zu denken. In seiner Vielfalt, nicht nur in seiner Stärke sondern auch in seiner Schwäche, empfinde ich als Auftrag dieses an sich sinnlosen Sterbens.

Wir alle sind dazu aufgerufen, liebe Trauergemeinde, unser Leben wieder zu gestalten, aber in ihm einen Sinn, nicht nur in überbordenden Ehrgeiz zu finden. Maß, Balance, Werte wie Fairplay und Respekt sind gefragt. In allen Bereichen des Systems Fußball. Bei den Funktionären, bei dem DFB, bei den Verbänden, den Clubs, bei mir, aber auch bei Euch liebe Fans. Ihr könnt unglaublich viel dazu tun, wenn ihr bereit seid, aufzustehen gegen Böses. Wenn ihr bereit seid, Euch zu zeigen, wenn Unrecht geschieht. Wenn ihr bereit seid, dass Kartell der Tabuisierer und Verschweiger einer Gesellschaft (....) zu brechen.

Ihr könnt mithelfen, mit Eurem ganz persönlichen Engagement. Ich denke, so wie ich Euch hier in Hannover kennengelernt habe und viele Fans in den Bundesligastadien. Aber auch auf den Plätzen des Amateurfußballs kenne. Ein Stück mehr Menschlichkeit, ein Stück mehr Zivilcourage, ein Stück mehr Bekenntnis zur Würde des Menschen, des Nächsten, des Anderen. Das wird Robert Enke gerecht. Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit."

KOMMENTARE (10 von 12)
 
AlterEgo (16.11.2009, 17:39 Uhr)
Schön scheinheilig
Da redet der deutsche Oberfussballer von Würde und regelt doch schon Morgen wieder, unter welchen Umständen Fussballer wie Sklaven von einem Verein zum anderen verkauft werden können.Schöner Schein - Heiliger.
Und zig-Tausende trampeln wie die Lemminge in eine Fussball-"Arena" (ein schnödes Stadion macht es ja schon lange nicht mehr), in dem ein Sarg aufgebahrt ist, mit den sterblichen Überresten eines Menschen, der schwer krank sein Leben selbst beendet hat. Dort wird dann ein Trauer-Event abgehalten, bestimmt nach einem Blitz-Casting und bald gibt es die DVD mit der wirklich ganzen Wahrheit..

Nur mal so - der Lokführer, der Enke nicht ausweichen konnte, wird seine Depressionen sicher so schnell auch nicht los werden. Wer von all diesen Superbetroffenen kümmert sich um diesen Mann? Wie geht man mit der Würde dieses Mannes um, der hilflos zusehen musste, wie sein Maschine Enke niedermachte. Oder ist diese Würde nicht so viel wert, weil der Mann nicht am Samstag zwischen zwei Stangen rumgehopst ist, sondern Tag für Tag mit tausenden Menschen im Rücken durchs Land fährt und auch für deren Sicherheit sorgt?

Die Selbstinszenierung der Ersatzreligion Fussball hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Zukünftig braucht nicht mehr über den Einsatz der "Hand Gottes" spekuliert werden, wenn sich Akteure wie Jünger und Funktionäre wie Kardinäle und Priester gerieren.
fair09 (16.11.2009, 06:05 Uhr)
trifft für ganze Gesellschaft zu
Die von Herrn Zwanziger angesprochene
Besinnung auf die Würde des Menschen trifft auf unser aller Zusammenleben in allen Bereichen zu, nicht nur auf den Fußball.Aber ich befürchte das im heute wieder beginnenden Alltag alles beim Alten bleibt.
rockyciano (16.11.2009, 00:23 Uhr)
@petermeyer
Kannten Sie Herrn Enke persönlich oder waren Sie sein Vertrauter???-Verband sie ein Freundschaftsverhälnis???-Denken Sie erstmal nach, bevor Sie sich zu irgendwelchen Äusserungen hinreißen lassen.
Schnaafpaaf (15.11.2009, 22:58 Uhr)
@petermeyer
Sie haben da etwas missverstanden. Es geht nicht darum die Trauer um Robert Emke in Frage zu stellen, sondern darum, wie schamlos einige Medien (z.B. die Zeitung mit dem großen "B" ) das seit Tagen ausschlachten und, Verzeihung, eine Staatstragödie machen.
Werfen Sie mir nur bitte ja nicht vor, den tragischen Tod von Robert Emke nicht hinreichend zu würdigen.
Aber es gibt, verdammt noch mal, auch andere, möglicherweise weitreichendere Probleme, die in den Medien eine vorderen Platz benötigt hätten.
petermeyer (15.11.2009, 20:47 Uhr)
peinlich und schamlos
sind hier nur manche userkommentare. könnt ihr einfach nicht mal die klappe halten .

wenn euch nicht interessiert , klickt den artikel nicht an und schaut keine fernsehen .

geht ihr auch an friedhöfen vorbai und macht dort die leute dumm an , weil euch irgendwas nciht paßt an der beerdigung.

das ist nichtmal zynisch was ihr macht, das ist einfach nur würde- und pietätlos. enke hat vielen was bedeutet und sein tod ist für viele ein tragisches ereignis. respektiert das doch einfach !
klabautermann79 (15.11.2009, 19:23 Uhr)
Zweischneidig
Einerseits finde ich es auch verwerflich, diese Tragödie in den Medien so auszuschlachten. Gut und richtig ist sicher, dass hierbei Diskussionen angeregt werden, die mit seelischen Krankheiten, mit Erfolgsdruck usw. zu tun haben. Aber was wird am Ende die Konsequenz sein? Ich glaube eher, dass das eine Eintagsfliege bleiben wird. Bald schon gibt es interessantere Themen und dann ist das hier alles wieder vergessen.
Ich konnte anfangs auch nicht so recht verstehen, wieso die Familie Enkes eine solche Trauerfeier veranlasst. Ich glaube, ich hab es jetzt verstanden, nachdem ich selbst Zeuge einer unfassbaren Tragödie wurde. Wenn ich nicht ganz falsch liege, ist das wie eine Art Befreiung für die Witwe, mit dem Schicksal an die Öffentlichkeit zu gehen. Etwas, was ihrem Mann zu Lebzeiten Ängste bereitete, hat sie für ihn zum Schluß bereinigt, um für sich und ihn den inneren Frieden zu finden (auch wenn das in der jetzigen Situation natürlich nicht ganz gelingen kann).
Schnaafpaaf (15.11.2009, 18:50 Uhr)
Peinlich und schamlos,
wie dieser tragische und traurige Fall seit Tagen bis zum Erbrechen ausgebeutet und ausgeschlachtet wird.
Medien, schämt euch!
rockyciano (15.11.2009, 18:17 Uhr)
Die ganze Inszenierung dieser Situation durch
Medien und Öffentlichkeit ist nur noch peinlich-ja verantwortungslos.Ich verstehe die Familie nicht - die so etwas zuläßt.
joergely (15.11.2009, 18:12 Uhr)
Medien
sind wichtig, um zu verbreiten, was Robert Enke mit seinem Suizid bewirken könnte. Ich fürchte nur, nächste Woche ist wieder ein Fußballer auf Seite 1 der "Bild" mit einer Überschrift wie "Elfmetertrottel" abgebildet.
Politix (15.11.2009, 18:06 Uhr)
Wohltuend relativierend...
...und auch sonst eine ganz hervorragende Rede von Theo Zwanziger!

 
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