Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Wie ein kleiner Verein ein Zeichen gegen Neonazis setzt

Was tun, wenn für die gegnerische Mannschaft ein Rechtsradikaler aufläuft? Der Hamburger Fußballverein SC Sternschanze hat die richtige Antwort gefunden.

Von Felix Haas

  Die fünfte Herrenmannschaft des Hamburger Vereins SC Sternschanze kämpft kreativ gegen Rechtsradikalismus

Die fünfte Herrenmannschaft des Hamburger Vereins SC Sternschanze kämpft kreativ gegen Rechtsradikalismus

Fußballspieler in den unteren Herrenklassen in Hamburg laufen nicht gemeinsam aufs Feld wie die Profis. Sie stellen sich auch nicht in einer Reihe auf, um sich dem Publikum vorzustellen. Und sie singen erst recht nicht die deutsche Nationalhymne vor dem Anpfiff. Das Team des SC Sternschanze war also einigermaßen überrascht, als ein Spieler der gegnerischen Mannschaft in einem Liga-Spiel am 16-Meter-Raum herumstand und die Nationalhymne anstimmte.

Später fielen den Spielern noch die Tattoos des Mannes auf. Offenbar, dachten sich die Spieler des SC Sternschanze, singt der Typ nicht einfach nur gerne mal zum Spaß die deutsche Hymne - sondern er hat eindeutig rechtsextremistische Ansichten.

Mittlerweile ist aus den aufmerksamen Beobachtungen eine große Geschichte geworden. Denn die Spieler des SC Sternschanze haben sich zu einer resoluten Maßnahme entschlossen.

"Das hat uns die Augen geöffnet"

Nach dem Spiel setzten sie sich vor ihre Computer und recherchierten über die Spieler des SC Osterbek. Sie fanden mehrere Hinweise auf rechtsextremistische Aktivitäten. Nicht nur bei einem Spieler des Teams. "Ein Kollege hat uns dann die Augen geöffnet", sagt Gunnar Ebmeyer, Kapitän des SC Sternschanze dem stern. Nach der Recherche habe sich der Teamkollege vorgewagt und gesagt: "Gegen diesen Gegner trete ich nicht mehr an."

In der neuen Saison diskutierten sie dann. Es würde wieder gegen diesen Gegner gehen, wieder gegen diese zum Teil offen rechtsradikalen Spieler. "Wir haben uns gefragt: Wie gehen wir damit um?", sagt Ebmeyer. Ein Staffelwechsel wäre möglich gewesen. "Doch da hätten wir uns gefühlt, als würden wir vor dem Problem nur flüchten."

Brief an den Verband

Das Team beschloss ein radikaleres Vorgehen. Die Spieler setzten sich zusammen und formulierten ein Schreiben an den Verband. Darin verkündeten sie auf acht Seiten, warum sie nicht mehr gegen die dritten Mannschaft des SC Osterbek antreten wollen. Die Ergebnisse ihrer Recherche fügten sie bei. Eine Kopie des Schreibens schickten sie an den SC Osterbek. "Wir haben sogar deutlich darauf hingewiesen, dass wir auch freiwillig auf die Punkte verzichten", sagt Ebmeyer.

So weit kam es allerdings gar nicht erst. Das Schreiben hat eine Menge bewirkt. Der Verband reagierte und setzte das Spiel ab. "So etwas gab es noch nie im Hamburger Amateurfußball", schreibt das Hamburger Abendblatt. Auch der der SC Osterbek reagierte und schloss fünf seiner Spieler aus dem Verein aus. Die erste Herrenmannschaft des in die Kritik geratenen Vereins veröffentlichte auf ihrer Webseite ein emotionales Statement, in dem sich die Spieler von jeglicher Form von Rechtsradikalismus distanzieren: "Es kotzt uns an, dass ein paar wenige Vollidioten unseren Verein in ein dermaßen schlechtes Licht rücken konnten (...) Fussball ist bunt – ihr seid Scheisse!"

So geht man gegen Rechtsradikalismus vor

Ob das Spiel zwischen der dritten Mannschaft des SC Osterbek und der fünften Mannschaft des SC Sternschanze nachgeholt wird, ist momentan noch unklar. Den Spielern des SC Sternschanze ist das ohnehin erstmal egal. Sie haben gezeigt, wie man gegen Rechtsradikalismus vorgeht. "Uns war wichtig, auf keinen Fall den SC Osterbek im Ganzen zu diskreditieren, aber für uns ging es um unser Gefühl", sagt Ebmeyer, "wir wollten ein Zeichen setzen."

Das ist ihnen eindrucksvoll gelungen.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools