Die Gunners lieben Podolski

6. November 2012, 17:45 Uhr

Zum Champions-League-Spiel beim FC Schalke 04 kehrt Nationalspieler Lukas Podolski nach Deutschland zurück. Zwar stecken er und sein Klub Arsenal in der Krise, geliebt wird er in London aber dennoch. Von Joel Stubert

Lukas Podolski, Arsenal London, Schalke 04, Champions League

Will sich gegen den FC Schalke 04 aus der Formkrise schießen: Lukas Podolski©

Wenn eine Person berufen ist, den Zustand des FC Arsenal London in Worte zu kleiden, dann ist es Nick Hornby. Der Autor von „Fever Pitch“, der literarischen Liebeserklärung an den Londoner Verein, drückte die Erwartungen der Arsenal-Fans im Juni so aus: "Die Bühne ist bereit für Lukas Podolski. Er kann der größte Arsenal- und Hauptstadt-Star werden - unser Held."

Große Worte, denen der Ex-Kölner am Anfang Taten folgen ließ. Vom Mittelfeld zunächst in den Sturm beordert, erzielte er zwei Tore in den ersten vier Ligaspielen der Saison, zweimal war er in der Champions-League erfolgreich. Eine ordentliche Quote, die ausreichte, um zum Stammspieler und Publikumsliebling in London zu avancieren. "Es ist noch zu früh, um zu sagen, dass ich ein Held bin", sagt er. Aber vor allem die stets lustige und offene Poldi-Art kommt an der Themse gut an. Schon jetzt ist ein Video Kult, in dem ihm „Gunners“-Legende Ray Parlour Nachhilfe im Londoner Reim-Dialekt Cockney gibt. Der Rheinländer macht sich dort strebsam Notizen und übt lachend ein, dass man statt "beers" (Bier) "Britney" bestellen kann, weil sich der Nachname der Sängerin ("Spears") auf das englische Wort "beers" reimt. Man traut es Podolski durchaus zu, dieses neue Wissen auch anzuwenden und im nächsten Pub zwei "Britney" zu bestellen.

Poldi ist der Liebling der Massen

Die Arsenal-Fans lieben den Clip. Ebenso wie ein Facebook-Bild, auf dem sich die hemdsärmelige Frohnatur vom Nationalelf-Kollegen Per Mertesacker in die Tea-Time-Zeremonie einführen lässt. Sein Coach Arsène Wenger sagt über ihn, was bisher die meisten über ihn gesagt haben: "Er ist ein fröhlicher Junge mit einem sonnigen Gemüt."

Podolski hat es bei Arsenal bis auf die Tür des riesigen Fan-Stores geschafft: Er stemmt die Hände angriffslustig in die Hüften und wirbt für das lilafarbene Auswärtshemd. Angaben über den Trikotabsatz der einzelnen Spieler macht Arsenal grundsätzlich nicht. Club-Sprecher Dan Tolhurst versichert aber: "Seine Fanartikel verkaufen sich exzellent." Und für alle bei Arsenal gelte: "We love Poldi." Und so verwundert es auch kaum, dass Podolski schon nach wenigen Monaten einen eigenen Tor-Song hat. Aus einer Mischung aus Sympathie für den Deutschen und Trotz wegen des Weggangs von Robin van Persie, haben die Arsenal-Fans das Loblied auf den Podolski-Vorgänger kurzerhand umgedichtet. "He scores, when he wants" (Er trifft, wann er will) sangen sie erstmals nach dem beeindruckenden 2:0-Sieg in Liverpool, bei dem Poldi einmal traf. Das Lied zeigt anschaulich, welchen Stellenwert Podolski jetzt schon besitzt. Es zeigt aber auch die großen Hoffnungen, die die Londoner in ihn setzen. Er soll van Persie vergessen machen und den Klub zum ersten Titel seit sieben Jahren schießen.

Arsenal und Podolski in der Formkrise

Doch davon ist Arsenal nach zehn Spieltagen weiter entfernt denn je. Das liegt auch an Podolski. Seit sechs Premier-League-Spielen wartet er auf einen Treffer. In die großen Fußstapfen seines Vorgängers passt er noch nicht. Beim jüngsten Aufeinandertreffen der beiden, dem Gastspiel Arsenals in Manchester, war von Podolski nicht viel zu sehen. Van Persie hingegen traf bereits nach zwei Minuten und verhalf United zum 2:1-Sieg und zur Tabellenführung.

Erst vier Siege in der Premier League konnten die Gunners in dieser Saison bejubeln und mussten den schlechtesten Saisonstart der Ära Wenger verdauen. Podolski stellte dabei den zweifelhaften Rekord auf, als erster Spieler der Ligageschichte zehn Mal in Folge ausgewechselt worden zu sein. Seine Eingewöhnung ist bei weitem noch nicht abgeschlossen.

Trotzdem stehen sie beim FC Arsenal weiter zu Podolski - natürlich. „Ich habe noch nicht viele Vollstrecker gesehen, die so sind wie er“, sagte sein Co-Trainer Steve Bould. „Er ist ein richtig guter Junge.“ Viel Vertrauen, das der Nationalspieler bald wieder zurückzahlen muss. Im Spiel beim FC Schalke (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) müssen die Engländer die Kurve bekommen, wenn sie nicht die Qualifikation für das Achtelfinale aufs Spiel setzen wollen. Das gilt auch für Podolski, der langsam den Atem des Russen Andrej Arshavin auf seiner Position im linken Mittelfeld spürt, wo er mittlerweile spielt. Mit wichtigen Toren in der Champions League wäre Podolski tatsächlich wie geschaffen für die Rolle, die für ihn sowieso schon seit Sommer bereit liegt: die des Helden von Highbury.

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