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Die Bonzen vom Bosporus

20. Februar 2013, 13:56 Uhr

Mit einem millionenschweren Investor im Rücken und Topstars wie Sneijder und Drogba will Galatasaray Istanbul die Champions League gewinnen. Schalke 04 soll am Abend nur eine Durchgangsstation sein. Von Maximilian Koch

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Galatasarays neueste Errungenschaft: Stürmer Didier Drogba, der im vergangenen Jahr mit Chelsea die Champions League gewann©

Es ist bereits neun Monate her, dass Didier Drogba sein letztes Champions-League-Spiel bestritten hat. Doch bis heute wird kaum ein Tag vergehen, an dem sich der Stürmer von der Elfenbeinküste nicht an diesen 19. Mai erinnert. Es war der größte Tag in der Karriere des 34 Jahre alten Ausnahmespielers. An jenem 19. Mai machte Drogba den FC Chelsea zum Sieger der "Königsklasse", als er im Finale gegen Bayern München den entscheidenden Elfmeter verwandelte. Die Bayern weinten, und das Chelsea-Empire hatte einen neuen König.

An diesem Mittwoch kehrt Drogba zurück auf die große Bühne des Vereinsfußballs. Er spielt jetzt für Galatasaray Istanbul, den Gegner des FC Schalke 04 im Achtelfinale der Champions League (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker). Nach dem Triumph von München wollte es der Angreifer eigentlich ruhiger angehen lassen. Ein halbes Jahr lang spielte er für den chinesischen Club Schanghai Shenhua. Seine Laufbahn schien sich dem Ende entgegen zu neigen. Doch als Drogba von der Anfrage aus Istanbul hörte, warf er diesen Plan über den Haufen. Zu sehr reizte ihn die Rückkehr ins Rampenlicht. Drogba, der bei Galatasaray in anderthalb Jahren rund 10 Millionen Euro verdienen soll, hat noch nicht genug von der Champions League.

Präsident Aysal erfüllt die Wünsche der Fans

Als der Ivorer nach heftigem Gezerre zwischen den Chinesen, die ihn nicht gehen lassen wollten, und seinem neuen Club in Istanbul eintraf, hatte der 18-fache türkische Meister bereits einen anderen Topstar verpflichtet: Wesley Sneijder, niederländischer Spielmacher, den sie bei Inter Mailand nicht mehr haben wollten. Sneijder wurde in der Bosporus-Metropole ein Empfang bereitet, der sogar den Hype um David Beckham in Paris übertraf. 75.000 Menschen jubelten Sneijder am Flughafen zu. "Das werde ich nie vergessen", sagte der 28-Jährige, der Galatasaray 7,5 Millionen Euro wert war.

Die Winter-Einkäufe des amtierenden türkischen Champions und Tabellenführers sind ein deutliches Indiz dafür, wo der Club des schwerreichen Präsidenten Ünal Aysal hin will: an die Spitze. Nicht nur in der Türkei, sondern auch auf europäischer Ebene. "Wir wollen zu den zehn besten Vereinen in Europa gehören", sagt Aysal. Dafür hat der Geschäftsmann, der sein Geld hauptsächlich in der Öl-Branche verdient, in den vergangenen Jahren kräftig investiert.

Einige international erfahrene Spieler fanden den Weg nach Istanbul, darunter auch Hamit Altintop, der ehemalige Schalker und Münchner, sowie der brasilianische Mittelfeldstratege Felipe Melo. Spieler also, die bewiesen haben, dass sie auf Champions-League-Niveau bestehen können. Dazu gehören auch Kapitän Selcuk Inan und Burak Yilmaz. Der Stürmer war in der Gruppenphase gemeinsam mit Cristiano Ronaldo bester Torschütze (6 Treffer).

Schalke erwartet "Hexenkessel"

Es überrascht nicht, dass Aysal von den "Gala"- Fans für seine Transfers gefeiert wird. Er hat ihnen Stars geliefert und damit Hoffnungen geweckt. Hoffnungen auf einen ähnlichen Triumph wie 2000, als der Club den Uefa-Cup gewann. Damals wie heute hieß der Trainer der Türken Fatih Terim. Fünf Meisterschaften holte er insgesamt mit Galatasaray, die letzte im vergangenen Jahr. 2008 führte er die türkische Nationalelf ins Halbfinale der EM. Terim, der nicht ohne Grund den Spitznamen "Imperator" trägt, ist in Istanbul eine Legende.

Seine Beliebtheit hat auch Clubpräsident Aysal in den vergangenen Monaten gesteigert – nicht nur wegen der spektakulären Einkäufe. Es ist ihm gelungen, den gigantischen Schuldenberg des Clubs um ein gutes Drittel abzubauen – auf noch immer ca. 200 Millionen Dollar im Oktober des vergangenen Jahres. Diesen Kurs will Aysal fortsetzen, eine ausgeglichene Bilanz ist das Ziel. Dabei helfen Galatasaray nicht nur Aysals Millionen, sondern auch das neue Stadion. Die Türk Telekom Arena, die 2011 eröffnet wurde und dem Schalker Stadion ähnelt, hat sich als Top-Investition erwiesen.

Die Stimmung ist gewaltig, vor dieser Saison wurden 41.000 Dauerkarten verkauft. Insgesamt fasst die Arena 52.650 Zuschauer. "Man muss wissen, dass es ein Hexenkessel wird", gibt der ehemalige Stuttgarter Profi Roberto Hilbert, der aktuell bei Besiktas Istanbul unter Vertrag steht, den Schalkern mit auf den Weg. In der Gruppenphase bekam dies bereits Manchester United zu spüren, die Engländer verloren 0:1.

"Gala" will ins Finale

Aber nicht nur die fanatischen Fans dürften den Schalkern Sorgen bereiten. Galatasaray ist vor dem Duell mit dem Bundesliga-Neunten in guter Form – speziell die prominenten Neuzugänge. Am Wochenende, beim 2:1-Sieg gegen Ligaschlusslicht Akhisar Belediyespor, gab Drogba sein Debüt für "Gala". Eine knappe halbe Stunde Einsatzzeit genügte ihm, um mit einem Treffer und einer Torvorlage das Spiel zu entscheiden. „Er ist einer der besten Stürmer der Welt“, sagt Sneijder über seinen kongenialen Partner. Und Coach Terim ist sich sicher: "Beide können gut zusammen spielen. Sie werden ihre Mitspieler besser machen."

Drogba, Sneijder, Yilmaz – die Schalker werden es mit einem Offensivtrio von besonderer Qualität zu tun bekommen. Und mit einem Gegner, der schon seit geraumer Zeit größer denkt. "Das Ziel ist das Finale der Champions League", schreibt das Blatt "Fanatik". Präziser hätten sie es bei Galatasaray nicht formulieren können.

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