Startseite

Blutgrätsche mit Folgen

Beim Stand von 0:5 wenigstens dem Gegner noch einen mitgeben - das kann nun teuer werden. Ein Gericht sprach einem Amateur-Kicker 50.000 Euro Schadenersatz zu. Das Urteil könnte den Fußball verändern.

  Ein grob unsportliches Foul kann für Fußballspieler teuer werden

Ein grob unsportliches Foul kann für Fußballspieler teuer werden

Grobe Fouls im Fußball können nach einem richtungweisenden Urteil drastische finanzielle Konsequenzen für die Übeltäter haben. "Das hat Auswirkungen für den ganzen Fußball, aber es betrifft natürlich besonders den Amateurbereich und die Schiedsrichter", kommentierte DFB-Vizepräsident Karl Rothmund den bemerkenswerten Spruch des Oberlandesgerichts Hamm: 50 000 Euro Schmerzensgeld muss ein Kreisliga-Fußballer zahlen, weil er seinen Gegenspieler so schwer verletzt hatte, dass dieser seinen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Sportanwalt Christoph Schickhardt sieht in dem Urteil hingegen keine Auswirkungen auf den Profifußball. "Da gibt es keine Prozessflut. Diese Rechtsprechung, die bereits vom Bundesgerichtshof in den 80er-Jahren entwickelt worden ist, ist völlig anerkannt und unbestritten." Sie gelte für alle sogenannte "Kampfsportarten". Das jetzige Urteil sei "gar nix Neues", meinte Schickhardt. Im Profibereich würden mitunter Krankenkassen, die die Gehälter von verletzten Spielern weiterbezahlen, Ansprüche an den Verursacher von schweren Verletzungenen geltend machen - "in Zeiten klammer Kassen immer öfter". Es sei jedoch relativ selten, dass dies mit Erfolg geschehe.

Auch Rainer Koch, der für Rechts- und Satzungsfragen zuständige Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), findet zunächst "keinen neuen Aspekt", sagte aber auch: "Angesichts der Höhe des zugesprochenen Schmerzensgeldes wird man das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm genau analysieren müssen."

Concha scheiterte mit Klage

Im August war der ehemalige Bochumer Fußballprofi Matias Concha mit einer Klage gegen seinen früheren Gegenspieler Macchambes Younga-Mouhani von Union Berlin vor dem Landgericht gescheitert. Concha hatte sich im Spiel beim 1. FC Union am 6. Dezember 2010 bei einem Zusammenprall mit Younga-Mouhani das Schien- und Wadenbein gebrochen und seinen Gegenspieler auf bis zu 200 000 Euro Schmerzensgeld verklagt.

Rybak schränkte grundsätzlich ein, dass Fußballer bereits beim Betreten des Platzes mit Verletzungen rechnen müssten. Schwierig sei es bei anschließenden Zivilklagen, den Foulenden der Vorsätzlichkeit zu überführen. Für Lehner wären bei "versteckten" Regelwidrigkeiten mit Verletzungsfolgen Filmaufnahmen oder Zeugenaussagen eine konkrete Hilfe bei der Beweisaufnahme.

Blutgrätsche ist vorsätzliche Körperverletzung

Die Fußballergewerkschaft VdV heißt das Urteil jedenfalls gut. "Das ist in Ordnung, wenngleich 50.000 Euro eine Menge Holz für den Betroffenen sind", meinte VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. "Aber in der Tat ist der Fußballplatz kein rechtsfreier Raum", ergänzte er. Rothmund sagte: "Die besonders brutalen Fouls passieren nach unserer Erfahrung oft in den unteren Spielklassen." Weil es in diesen Ligen oft sehr große Beweisschwierigkeiten gebe, käme es da "immer mal wieder zu Prozessen wie jetzt in Hamm", meinte Schickhardt.

Einen bemerkenswerten Fall in der Bundesliga hatte es 1987 gegeben. Der Kölner Torwart Bodo Illgner hatte den Stuttgarter Karl Allgöwer in einem Spiel gerammt und ihm dabei einen Sehnenabriss in der Schulter zugefügt. Die Nationalspieler einigten sich außergerichtlich, Illgner zahlte rund 7.500 Euro Schadenersatz. Allgöwer wurde damals von Schickhardt vertreten. Im wohl spektakulärsten Fall von 1981 zwischen Norbert Siegmann und Ewald Lienen, dem der rechte Oberschenkel aufgeschlitzt wurde, gab es übrigens keinen Prozess, weil es sich nach allgemeiner Auffassung lediglich um ein "unglückliches" Foul handelte.

Es gibt ein Grundproblem, speziell bei zivilrechtlichen Verfahren: Wie soll bei groben Fouls mit schweren Verletzungsfolgen für den Gefoulten der Vorsatz des Foulenden bewiesen werden? Der Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner sagt, ein Schiedsrichterpfiff entscheide nicht über einen Rechtsanspruch. Klar ist für Lehner eines: "Die sogenannte Blutgrätsche im Fußball ist vorsätzliche Körperverletzung." Der Jurist sagte, es "könnte" eine Zahlung vom Verursacher des Regelverstoßes fällig werden. Bei rücksichtslosen Fouls, die schwere Verletzungen nach sich zögen, müssten Fußballer mit solchen Urteilen rechnen, meinte VdV-Justiziar Frank Rybak.

Berufsunfähigkeit nach dem Foul

Das Gericht hatte am Montag dem klagenden Fußballer 50 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Er war bei einem Kreisligaspiel von seinem Konkurrenten so schwer am Knie verletzt worden, dass er seinen Beruf als Maler und Lackierer auch gut zweieinhalb Jahre nach dem Foul nicht mehr ausüben kann.

Im August war der ehemalige Bochumer Fußballprofi Matias Concha mit einer Klage gegen seinen früheren Gegenspieler Macchambes Younga-Mouhani von Union Berlin vor dem Landgericht gescheitert. Concha hatte sich im Spiel beim 1. FC Union am 6. Dezember 2010 bei einem Zusammenprall mit Younga-Mouhani das Schien- und Wadenbein gebrochen und seinen Gegenspieler auf bis zu 200 000 Euro Schmerzensgeld verklagt.

Rybak schränkte grundsätzlich ein, dass Fußballer bereits beim Betreten des Platzes mit Verletzungen rechnen müssten. Schwierig sei es bei anschließenden Zivilklagen, den Foulenden der Vorsätzlichkeit zu überführen. Für Lehner wären bei "versteckten" Regelwidrigkeiten mit Verletzungsfolgen Filmaufnahmen oder Zeugenaussagen eine konkrete Hilfe bei der Beweisaufnahme.

stu/DPA/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools