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9. November 2009, 12:13 Uhr
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Das wird brutal für Lahm

Nach seiner öffentlichen Kritik an Verein und Mitspielern sieht stern.de-Kolumnist Stefan Effenberg harte Zeiten auf Bayerns Philipp Lahm zukommen. Dabei gibt Effe dem Verteidiger in manchen Punkten sogar recht.

Stefan Effenberg, Kolumne, Nationalmannschaft, Bayern München, Champions League

Erfolgreiche Reizfigur und ein prägendes Gesicht der Bundesliga-Geschichte: Stefan Effenberg© Ronny Hartmann/DDP

Als ich das Interview von Philipp Lahm hier in Florida gelesen habe, wusste ich sofort, dass er dafür vom Club eine saftige Strafe aufgebrummt bekommt. In so einer angespannten Situation nach der Niederlage in der Champions League gegen Bordeaux und vor dem wichtigen Spiel in der Bundesliga gegen Schalke…. unpassender geht es nicht. Dabei muss ich Lahm in zwei Punkten sogar recht geben: 1.) Wenn Bayern München einen Mario Gomez verpflichtet, dann sollte das Spielsystem selbstverständlich auf zwei Stürmer ausgerichtet sein. Und 2.) Natürlich war die Einkaufspolitik der Bayern in den letzten Jahren nicht immer erfolgreich. Und sie war auch nicht immer gezielt. Dennoch: Den Weg, den der kleine Verteidiger gewählt hat, nämlich den über die Presse, halte ich für falsch. Lahm weiß genau, dass die Tür von Uli Hoeneß immer offen steht - für ihn als Vizekapitän sowieso.

Jetzt wird es also eine angemessene Strafe für den Nationalspieler geben, angeblich die Höchste, die ein Bayern-Spieler je bekommen hat. Uli Hoeneß versteht da überhaupt keinen Spaß, dafür kenn ich ihn zu gut. Wie gesagt: Auch wenn ich die Kritik in manchen Punkten sogar nachvollziehen kann, intelligenter wäre der direkte Weg in Hoeneß' Büro gewesen. Dass Lahm in dem Interview eigene Mannschaftskameraden kritisiert, nämlich die Kollegen aus dem Mittelfeld, halte ich darüber hinaus für sehr bedenklich. Das geht gar nicht! Damit hat er gegen einen Ehrenkodex verstoßen. Bei uns damals wäre das nie passiert. Wir haben uns gegenseitig beim Weißbier ordentlich die Meinung geblasen, aber nach draußen ist davon nie etwas gedrungen.

Öffentliche Kritik bringt nichts

Lahm verändert nichts mit seiner Kritik. Im Gegenteil: Die Mitspieler werden ihm jetzt eher distanziert gegenübertreten. Sein Ansehen im Team wird dadurch leiden. Der Druck von außen nimmt nach so einem Interview auch eher zu. Das wird brutal für Lahm. Seine Leistung wird nach jedem Spiel geradezu seziert werden. Er kann sich jetzt nichts mehr erlauben. Völlig klar: Wer sich so weit aus dem Fenster lehnt, der muss Leistung zeigen. Und zwar keine durchschnittliche. So wie Lahm sie Woche für Woche abliefert. Das wird nicht mehr reichen. Mal sehen, wie Lahm auf dem Platz reagieren wird.

Noch einmal kurz zu der momentanen Situation meines Ex-Clubs: Der gesamte FC Bayern muss sich jetzt zusammenreißen. Man muss versuchen, die Köpfe frei zu bekommen. Da ist mehr denn je Trainer Louis van Gaal gefordert. Ich bin sehr gespannt, ob der Mann dazu in der Lage ist, das Ruder rumzureißen. Noch ist es zumindest in der Bundesliga ja nicht zu spät. Die Situation ist dort nicht aussichtslos. Zumal die Konkurrenten oben in der Tabelle, mal ausgenommen Bayer Leverkusen, es versäumt haben, sich ein beruhigendes Punktpolster gegenüber den Bayern anzueignen. Apropos Bayer Leverkusen: Das nächste Spiel der Münchener gegen den Tabellenführer wird für die Bayern das wichtigste Spiel der gesamten Saison. Sollten sie gewinnen, wovon ich ausgehe, geht der Weg in der Meisterschaft nur über meinen Ex-Verein. Verlieren sie aber, kann man die Saison wahrscheinlich schon abhaken. In Sachen Champions League habe ich den Haken übrigens schon letzte Woche gemacht.

Zur Person: Stefan Effenberg Stefan Effenberg, geboren am 2. August 1968 in Hamburg, war einer der besten Mittelfeldspieler der Welt und eine der großen Reizfiguren des deutschen Fußballs. In der Bundesliga bestritt er 370 Spiele für Borussia Mönchengladbach, Bayern München und den VfL Wolfsburg. Von 1992 bis 1994 spielte Effenberg in Italien für den AC Florenz. Mit Gladbach gewann der "Tiger" 1995 den DFB-Pokal, seine erfolgreichste Zeit hatte er allerdings beim FC Bayern. Mit dem Rekordmeister gewann Effenberg als Kapitän drei deutsche Meisterschaften, DFB-Pokal und 2001 die Champions Legaue und den Weltpokal. Effenberg lebt in Miami, USA, und arbeitet als Champions-League-Experte für den TV-Bezahlsender "Sky".

KOMMENTARE (10 von 16)
 
Dalibor (09.11.2009, 18:40 Uhr)
danke Effe!
so schauts aus, genauso

Lahm hat sich verkalkuliert - er macht sonst gerne einen auf Sprachrohr der Nation und ist jetzt baden gegangen. Er übernimmt sich mit seinem Nebenjob als Pressesprecher von eigenen Gnaden komplett. Effe hat völlig recht - wenn Lahm was zu sagen hat soll er es intern loswerden. Und das Mittelfeld zu attackieren - das ist ja wohl illoyal bis unter die Hutkrempe. danke Effe!
gsc777 (09.11.2009, 16:29 Uhr)
Die Einlassungen...
...des Herrn Effenberg bezüglich FCB sind vollkommen uninteressant. Er hofft immer noch auf einen Job in München und wir dem Vorstand immer nach dem Mund reden.
Administrator (09.11.2009, 16:15 Uhr)
Liebe User,


wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich und verzichten sie auf Beleidigungen anstelle von Argumenten!

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

Gallagher (09.11.2009, 16:13 Uhr)
Kleiner Mann ganz laut
Wenn Euch die Effenberg-Kolumne zu schlicht ist, lest mal auf SIEGEL ONLINE den gescheiten Artikel von Christoph Biermann!
miguelvera (09.11.2009, 15:55 Uhr)
Das Effe
Ich kann gar nicht verstehen, dass der ehemalige Fussballer Effenberg als Kommentator so gefragt ist. Intellektuell und sprachlich hat er doch gar nichts zu bieten.
otisC (09.11.2009, 15:38 Uhr)
verstehe nicht, wieso er zum Vorstand hätte gehen sollen. So als ob das der bessere, angemessenere Weg wäre: "Hallo Chef, ich finde eure Personalpolitik der letzten Jahre nicht so toll, da ist ja einiges schief gegangen."
Was wäre denn der Anlaß dafür gewesen, selbst zum Uli zu gehen? Das sagt man doch nur, wenn man direkt danach gefragt wird - wie eben in einem Interview.
Aber es wird ja ohnehin hochgeköchelt, wie es nur im Fußball möglich ist: da hat einer mal ein anständiges, sogar intelligentes und kritisches Interview gegeben und alle so: Skandal!
silver-quattro3.0 (09.11.2009, 15:07 Uhr)
Kritikberechtigung
Lahm hat mit seiner Kritik nicht ganz unrecht nur, seine eigenen Mitspieler durch seine Öffentlichentlichkeitsarbeit :-) du demontieren, ist ja auch nicht fein.Und Hoeneß hat durchaus recht wenn er sagt daß seine Talente auf der rechten Seite nicht so groß sind wie links.Und wenn man das Thema versachlicht, wird auch bald wieder Ruhe einkehren. Ich denke mir mal, daß der FC-Bayern dieses ganze Theater nur zum Wohle von @vegefranz und Konsorten veranstaltet, damit die wieder etwas zum lästern haben.
BBoldiesBB (09.11.2009, 14:14 Uhr)
In jedem anderen Verein...
wäre Lahm genauso bestraft worden, beim DFB wurde Kurany für weit weniger (beleidigt heimgehen wie Toni) von Löw - solange ich Trainer hier bin - aus der Mannschaft geworfen.
Also was sollen diese "Lobeshymnen" auf einen selbst zur Zeit Durchschnittsleistungen anbietenden Spieler?
Politix (09.11.2009, 12:08 Uhr)
Philipp Lahm
hat sicherlich seine Kritik intern schon geübt, bevor er damit an die Öffentlichkeit geht! Es kann mir doch keiner erzählen, dass der junge Mann, der u.a. wegen seiner Intelligenz zum Vize-Kapitän gemacht wurde, so blöd ist, und direkt an die Öffentlichkeit geht.
Die Vereinsführung sollte sich besser fragen, warum er das getan hat. Wahrscheinlich werden sie dann darauf kommen, dass sie sich selbst von der Mannschaft abgekoppelt und entfernt hat.

Eine Geldstrafe zu verhängen und das auch noch öffentlich zu machen, ist mindestens genauso dumm, wie das, was man Lahm vorwirft.

Es ist geradezu widerlich, wie sich Rummenigge und Hoehneß damit brüsten, "eine Geldstrafe in einer noch nicht dagewesenen Höhe" auszusprechen und dann auch noch meinen, Sie wären im Recht. Wenn das die Unternehmenskultur beim FCB widerspiegelt, nadann "ProstMahlzeit"
kindl88 (09.11.2009, 11:51 Uhr)
@ schluse
ich gib dir da recht, ich glaub auch das der lahm nen Abgang machen wird! Der ist nicht so blöd und haut sonst sone Sprüche gegen Ulli raus!
Obwohl er recht hat der schuldige ist nun mal der Höneß & co!
Diese Jahrzehnte lange (ich kauf euch eure besten Spieler weg nur um euch zu schwächen) Politik aller schlaudrauf und Poldi usw. musste ja irgendwann scheitern und letztendlich hat sie ihren Höhepunkt bei 30 Mio. chancentod Gomez gefunden! Dazu noch eine Mischung aus Panik kaüfen wie robben und eine Diva wie Franck Ribery (den man hätte lieber gehen lassen sollen als real bereit war 50-70 Millionen zu zahlen!
Das ich das noch mal erleben darf das der doch so arrogante höneß endlich mal auf M...... fliegt lässt mein Herz förmlich erblühen :-)
ps: und diese angebliche teuerste strafe aller Zeiten interessiert den lahm doch sowieso nicht ob der nun 4 Mio. oder 3,9 Mio. verdient ist doch dem sch.... egal!

Gruß an alle Hertha Fans und alle Bayern nicht Sympathisanten!
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