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Zahlen und Lügen im Fall Hoeneß

3,5 Millionen. 18,5 Millionen. 27,2 Millionen: Die Summe, die Hoeneß hinterzogen haben soll, schnellt an den ersten beiden Prozesstagen in die Höhe. Es sind Tage der Zahlen nach einem Jahr der Lügen.

Von Johannes Röhrig, München

  Ein Mann und sein (Zocker-)Schatten: Uli Hoeneß muss sich für immer höhere Summen an nichtversteuerten Gewinnen verantworten.

Ein Mann und sein (Zocker-)Schatten: Uli Hoeneß muss sich für immer höhere Summen an nichtversteuerten Gewinnen verantworten.

Der Druck auf Uli Hoeneß nimmt zu: Während die Anklage zum Auftakt des Steuerverfahrens gegen den Bayern-Präsidenten von dreieinhalb Millionen Euro an hinterzogenen Steuern ausging und die Verteidigung gestern auf 18,5 Millionen erhöhte, hat eine als Zeugin geladene Steueramtsrätin vom Finanzamt Rosenheim die Steuerschuld heute auf über 27 Millionen Euro hochgerechnet.

Sie tat dies auf der Grundlage der erst jetzt von der Verteidigung vorgelegten Bankpapiere aus der Schweiz. Und sie rechnete sogar zu Hoeneß’ Gunsten: Die Summe hätte noch höher ausfallen können, wenn nicht rund 70 Millionen großzügig als Steuerfrei anerkannt und andere Beträge mit Verlusten aus Devisengeschäften verrechnet worden wären. "Wir wollen uns ja nachher nicht streiten“, frotzelt die Zeugin in Richtung Verteidigung.

Dabei sind die Millionen aus 2002 noch nicht einmal erfasst. Die Anklage hebt bisher auf die Jahre 2003 bis 2009 ab. Kaum vorstellbar, aber da kann noch mehr kommen.

Mehr als 130 Millionen Euro als Vermögensstand

Angesichts der überraschenden Volten in dem Verfahren ist ein Rückblick nötig: Im August 2013 hatte der stern, dessen Recherchen Hoeneß überhaupt erst zu einer hastig erstellten Selbstanzeige trieben, über die Hinweise eines Informanten bei der Münchener Staatsanwaltschaft berichtet. Danach sollten sich auf Hoeneß’ Konto 4028BEA bei der Privatbank Vontobel in Zürich zeitweise Werte von mehreren Hundert Millionen Euro befunden haben, darunter ein riesiges Aktienpaket des FC Bayern-Sponsors Deutsche Telekom. Hoeneß hatte gegen den Bericht gepoltert ("absurde Unwahrheiten“) und geklagt.

Im Zuge der Verhandlung wurden nun am zweiten Prozesstag einige Vermögensstände bekannt. So sollen die neu gelieferten Kontounterlagen laut Zeugenaussage für Ende 2006 über 130 Millionen Euro als Vermögensstand ausweisen. 2005 waren es wohl sogar 155 Millionen.

Woher stammt das Geld?

Das wirft Fragen nach der Herkunft solcher Beträge auf. Hatte Hoeneß einfach unverschämtes Glück beim Zocken, dass aus dem kleineren Millionenkredit, den Hoeneß vom früheren Adidas-Chef Louis-Dreyfus bekommen haben will, binnen weniger Jahre das Fünfzehnfache wurde? Oder steckt auch da wieder mehr dahinter? Die Zeugin vom Finanzamt Rosenheim ließ zudem durchblicken, neben dem Louis-Dreyfus-Geld sei anfänglich weiteres Kapital von Hoeneß auf dem Konto eingegangen. Woher stammt das?

Die Hintergründe mögen vielleicht die Staatsanwaltschaft nicht mehr interessieren, weil sie in Zeiträumen spielen, die verjährt sein dürften. Für die Beurteilung des Menschen und Managers Hoeneß bleiben sie bedeutsam. Auf seinem Schweizer Konto, versicherte Hoeneß letztes Jahr dem stern, hätten sich nie mehr als 15 bis 20 Millionen Euro befunden. Er hatte wohl eine Null vergessen. Zahlen - und Lügen.

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