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Bayern-Präsident meldete 118 Millionen Euro Verlust

Während Uli Hoeneß in der Schweiz Millionen vor dem Fiskus versteckte, liefen in Deutschland steuermindernd sagenhafte Verluste auf. Wie konnte sich der Bayern-Patron das leisten?

Von Johannes Röhrig

  Bayern-Präsident Uli Hoeneß, sein Steuerprozess beginnt am 10. März

Bayern-Präsident Uli Hoeneß, sein Steuerprozess beginnt am 10. März

Seit nunmehr neun Monaten verfolgt die Öffentlichkeit jede Windung im Steuerverfahren gegen Uli Hoeneß – seitdem bekannt ist, dass nach einer verunglückten Selbstanzeige sein Haus am Tegernsee durchsucht wurde und der Präsident des FC Bayern nur gegen Kaution auf freiem Fuß blieb. Hoeneß hatte über viele Jahre auf seinem Depotkonto 4028BEA bei der Schweizer Privatbank Vontobel mit Millionen gezockt und die Geldgeschäfte dem Fiskus verschwiegen. Im März beginnt in München der Prozess.

Doch nun erfährt dieser Fall eine Zuspitzung: Während Hoeneß jenseits der Alpen mit Riesensummen zockte, meldete er bei den zuständigen Finanzbehörden in Bayern steuerlich anrechenbare Verluste. Nach stern-Informationen lief bis Ende 2008 ein so genannter Verlustvortrag aus "Veräußerungsgeschäften" in Höhe von 118,9 Millionen Euro auf.

Woher kommt das Geld?

118 Millionen Euro Verlust – eine solche Summe ist erklärungsbedürftig. Woher kommt das Geld?

Hoeneß möchte sich auf Anfrage des stern zu dem Vorgang nicht äußern. "Unser Mandant sieht keinen Anlass, Ihre Fragen zu beantworten", teilte ein Hoeneß-Anwalt mit.

Bei Verlustvorträgen wird ein Minus, das sich aktuell nicht durch Einkünfte aus vergleichbaren Quellen ausgleichen lässt, in die folgenden Jahre übertragen, um die künftige Steuerlast zu mindern. Im Fall von Hoeneß geht es um Verluste, die sich über die Jahre bis Ende 2008 anhäuften. Dahinter stehen offenbar private Veräußerungsgeschäfte – nach Definition geht es bei derartigen Geschäften etwa um den Verkauf von Wertpapieren, Beteiligungen oder Immobilien. Welche Geschäfte genau die Verluste verursachten und über welche Konten sie liefen, ist nicht ersichtlich. Ebensowenig ist ersichtlich, ob diese Verluste mit den Schweizer Spekulationsgeschäften des Bayern-Präsidenten zu tun haben, die Gegenstand seines Steuerverfahrens sind.

Steuerbehörden haben Aufklärungspflicht

Für die Besteuerung von Gewinnen aus Aktienverkäufen galten bis Ende 2008 Spekulationsfristen. Unklar ist daher auch die Bilanz der Geschäfte. Den Verlusten können steuerfreie Gewinne gegenüber stehen, die hier nicht zu Buche schlugen.

Allerdings rufen Verluste in solchen Größenordnungen regelmäßig die Steuerprüfung auf den Plan. Denn es stellt sich zwangsläufig die Frage, wie sich Betroffene solche Verluste überhaupt leisten können. Die Steuerbehörden haben bei auffälligen Vorgängen Aufklärungspflichten. Woher kommt so viel Vermögen, dass jemand dreistellige Millionenverluste wegstecken kann?

Hoeneß machte selbst Angaben

In einem Interview hat Hoeneß selbst Angaben gemacht, die auf seine Einkommensverhältnisse schließen lassen. Er habe insgesamt sicher 50 Millionen Euro an Steuern gezahlt, sagte der 62-jährige der "Zeit". Man kann bei dem Manager und Wurstfabrikanten Hoeneß wohl den Höchststeuersatz und damit rund das Doppelte an Einkünften unterstellen. Wie damit aber Verluste über 118 Millionen Euro gedeckt werden können, bleibt ein Rätsel.

Als die Münchner Staatsanwaltschaft am vergangenen Donnerstag die Finanzbehörden durchsuchen ließ, wurde durch Medien zunächst auch der Nürnberger Wursthersteller HoWe, an dem Hoeneß einen Minderheitsanteil hält, in Verbindung mit den Steuer-vorgängen gebracht. HoWe beschäftigt denselben Presseanwalt wie Hoeneß und teilte auf stern-Anfrage nun mit: „Die ... genannten Vorgänge haben, wem immer sie zugeordnet sein mögen, mit der HoWe Wurtswaren KG nicht das Geringste zu tun.“ Zumindest dieser Teil des Rätsels ist gelöst.

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