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13-jähriger Syrer bekommt keinen Spielerpass vom DFB

Der SV Niederwörresbach ermöglichte jahrelang Flüchtlingskindern das Fußballspielen. Nun bekommt ein syrisches Kind keinen Spielerpass. Der Verein ist aufgebracht - und kämpft gegen DFB-Bürokratie.

Von Felix Haas

  Der SV Niederwörresbach kämpft darum, dass Flüchtlingskinder einen Spielerpass ausgestellt bekommen (Symbolbild)

Der SV Niederwörresbach kämpft darum, dass Flüchtlingskinder einen Spielerpass ausgestellt bekommen (Symbolbild)

Dass sie in Niederwörresbach mal mit dem FC Barcelona verglichen würden, das hätten sie nie gedacht. Da mag Günter Reichardt vom örtlichen Sportverein noch so sehr sagen, über die ganze Geschichte "könne man sich nur wundern" - der Vergleich, er ist nun da. Der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben ihn in die Welt gesetzt. Das Problem ist nur: In Niederwörresbach würden sie darauf gerne verzichten. Denn dieser Vergleich verhindert, dass ein Flüchtlingskind in den Verein eintreten kann - und der kleine SV Niederwörresbach führt nun einen Kampf gegen die DFB-Bürokratie.

Um zu verstehen, worum es geht, muss man sich zunächst eine kleine Meldung anschauen, die im April über den Nachrichtenticker lief. "Fifa belegt Barcelona mit Transfer-Verbot" hieß es da. Der Weltverein bekam eine Transfersperre aufgedrückt, weil er minderjährige Fußballer aus dem Ausland verpflichtet hatte - und damit gegen Fifa-Richtlinien verstieß.

Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan

Nun fällt diese Geschichte auf den SV Niederwörresbach zurück. Der Verein arbeitet mit dem Kinderheim des Ortes zusammen, dort sind auch Flüchtlingskinder untergebracht. Aus Syrien, Irak oder Afghanistan. "Seit Jahren haben wir Spielerpässe für Flüchtlingskinder beantragt", sagt Günter Reichardt, "doch auf einmal ist es ein Problem - weil es ja minderjährige Fußballer aus dem Ausland sind."

Reichardt ist in diesen Tagen sehr aufgebracht. Er leitet die Abteilung Fußball im Verein, er ist derjenige, der den Kontakt zu den Verbänden sucht, er sagt, er müsse derzeit "viel Luft ablassen". Im März dieses Jahres sei ein Schreiben vom Verband gekommen, berichtet Reichardt. Darin habe gestanden, dass künftige Passausschreibungen für Flüchtlingskinder nicht mehr so einfach möglich sein würden - mit Bezug auf die minderjährigen Transfers des FC Barcelona.

Flüchtling wartet auf Pass

Reichardt und der Verein versuchen nun bereits seit vier Monaten, einen Spielerpass für einen 13-jährigen syrischen Flüchtling zu bekommen. "Der hat noch nie Fußball im Verein gespielt, höchstens auf der Straße gebolzt", sagt Reichardt. Doch SWFV und DFB wollen nicht nur die immer schon obligatorische Unterschrift des Vormundes im Kinderheim vorgelegt bekommen, sondern es soll offenbar auch Kontakt zum syrischen Verband aufgenommen werden, um die Identität des Jungen zu prüfen.

Dazu soll ein Fragebogen zum internationalen Vereinswechsel ausgefüllt und möglichst von den Eltern unterschrieben werden. Man wolle wohl sichergehen, so Reichardt, dass dieser internationale Transfer nach den Richtlinien der Fifa zustande gekommen ist. "Unser Junioren-Team spielt in der Kreisklasse. Da ist es doch an den Haaren herbeigezogen, an ein Flüchtlingskind die gleichen Kriterien anzusetzen wie bei einem Transfer des FC Barcelona."

Verbände weisen Fall von sich

Die Situation scheint vertrackt. Sowohl beim SWFV als auch beim DFB kennt man den Fall und man kennt auch das Problem. Auf Anfrage des stern weist der regionale Verband SWFV darauf hin, dass der Fall in der Zuständigkeit des DFB liege. "Sobald alle Unterlagen unterschrieben sind, leiten wir alles an den DFB weiter, damit der Antrag dort geprüft werden kann", sagt Michael Monath, der Geschäftsführer des SWFV.

Der DFB betont wiederum, die Verbände hätten im Interesse der Flüchtlinge Möglichkeiten, einen Pass auszustellen: "Die Ausstellung der Spielberechtigung liegt im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen Landesverbandes. Der DFB begrüßt und unterstützt es, wenn in besonderen Fällen, wie z.B. bei Heimkindern und/oder Flüchtlingen geeignete Maßnahmen durch die LV (Landesverbände, Anm. d. Redaktion) getroffen werden, um das Fußballspielen zu ermöglichen", teilte der Verband auf die Anfrage eines Journalisten der Rhein-Zeitung mit.

DFB will Handlungssicherheit

Der DFB will aus diesem Einzelfall eigentlich keine große Geschichte machen. Sein Engagement in Flüchtlingsfragen und Integration ist unbestritten. Der Verband zeigt sich daher auch zuversichtlich, dass der Fall aus Niederwörresbach schnell gelöst werden kann. Doch klar ist auch: Es gibt immer mehr Flüchtlinge, Fälle wie dieser könnten in Zukunft häufiger auftreten. Hinter den Kulissen geht es daher auch um die großen Fragen. "Wir werden auch mit der Bundesregierung sprechen und zwei wichtige Fragen klären: Wie ist die Situation? Welchen Status kann ein Flüchtling haben?", sagt die Integrationsbeauftragte des DFB, Stefanie Schulte, "dann müssen wir mit den Regionalverbänden klären, wo es Hilfebedarf und Unsicherheiten gibt. Klar ist aber: Jeder Akteur muss Handlungssicherheit bekommen."

"Der Junge will doch nur Fußball spielen"

Der SV Niederwörresbach steckt fest in der Unsicherheit um Entscheidungskompetenz. Bei Günter Reichardt führt das zu Frust: "Früher gab es nie Probleme und der Pass war nach 14 Tagen da. Jetzt dauert es vier Monate", sagt Reichardt, "der Junge will doch nur Fußball spielen. Und das wird ihm verwehrt."

Doch Reichardt gibt die Hoffnung nicht auf. Erst neulich telefonierte er mit dem Präsidenten des SWFV. Der gab die Zusage, dass der Junge einen Pass ausgestellt bekommt. Die vollständigen Unterlagen, berichtete er Reichardt, müssten nur erst an den DFB geschickt werden. Damit der dann grünes Licht geben kann.

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