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"Hoeneß würde auch seine eigene Großmutter verkaufen"

Ein Jahr nach der Verurteilung von Uli Hoeneß erscheint eine neue Biographie. Darin klagen Ex-Mitspieler über Hoeneß' Geschäftemacherei. Fazit des Buchs: "Hoeneß ist ein Aufmerksamkeitsjunkie".

  Uli Hoeneß sitzt derzeit im Gefägnis in Landsberg - als Freigänger arbeitet er tagsüber beim FC Bayern in der Jugendabteilung

Uli Hoeneß sitzt derzeit im Gefägnis in Landsberg - als Freigänger arbeitet er tagsüber beim FC Bayern in der Jugendabteilung

Vor einem Jahr fiel das Urteil, das für immer einen Schatten auf das Leben von Uli Hoeneß werfen wird. Richter Rupert Heindl verurteilte den Ex-Bayern-Präsident vor dem Münchner Landgericht zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerbetrugs. Im Laufe des Prozesses kam die gigantische Summe ans Licht, die Hoeneß hinterzogen hatte - 28,5 Millionen Euro waren es am Schluss. Mit der steigenden Schuld bröckelte Hoeneß' Denkmal mehr und mehr. Nach einem Jahr fällt die Beurteilung unterschiedlich aus: Während sein Bayern-Kompagnon Karl-Heinz Rummenigge sagt, Hoeneß habe mittlerweile "ein Stück Würde zurückgekriegt", rechnen alte Bekannte mit der Bayern-Ikone ab.

Der Sportjournalist Thilo Komma-Pöllath veröffentlicht am heutigen Freitag sein Buch "Die Akte Hoeneß". Darin stellt er den Zwiespalt der Person Hoeneß in den Vordergrund. Auf der einen Seite der Gönner und Bayern-Patron, auf der anderen Seite der Wurstfabrikant, der Mini-Gehälter zahlt und Steuern hinterzieht. "Ich habe mich gefragt: Warum finde ich in den bisherigen Biographien nichts über Hoeneß' Seite als Wurstfabrikant, oder warum findet man nichts dazu, dass es bis heute eine enge Verzahnung zwischen Hoeneß und der bayrischen CSU gibt?", sagt Komma-Pöllath zum stern. Für sein Buch begab er sich auf Spurensuche, untersuchte die Brüche in Hoeneß' Leben, ließ seine Gestik und Mimik analysieren, entschlüsselte seine Sprache und befragte Mitarbeiter der Wurstfabrik genauso wie ehemalige Mitspieler.

Ex-Mitspieler kritisiert Geschäftsmacherei

Alte Weggefährten berichteten über Hoeneß zum Beispiel Folgendes: "Ich habe früher schon gesagt: Der Uli verkauft auch seine eigene Großmutter, wenn es sein muss." Das Zitat stammt vom früheren Bayern-Spieler Hans-Josef Kappellmann (u.a. Meister mit dem FC Bayern 1974 und Weltmeister 1974). Kappelmann hielt nichts von Hoeneß' Geschäftemacherei, er verließ die Bayern Richtung 1860 München, als Hoeneß Manager bei den Münchnern wurde: "Ich habe Hoeneß als Persönlichkeit nicht akzeptiert, dass er dann mein Vorgesetzter sein sollte, kam für mich nicht in Frage", berichtete Kappellmann.

Komma-Pöllath sagt, er habe keine richtige Biographie geschrieben. Bei seinem Buch handele es sich vielmehr um eine ausgiebige Reportage. "Ich wollte verstehbar machen, wie die Brüche in Uli Hoeneß' Leben zusammenpassen, wie sie seinen Charakter erklären."

Hoeneß wollte als "guter Mensch" wahrgenommen werden

Als Unternehmer in der Wurstfabrik gab sich Hoeneß nach den Recherchen nicht so generös wie als Bayern-Boss. "Er hat in seiner Funktion als Geschäftsführer bis 2010 den Leuten Hungerlöhne bezahlt", sagt Komma-Pöllath. Der Journalist entschied sich daher, einen Arbeitsvertrag abzudrucken. "Die Bayern-Stars verdienen Millionen Euro, gleichzeitig müssen die Mitarbeiter in der Wurstfabrik mit einem Mini-Lohn leben. Da verstrickt sich Hoeneß in Widersprüche, die für ihn keine Widersprüche zu sein schienen", sagt er. Gleichzeitig habe Hoeneß immer versucht, sich über seine Rolle beim FC Bayern als "guter Mensch" zu verkaufen. "Da stellt sich die Frage, warum brauchte er das. Warum wollte er immer als guter Mensch dastehen?"

Für Komma-Pöllath ergibt sich aus seiner Recherche letztlich das Bild eines "Anerkennungsjunkies". "Er ist ein Süchtiger. Er hat immer das Gefühl gehabt, nicht genug Anerkennung bekommen zu haben", sagt er. Über seine emotionalen Reden habe Hoeneß Menschen binden können. Für Komma-Pöllath bleibt ein zentrales Motiv, das sich durch Hoeneß' Leben zieht: "Er war immer authentisch. Aber dabei nicht wahrhaftig."

Felix Haas
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