Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Genießt Uli Hoeneß einen Promibonus?

Wegen Steuerhinterziehung wurde Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Schon nach 21 Monaten soll er wieder entlassen werden. Kritiker, die nun "Promibonus" rufen, sollten einen Blick ins Gesetzbuch werfen.

Uli Hoeneß wird Ende Februar aus dem Gefängnis entlassen - und ist noch bis 2019 auf Bewährung

Uli Hoeneß wird Ende Februar aus dem Gefängnis entlassen - und ist noch bis 2019 auf Bewährung

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Das steht im Artikel 3 des Grundgesetzes, den jeder kennt. "Aber manche sind wohl doch noch etwas gleicher", spotten jetzt viele, die die vorzeitige Entlassung von Uli Hoeneß kritisieren. Hoeneß war wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden und hatte seine Strafe vor gut anderthalb Jahren angetreten - nach nur 21 Monaten wird er entlassen. "Promibonus", hört man die Menschen murmeln; der kleine Mann müsste länger im Gefängnis bleiben - nicht aber ein Prominenter wie Hoeneß. In den sozialen Netzwerken ist die Aufregung groß; die "Süddeutsche Zeitung" schreibt von einem "fatalen Signal". 

Doch im März hat Hoeneß seine Haftstrafe rechtskräftig verbüßt. Das ist keineswegs eine Regelung, die eigens für den ehemaligen Präsidenten des FC Bayern München eingeführt wurde. Nein, auch der häufig erwähnte "kleine Mann" darf vorzeitig entlassen werden und den Rest der Strafe auf Bewährung absitzen. Die vorzeitige Haftentlassung ist im Strafgesetzbuch eindeutig geregelt - für alle Menschen gleich.

Hoeneß hat gegen Gesetze verstoßen, Steuern in großem Stil, zweistelliger Millionenhöhe, hinterzogen. Dafür ist er verurteilt worden. Dass er bloß die Hälfte seiner 42 Monate in der JVA zubringen muss, ist nicht ungewöhnlich, sondern eine erlaubte Ausnahme. 

"Schon nach Verbüßung der Hälfte einer zeitigen Freiheitsstrafe, mindestens jedoch von sechs Monaten, kann das Gericht die Vollstreckung des Restes zur Bewährung aussetzen", heißt es im Paragrafen 57, Absatz 2 des Strafgesetzbuchs, unter der Bedingung, dass "die Gesamtwürdigung von Tat, Persönlichkeit der verurteilten Person und ihrer Entwicklung während des Strafvollzugs ergibt, dass besondere Umstände vorliegen [...]".

Uli Hoeneß: gute Sozialprognose 

Die vorzeitige Haftentlassung nach der Hälfte der Haftzeit ist damit möglich, wenn der Täter mindestens sechs Monate inhaftiert war und es seine erste Gefängnisstrafe ist. Außerdem darf er laut Gutachtern keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen und muss eine günstige Sozialprognose aufweisen.

Bei der Entscheidung, Hoeneß frühzeitig auf Bewährung nach Hause zu lassen, seien unter anderem dessen Persönlichkeit, sein Vorleben, die Umstände der Tat und sein Verhalten während der Haft gewürdigt worden, sagt Claus Pätzel, Sprecher des zuständigen Landgerichts Augsburg. Die Kammer betont, dass Hoeneß "trotz seiner Position stets bereit gewesen sei, sich in die Gefangenengemeinschaft zu integrieren". Auch bei seinen zahlreichen Ausgängen sei es zu keinen Beanstandungen gekommen. Dazu kommt, dass Hoeneß den durch ihn entstandenen Schaden beglichen und Reue gezeigt hat. Seine gute Sozialprognose kommt auch durch seine vielen sozialen Projekte in der Jugendarbeit, für Flüchtlinge und durch seine Spenden für Bedürftige zustande.

Davon abgesehen ist Hoeneß' Strafe noch nicht vorbei. Durch eine vorzeitige Haftentlassung fällt die Reststrafe nicht einfach weg. Wird ein Häftling vorzeitig entlassen, wandelt sich der Rest seiner Strafe in eine Bewährungsstrafe um. Dabei darf die Bewährungszeit die Dauer des Strafrestes nicht unterschreiten. Bei Hoeneß ist die Bewährungszeit sogar auf etwas mehr, nämlich auf drei Jahre festgelegt.

Ein guter Anwalt und das eigene Verhalten helfen

Nicht Hoeneß' Prominentenstatus hat ihm also zur vorzeitigen Entlassung verholfen. Es war sein eigenes Verhalten - und nicht zuletzt auch ein guter Rechtsanwalt. Nicht bloß als Hoeneß im November 2015 einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stellte, war ein renommierter Rechtsanwalt von Nutzen. Ein erfolgreicher Rechtsbeistand hat in der Regel eben auch seinen Preis. Und tendenziell können sich erfolgreiche Präsidenten von reichen Fußballvereinen einen solchen eben eher leisten als der "kleine Mann".

Es gab also keinen Promibonus vom Gericht. Wenn es eine Sache gab, bei der Hoeneß großzügig behandelt wurde, dann ist das die Entscheidung, Hoeneß bereits im ersten Haftjahr die Erlaubnis zu geben, Weihnachten zu Hause zu feiern. Oder, dass Hoeneß den größten Teil seiner Strafe als Freigänger verbrachte: Schon nach sieben Monaten musste er nur noch zum Schlafen in die JVA, durfte tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen und an den Wochenenden bei seiner Familie sein. 

Aber auch diese Aspekte sind keine Causa "Hoeneß" - heißen im Juristendeutsch Vollzugslockerungen oder auch Hafterleichterungen. Sie werden Straftätern nur dann gewährt, wenn von ihnen keine neuen Straftaten und kein Missbrauch der Vergünstigungen zu erwarten sind. Bei Hoeneß scheint das der Fall gewesen sein. Über diese Maßnahme, die vor allem dazu dienen soll, die sozialen Kontakte des Häftlings mit der Außenwelt aufrechtzuerhalten oder neue aufzubauen, entscheidet in der Regel die Leitung der jeweiligen JVA.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools