Aus Stadien wurden Arenen, aus Vereinen Kapitalgesellschaften, aus Spielen Events, aus Spielern Multi-Millionäre: 40 Jahre Bundesliga sind auch Stück Wirtschaftsgeschichte.

Im Würgegriff der Medien: Die Fernsehanstalten haben wesentlich zum Boom und der jetzigen Krise der Fußballbranche beigetragen.© ddp
Kirch-Pleite, schlechtem Wirtschaftsklima und wachsenden Schulden zum Trotz: Die Geldmaschine Fußball-Bundesliga läuft weiter hochtourig. Mit einem Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro liegen die 18 Vereine mittlerweile im Bereich einer großen mittelständischen Firma. Von der Elf-Freunde-Romantik vor 40 Jahren ist jedoch nichts übrig geblieben. Heute gehören Merchandising, Marketing oder Hospitality zum festen Vokabular eines jeden Club-Managers. Ein Stadion heißt nicht mehr Kampfbahn, sondern Arena. Die Prominenz sitzt nicht mehr auf Ehrenplätzen, sondern in VIP-Logen. Aus Fußball-Mannschaften wurden Kapitalgesellschaften, aus Spielen Events, aus Präsidenten Vorstands- Chefs und aus Spielern Multi-Millionäre.
Bis Wirtschaft und Fernsehen die Bundesliga als Marketing- Instrument und Imageträger entdeckten, vergingen allerdings Jahre. Als am 24. August 1963 der 1. Spieltag angepfiffen wurde, waren die Clubs auf Zuschauereinnahmen oder Mäzene angewiesen. 593 612 Euro setzte der 1. FC Kaiserslautern in der ersten Saison um. Heute liegt der Umsatz bei jedem Verein dank Fernsehen und Werbung im Schnitt bei 60 Millionen Euro. Bayern München ist mit 176 Millionen Euro (2001/2002) Branchenprimus.
Die damaligen Spielergehälter wirken heute wie Taschengeld. Nur der deutsche Meister 1. FC Köln hatte im ersten Jahr Vollprofitum. In anderen Clubs mussten viele Spieler einem Beruf nachgehen. Das erste Lizenzspielerstatut des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erlaubte monatliche Bruttobezüge nur bis zu 1200 Mark. Erst die Freigabe der Gagen Anfang der 70er Jahre brachte gewaltige Lohnsprünge. Heute verdient ein Topstar wie Oliver Kahn jährlich rund fünf Millionen Euro. Dazu kommen noch Werbeeinnahmen. Auch die Transfersummen gingen steil nach oben. Durfte anfangs nur eine Ablöse von höchstens 100 000 Mark verlangt werden, explodierten nach dem Bosman-Urteil 1995 die Summen. Für den Brasilianer Amoroso überwies Borussia Dortmund 2001 die Rekordsumme von 25,6 Millionen Euro an den AC Parma.
Eine neue Einnahmequelle wurde die Trikotwerbung. Als erster Verein trug Eintracht Braunschweig Werbung auf dem Fußballplatz spazieren(«Jägermeister»). 1974/75 liefen sechs Mannschaften mit "Werbung am Mann" auf und kassierten insgesamt 800 000 Euro. In der laufenden Saison nehmen die 18 Clubs jährlich 95 Millionen Euro aus der Trikotwerbung ein, 20 Millionen Euro erhält allein der FC Bayern München von seinem Sponsor Telekom.
Stärkster Impuls für die wirtschaftliche Entwicklung war aber das Auftauchen der Privatsender. 1988 schloss der DFB einen Vertrag mit der Ufa. Erstmals durfte ein Privatsender (RTL) die Bundesliga zeigen. Die Einnahmen aus dem TV-Kontrakt sprangen von 9,2 Millionen (1987/88) auf 20,45 Millionen Euro (1988/89). 2000/01 erreichten sie dank Kirch, Sat.1 und Premiere 355,3 Millionen Euro. Der Anteil der TV-Gelder an den Vereinseinnahmen stieg im Schnitt auf 42 Prozent. Die Kirch-Pleite im Frühjahr 2002 bedeutete eine Zäsur. Statt der geplanten 357,9 Millionen Euro gab es für 2001/2002 nur 278,9 Millionen an TV-Einnahmen. Vergangene Saison waren es 290, in diesem Jahr nur noch 280 Millionen Euro.