Der Albtraumclub des Uli H.

4. April 2009, 11:32 Uhr

Gewinnt Wolfsburg gegen die Bayern (ab 15.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker) winkt den Wölfen die Tabellenführung in der Bundesliga. Es ist aber nicht allein das Mach(t)werk ihres früheren Trainers Felix Magath, das in München gefürchtet wird. Aus den Worten von Uli Hoeneß spricht Furcht und Neid - wegen VW. Von Frank Hellmann, Wolfsburg

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Trinkt gern Tee und spielt gern Schach: Wölfe-Trainer Felix Magath©

Da sage noch einer, die kreisfreie Stadt Wolfsburg sei eine spaßfreie Zone. Hier, 74 Kilometer von Hannover, 26 Kilometer von Braunschweig entfernt, dominiere allein das Befinden des Volkswagenkonzerns die Befindlichkeiten seiner Bewohner, heißt es im östlichen Niedersachsen ja immer wieder. Und weil es der Automobilbranche bekanntlich nicht allzu gut geht, kann es auch den Menschen mit dem Autokennzeichen WOB nicht besonders gut gehen. Welch Trugschluss. Am 1. April hat sich die halbe Stadt kaputt gelacht. Über zwei April-Scherze, die die Wolfsburger Allgemeine Zeitung unters Volk gestreut hatte und die nicht jeder als Jux sofort identifizierte.

Zum einen wurde tatsächlich verkündet, Wolfsburg bekomme auf der Rasenfläche zwischen Jobcenter und Markthalle einen Streichelzoo. Die Bürger sollten doch bitte Kaninchen, Lämmer, kleine Schweinen oder Ziegen im Rathaus abgeben, wahlweise könne man Eichhörnchen fangen. Das fehlende Kamel werde auch den Arabischen Emiraten geliefert. Zum anderen verbreitete sich die zweite Nachricht wie ein Lauffeuer, dass nämlich die Allerwiesen, die Straße, die am Kanal und am Stadion vorbei führt und als Postadresse für die VfL Wolfsburg Fußball GmbH dient, am 1. April um 11 Uhr in Felix Magath-Allee umbenannt werde. Dazu würde das VW-Orchester die Hymne "Ich würde nie zum FC Bayern gehen" spielen, Oberbürgermeister Rolf Schnellecke die Namensgebung würdigen und die Fans könnten dort künftig gleich "Felix Magath alleee!" singen. Sollte der VfL Wolfsburg Meister werden, sei sogar ein Denkmal für Magath drin.

VW-Konzern hält 100 Prozent der Anteile an der Fußball-GmbH

Ein netter Spaß. Aber bald schon bitterer Ernst? Wird Uli Hoeneß, der Manager des am Samstag in der VW-Arena von Wolfsburg gastierenden FC Bayern München auf Magath und dessen Arbeitgeber angesprochen, dann sind einige Sorgenfalten im geröteten Hoeneß-Gesicht erkennbar. Denn längst ist die beste Rückrundenmannschaft der Bundesliga als ernstzunehmender Titelaspirant enttarnt; punkt- und torgleich mit dem Rekordmeister. "Jeder weiß, dass Felix sehr ehrgeizig ist, und er dieses Spiel gewinnen und auch deutscher Meister werden will - da kann er mir nichts vormachen." Magath, selbst zwischen 2004 und 2007 Trainer der Bayern, sei ein alter Schlawiner, "er schiebt sich in unserem Schatten nach oben."

Wie Hoeneß spricht die ganze Branche. Voller Respekt, aber auch mit Furcht. Ja, mitunter schwingt sogar Neid mit. Denn genau wie in Hoffenheim, wo SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp den Emporkömmling nach oben führte, oder Leverkusen, wo Bayer die Erfolgsgeschichte prägte, ist auch der sportliche Erfolg in Wolfsburg fremdfinanziert. Vom VW-Konzern, der 100 Prozent der Anteile an der Fußball GmbH hält. Über die genaue Höhe der jährlichen Zuwendungen wird eisern geschwiegen, doch dem Vernehmen nach sollen sich unter der Regie von Martin Winterkorn, der pikanterweise auch im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt, die Quersubventionen mittlerweile auf 30 Millionen Euro belaufen.

"Das macht Felix Magath sehr gut"

In Leverkusen ist man beispielsweise der festen Überzeugung, dass der Autohersteller von der Aller das Fußballgeschäft deutlich höher bezuschusst als der Chemiegigant am Rhein. "Wir machen mit dem Geld von VW ja keinen Blödsinn, unser Ergebnis schlägt sich auch direkt auf VW wieder", bekundet Jürgen Marbach, seit vergangenem Sommer der Geschäftsführer Marketing und Organisation beim VfL Wolfsburg. Der 50-jährige frühere LTU-Chef ist ein wichtiger Verbindungsmann zum VW-Konzern, der ihn eigens per Headhunter auserkoren hat. Und er weiß: "Der Konzern will seine Unterstützung auch in schwierigen Zeiten aufrecht halten - ob das dann fünf Millionen mehr oder wenig sind, spielt nicht die entscheidende Rolle." Noch liege der Umsatz knapp unter 100 Millionen, "da würde die Champions League natürlich einiges verändern."

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