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1. Juli 2004, 10:56 Uhr
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Ein Job für Verrückte

Nach Rudi Völlers Rücktritt sucht der DFB einen Bundestrainer. Als Favorit gilt Ottmar Hitzfeld. Der neue Mann muss die Nationalelf bis zur WM 2006 titelreif machen - ein hoffnungsloses Unterfangen.

Kandidat der Bundesliga: Ottmar Hitzfeld (o.), 55, ist Deutschlands erfolgreichster Trainer - ein glänzender Stratege, aber zuletzt beim FC Bayern in der Kritik© AP

Nach vorn geht nichts im deutschen Fußball. Zwei Jahre vor der WM im eigenen Land sucht der DFB einen neuen Bundestrainer, und die Interessen sind verkeilt.

Schuld hat DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der die Entscheidung zur Chefsache erklärt hat. Der Sonnenkönig der Algarve logierte noch Tage nach dem EM-Aus der Nationalelf im verwaisten Mannschaftshotel von Almancil, bevor er nach Lissabon umzog. In Portugal erfindet er sich seine eigene Realität. Und spielt auf Zeit.

Es könnte das Abschiedsspiel des Machtpolitikers sein. Der Fall ist verworren: Der allseits als Favorit gehandelte Ottmar Hitzfeld wird nicht zusagen, wenn er nicht das Gefühl hat, Mayer-Vorfelder stehe wirklich zu ihm, erzählte der Kandidat nach dem Geheimtreffen mit "MV" im kleinen Kreise in Sevilla. Der DFB-Boss scheint Hitzfeld durch sein zähfließendes Locken entnerven zu wollen, um nach dessen Absage seinen Günstling Christoph Daum auf den Posten zu hieven. Den Lügenbaron des Jahres 2000 wiederum will die Bundesliga unter allen Umständen verhindern, die Bayern vorneweg - Hitzfeld kommt für sie als Einziger infrage. Das Kuddelmuddel könnte am Ende zum Sturz Mayer-Vorfelders führen.

Die Positionskämpfe um Rudi Völlers Nachfolger aber überdecken das wirkliche Problem: Wie zum Teufel soll der neue Trainer binnen so kurzer Zeit dieser Nationalelf Klasse beibringen? "Man darf nicht glauben, dass sich mit einem anderen Mann irgendetwas ändert. Kein Bundestrainer kann die Krise des deutschen Fußballs lösen", sagt ein Spitzencoach der Liga. "Grundsätzlich hat Völler aus dieser Mannschaft alles herausgeholt."

Rudi Völler ist nicht gescheitert. Er hat für sich beschlossen, gescheitert zu sein. Seine Kraft war erschöpft; am Ende verpuffte sie einfach. Sein Rückzug sagt wenig aus über Völlers Qualität und viel über das Team: eine einfallslose Elf, der die Schnelligkeit der Beine, vor allem aber der Gedanken fehlte. Sie konnte ein hohes Tempo nicht präzise spielen; sie konnte den Rhythmus nicht plötzlich variieren, kaum ein Spieler war in der Lage, samt Ball an einem Gegner vorbeizukommen - alles Kennzeichen der beeindruckenden Teams dieser EM, der Tschechen, der Dänen, der Portugiesen.

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