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"Keine Sorge, die Polizei wird Sie finden"

Überraschung im Wettskandal-Prozess: Der Betrüger Ante Sapina kommt vorläufig frei. Nach der Entscheidung kämpfte der Wettpate mit den Tränen. Neue Probleme gibt es derweil bei der Beschlagnahmung der Wettmillionen - die liegen auf der Isle of Man.

Fußball-Wettbetrüger Ante Sapina ist wieder auf freiem Fuß. Nach 17 Monaten Untersuchungshaft hat das Bochumer Landgericht den Haftbefehl am Freitag außer Vollzug gesetzt. Hintergrund ist das umfassende Geständnis des Angeklagten, der nach der Entscheidung mit den Tränen kämpfte. Richter Wolfgang Mittrup sagte, es sei eine "Chance" für Sapina, die er nutzen solle. "Wenn Sie meinen, Sie könnten untertauchen, machen Sie sich keine Sorgen - Polizei und Staatsanwaltschaft werden Sie finden", sagte der Richter noch.

Sapina hatte über seinen Verteidiger zuvor eine Kaution von 50 000 Euro hinterlegt. Außerdem muss er sich ab sofort dreimal pro Woche bei der Polizei melden. Sein Verteidiger Stefan Conen zeigte sich sehr zufrieden. Eine Flucht in das Ausland werde es nicht geben. "Herr Sapina ist ein so intelligenter Mann, dass er weiß, dass dies eine Chance ist, die er nutzen muss", sagte Conen auf dem Gerichtsflur. Sapina habe sich dem Verfahren gestellt und werde es auch weiter tun.

Sapina gab auf Anraten seiner Anwälte nach seiner Entlassung keinen Kommentar ab. Er wurde im Gericht Punkt 16.00 Uhr von seinem älteren Bruder Milan in Empfang genommen. Beide wollten noch am Freitag nach Berlin zurückkehren. Auslandsreisen hat die 12. Strafkammer ausdrücklich verboten. Auch Reisen innerhalb Deutschlands, die mehr als drei Tage dauern, müssen angemeldet werden. Die Ausweispapiere Ante Sapinas bleiben bei der Staatsanwaltschaft.

Auf der Isle of Man liegen noch 1,2 Millionen

Richter Mittrup begründete die Entlassung mit den Aussagen des geständigen 35-Jährigen. Die Entscheidung sei vertretbar, allerdings "unter Zurückstellung erheblicher Bedenken", hieß es vonseiten des Gerichts.

Probleme gibt es allerdings bei der Beschlagnahmung der Wettmillionen. Auf der Isle of Man liegen noch immer rund 1,2 Millionen Euro. Die Londoner Buchmacher, die das Geld dort für Sapina angelegt haben, hatten ursprünglich die Freigabe signalisiert. Zwei Überweisungsversuche an die Gerichtskasse des Bochumer Landgerichts sind wegen Bankformalitäten jedoch gescheitert. Nun heißt es, dass der Millionenbetrag doch festgehalten werden solle.

Prozess wird Anfang Mai fortgesetzt

Ein deutscher Anwalt des Unternehmens hatte der Bochumer Staatsanwaltschaft erklärt, dass man "äußerst verstimmt" sei. Begründung: Sapina hatte den Richtern erklärt, dass Vertreter aus London über die Manipulation von Fußballspielen Bescheid gewusst hätten. Nun solle das Geld für mögliche eigene Schadensersatzansprüche bereitstehen.

Sapina hatte gestanden, Wetten auf mutmaßlich manipulierte Fußballspiele platziert und auch selbst in die Bestechung von Schiedsrichtern und Fußballspielern verstrickt gewesen zu sein. Im Prozess geht es um knapp 50 Partien - von der Oberliga bis zu Champions League und WM-Qualifikation. Drei weitere Wettbetrüger waren in einem Parallelverfahren bereits am Donnerstag zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und drei Jahren und elf Monaten verurteilt worden.

Der Prozess gegen Sapina und fünf weitere Angeklagte wird am 5. Mai fortgesetzt.

kbe/DPA

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