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28. November 2006, 12:36 Uhr

"Das ist eine Gaunerei"

Kommt Robert Hoyzer etwa doch mit einem blauen Auge davon? Es sieht danach aus. Der Oberstaatsanwalt plädiert auf Freispruch für den Ex-Schiedsrichter, und das Revisionsverfahren wurde verschoben.

Kommt er mit einem Freispruch davon? Ex-Schiri Robert Hoyzer hat plötzlich wieder gute Karten© Marcus Brandt/DDP

Ausgerechnet der Bundesanwalt hat Skandal- Schiedsrichter Robert Hoyzer Hoffnung gemacht, doch nicht ins Gefängnis zu müssen. Im mit Spannung verfolgten Revisionsprozess um den Fußball-Wettskandal forderte Bundesanwalt Hartmut Schneider am Dienstag vor dem Bundesgerichtshof (BGH) überraschend einen Freispruch. Der Jurist beantragte vor dem 5. Strafsenat in Leipzig, das Urteil des Landgerichts Berlin vom November 2005 aufzuheben. Es sei von "bemerkenswerter Oberflächlichkeit", kritisierte Schneider. Am 15. Dezember soll nun das endgültige Urteil gefällt werden.

Laut des ersten Richterspruchs muss Hoyzer (27) zwei Jahre und fünf Monate in Haft. Nach Ansicht Schneiders bietet das Strafgesetzbuch bislang aber keine Möglichkeit, die Manipulationen von Hoyzer und den kroatischen Brüdern Sapina als Betrug zu ahnden. "Das ist eine Gaunerei. Aber strafrechtlich kommt man da nicht dran", sagte er nicht ohne Bedauern.

Raum für einen Freispruch?

Nun müssen die Bundesrichter unter den argwöhnischen Augen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Öffentlichkeit entscheiden. Bis dahin lassen die Nachfragen in der mündlichen Verhandlung eine spannende Diskussion zwischen den vier männlichen und einem weiblichen Mitglied des 5. Strafsenats vermuten. "Ist tatsächlich Raum für einen Freispruch?", fragte der Vorsitzende Richter Clemens Basdorf nach dem Antrag Schneiders. Er schloss nicht aus, dass der Fall dem Großen Senat des BGH vorgelegt werden muss, weil die bisherige Rechtsprechung in vergleichbaren Fällen zu gegensätzlichen Beurteilungen gekommen ist.

Das Landgericht Berlin hatte Drahtzieher Ante Sapina (30) wegen Betruges in zehn Fällen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt. Laut Urteil hat er Schiedsrichter, darunter Hoyzer, für Spielmanipulationen bezahlt. Der zwischenzeitlich lebenslang als Schiedsrichter gesperrte Hoyzer wurde wegen Beihilfe zum Betrug in sechs Fällen verurteilt. Neben Sapinas Brüdern waren der frühere Referee Dominik Marks (31) und Ex-Fußballprofi Steffen Karl (36) beteiligt. Sie erhielten Bewährungsstrafen.

Deutschland in Rage

"Der Wettskandal hat Deutschland seinerzeit in Rage gebracht", erinnerte Schneider. Insbesondere mit Blick auf die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land sei der Ruf nach einer schnellen und harten Bestrafung laut gewesen. Das Berliner Urteil entstand "unter dem Druck der bevorstehenden WM" kritisierten auch die Verteidiger, die alle um einen Freispruch kämpften.

"Falscher kann ein Urteil nicht sein", konstatierte Hoyzer-Anwalt Thomas Hermes. Dass sie ausgerechnet vom Bundesanwalt Schützenhilfe bekamen, hat die Verteidigung überrascht. "So deutliche Worte hatte ich nicht erwartet", sagte Karls Anwalt, Andreas Bartholomé. Die Bundesanwaltschaft sei den Anspruch als "objektivste Behörde der Welt" gerecht worden, schwärmten die Juristen.

Selbstschutz wäre möglich

Der Bundesanwalt stützte sich dabei auch auf ein wesentliches Argument der Verteidigung: die allgemeinen Geschäftsbedingungen für Oddset-Wetten. "Ein Selbstschutz wäre mit einer anderen Formulierung durchaus möglich", betonte Schneider. Es sei gut, dass das Unternehmen nach Bekanntwerden des Wettskandals bereits die Formulierung geändert habe. Weitere Zusätze sind nach Ansicht Schneiders nötig, wenn sich das Unternehmen schützen will.

Nun muss der BGH entscheiden. Neben dem beantragten Freisprüchen bleiben zwei weitere Varianten: Die Bundesrichter stellen Rechtsfehler fest und heben das Urteil auf. Dann wird der Prozess vor einer anderen Kammer des Berliner Landgerichts neu aufgerollt. Für diese Variante könnte unter anderem sprechen, dass Hoyzer im Urteil Manipulationen im Spiel zwischen den Amateuren des VfL Wolfsburg und den Amateuren des Hamburger SV am 6. November 2004 angelastet wurden. Dieses Spiel hat aber Dominik Marks gepfiffen.

Marion van der Kraats/DPA
 
 
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