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Einer will nach oben: Julian Draxler hat sein schlechtes Image überwunden

Julian Draxler galt vielen seit seinem stillosen Weggang aus Wolfsburg als Prototyp des egoistischen Jungprofis - durch seine Auftritte in der Nationalelf und sein TV-Interview nach dem Norwegen-Spiel zeigt er, dass er auch anders kann.

Julian Draxler trug beim Confed Cup die Kapitänsbinde

Sichtlich gereift: Julian Draxler trug beim Confed Cup die Kapitänsbinde

Nach so einem berauschenden Spiel fällt einem alles leichter: der Jubel mit den Fans, das Abklatschen mit dem geschlagenen Gegner, der Gang ins TV-Studio, das Antworten auf Fragen nach dem Konkurrenzkampf im Verein - das sah man , 23 Jahre alt und eines der größten Talente des deutschen Fußballs, nach dem Schlusspfiff in Stuttgart an. Die deutsche Nationalelf hatte gerade Norwegen mit 6:0 aus dem Stadion gefegt, der achte Sieg im achten Spiel der WM-Qualifikation.

Draxler trug mit seiner Leistung viel zum torreichen Spaßfußball der Deutschen bei. Mit einem eleganten Drehschuss erzielte er das 2:0, er glänzte mit vielen Dribblings und bereitete das 5:0 durch Leon Goretzka genauso elegant vor. Nach dem Spiel lieferte er im -Studio einen ebenso souveränen Auftritt: Er antwortete eloquent und selbstbewusst auf die Fragen von Moderator Florian König und blieb auch am Ende bei den gönnerhaften Tipps von Experte Jens Lehmann selbstsicher und humorvoll.

Julian Draxler zeigt sich von seiner besten Seite

Es war ein Auftritt, der Draxler von einer anderen Seite zeigte. Bisher galt der frühere Schalker eher als Inbegriff des egoistischen Jungprofis, der mehr Talent als Ausstrahlung besaß. Schon sein Wechsel vom emotionalen Traditionsverein Schalke zum langweiligen Konzernklub brachte ihm viel Kritik ein. Als es sportlich nicht lief in Wolfsburg, wollte er den Verein nach nur einem Jahr wieder verlassen, aber Wolfsburg stellte sich quer. Also forcierte er durch lustlose Auftritte seinen Wechsel zu Paris Saint Germain in der Winterpause - das Image von Draxler war spätestens ab diesem Zeitpunkt im Keller. Vorher schon war es auffällig, dass Draxler in der Champions League regelmäßig gute Leistungen zeigte, während er im grauen Liga-Alltag oft abtauchte. In dieser frustierenden Zeit wirkte auch in TV-Interviews oft verbissen und verkrampft.

Doch die Weltstadt Paris scheint ihm gut zu tun. 25 Spiele, zehn Tore und drei Torvorlagen - so lautet seine Bilanz nach einem halben Jahr bei PSG. Beim Confed Cup führte er eine junge Mannschaft als Kapitän zum Titel - und jetzt der Auftritt gegen : Da gewinnt einer sichtlich an Statur.


Im Interview im RTL-Studio bestätigte er diese Entwicklung. PSG hat mit Neymar und Mbappé zwei der besten Angreifer der Welt verpflichtet - mehr Konkurrenz für Draxler geht kaum. Als die Transferliste noch offen war, hieß es schnell, Draxler würde das Weite suchen, doch er ist geblieben: "Ich habe bewusst nicht mit dem Gedanken gespielt, den Verein zu verlassen, weil ich mich einfach der Konkurrenzsituation stellen will und zeigen will, dass ich auf dem Niveau mitspielen kann und mir auch in so einer Mannschaft einen Platz in der ersten Elf ergattern kann", sagte er. Er räumte zwar ein, dass die Konkurrenz "auf dem "Papier den Vorteil hat, so teuer zu sein", freut sich aber auch "riesig, mit solchen Fußballern in einer Mannschaft zu spielen".

Jens Lehmann hat noch einen Rat

Dass er in der neuen Saison erst zwei Kurzeinsätze für PSG absolviert hat, liegt auch daran, dass er wegen des Confed Cups vier Wochen später aus dem Sommerurlaub zurückkam. Er betonte zurecht: "Heute die 90 Minuten waren sehr, sehr wichtig für mich. Ich glaube, ich habe auch ein Signal gesendet in , dass da wieder mit mir zu rechnen ist." Da redete einer, der selbstbewusst ist. In Draxlers Welt zählen die großen Klubs - da gehört er nach eigenem Selbstverständnis hin.

Selbst einen Tipp von Jens Lehmann nahm er souverän hin. Der RTL-Experte riet ihm, die Defensivarbeit zu verbessern, das würde nützlich sein für den Konkurrenzkampf in Paris. Draxler sagte, dass er das genauso sehe, und verabschiedete sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

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