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Soll Klinsmann bleiben?

Eins ist sicher: Jürgen Klinsmann hat dem deutschen Fußball wieder Leben eingehaucht. Der Erfolg der DFB-Kicker beflügelt das ganze Land. Diskutieren Sie mit uns, liebe stern.de-Leser, ob Klinsmann Trainer bleiben soll.

In der bittersten Stunde als Bundestrainer zeigte Jürgen Klinsmann Größe - und schob zugleich jede Debatte um seine eigene Zukunft rigoros zur Seite. "Es ist absolut unwichtig, was mit meiner Person passiert", antwortete der 41-Jährige auf die Frage der Nation: Bleibt er oder geht er? Stattdessen kümmerte sich der Chef, selbst nach dem Last-Minute-Schock im WM-Halbfinale sichtbar um Fassung ringend, um seine am Boden zerstörten Spieler und gratulierte Italien fair zum Finale. "Ihr könnt stolz sein auf das, was ihr hier erreicht habt, sagte Klinsmann in der Kabine zu seinen Spielern.

In seine Entscheidung wird Klinsmann alle möglichen Punkte einbeziehen, die Stimmung in der Mannschaft könnte ihn besonders beeinflussen. Die Spieler machten sich bereits in ihren ersten Aussagen nach der Italien-Partie für eine Zukunft mit Klinsmann stark. "Ich bin der festen Überzeugung, dass er weitermacht", sagte der Münchner Philipp Lahm. "Ich hoffe, dass er weitermacht", erklärte der Dortmunder Christoph Metzelder, für den die Fortsetzung der neuen Philosophie alternativlos ist. Und Bremens Tim Borowski meinte sogar: "Für mich wäre es schon eine Enttäuschung, wenn er nicht mit uns weitermachen würde."

Löw ist die Alternative

Bereits nach dem Erreichen des Viertelfinales ging die Diskussion über die Weiterverpflichtung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann los. Der deutsche Team-Manager Oliver Bierhoff plädierte dafür, Klinsmann an Bord zu halten. Die eingeleiten Reformen im deutschen Fußball und die ersten sichtbaren Ergebnisse dürften nicht aufgegeben werden, meinte Bierhoff. Klinsmann wiederum brachte seinen Assistenten Joachim Löw ins Gespräch. Der könne die neue Linie im deutschen Fußball ebenso gut weiterführen, sagte Klinsmann in einem Interview.

Wie dem auch sei: Es herrscht bei vielen die Meinung vor, dass Klinsmann und seine Methoden und Ideen dem deutschen Fußball gut tun. DFB-Präsident Theo Zwanziger trat bereits früh für den Wahl-Kalifornier ein. Der mächtige Bayern-Manager Uli Hoeneß ist mittlerweile voll des Lobes für Klinsmann, trotz dessen Schelte an den Trainingsmethoden der Bundesligatrainer. Und die Lichtgestalt des deutschen Fußball, Franz Beckenbauer, sagte: "Es wäre jammerschade, wenn er aufhören würde. Er hat diese Mannschaft geprägt, die Spieler vertrauen ihm".

Die Gegner des Trainers

Aber Klinsmann hat auch Gegner. Bei der Besetzung des DFB-Sportdirektors mussten er und seine Getreuen eine heftige Niederlage einstecken. Klinsmann wollte den Hockey-Trainer Peters, Sammer bekam den Job. "Auch innerhalb des DFB gibt es keinen mehr, der an der Arbeit von Jürgen Klinsmann zweifelt", sagte Oliver Bierhoff. Das stimmt so nicht. Klinsmann hat nach wie vor Feinde beim DFB. Die Stimmung bei einigen Medien kippte erst, als die DFB-Elf die ersten Siege bei dieser Weltmeisterschaft einfuhr. Die eindrucksvollste Wende vollzog die "Bild"-Zeitung - vor der WM wurde der Bundestrainer als "Grinsi-Klinisi" gehetzt, jetzt ist er ein nationaler Held. Stimmungen wandeln sich rasend schhnell. Das weiß Jürgen Klinsmann.

Das ist auch der Grund, warum er mit sich ringt. Klinsmann wird erst nach dem Spiel um Platz drei wirklich intensiv über seine Planung nachdenken - und das in Europa. Mit seiner Frau Debbie und den beiden Kindern wird er ein Urlaubsquartier beziehen, wahrscheinlich in Italien. "Ich werde die WM erst einmal ein paar Tage sacken lassen, alles mit meiner Familie besprechen. Es ist viel passiert in den letzten zwei Jahren, da muss man erst einmal durchschnaufen. Ich habe zwei Jahre lang die volle Energie reingelegt und an nichts anderes gedacht als den Finaleinzug", sagte Klinsmann. Die DFB-Chefs Theo Zwanziger und Gerhard Mayer-Vorfelder hat er darum gebeten, "mir ein paar Momente Zeit zu geben".

Blatter lobt Klinsmann

Selbst Joseph Blatter, Chef des Weltverbandes FIFA, würde sich über die weitere Arbeit des Reformers Klinsmann freuen: "Ich kann nur sagen: Hut ab für ihn und sein technisches Team. Das Feuer, das da gekommen ist, wir greifen an und zack, zack fallen Tore."

tis mit DPA

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