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Grund zur Sorge? Natürlich nicht!

Die Partie gegen Kamerun hat gezeigt, dass bei Löws Elf noch Sand im Getriebe ist. Macht aber nix, meint stern.de-WM-Reporter Mathias Schneider. Maue Testspiele gehören zur deutschen Tradition.

Von Mathias Schneider, Mönchengladbach

  Ein Fingerzeig: Thomas Müller bejubelt sein Tor zum 1:1 gegen Kamerun. Am Ende trotzten Eto'o und Co. den Deutschen ein durchaus verdientes 2:2 ab.

Ein Fingerzeig: Thomas Müller bejubelt sein Tor zum 1:1 gegen Kamerun. Am Ende trotzten Eto'o und Co. den Deutschen ein durchaus verdientes 2:2 ab.

02. Juni: Der Chef, er probt noch

Tatsächlich, es wurde dann gestern auch Fußball gespielt, man vergisst ja bisweilen, worauf sich so eine Fußball-Nationalmannschaft vorbereitet, wenn man wochenlang mit ihr unterwegs ist. Training, Pressekonferenz, Training, so geht das tagein, tagaus, und irgendwann wird es dann zum Selbstzweck. Aber, wie gesagt, gestern war es dann so weit, es wurde in Mönchengladbach zum ersten Mal ernsthaft gekickt.

Und es gibt durchaus Positives zu vermelden. Volker Finke spricht ordentliches Französisch, im Englischen kommt er zurecht. Er gibt lange Pressekonferenzen und seine Arbeitgeber sind derzeit sehr zufrieden mit ihm, was eine Erwähnung lohnt, denn Finkes Arbeitgeber ist der Kameruner Fußballverband, und wie wir alle wissen – Klischee, Klischee – dort ist man nicht gerade zimperlich, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.

Weil wir gerade schon von Kamerun sprechen, die sind dann in Mönchengladbach der erste Prüfstein unserer Nationalmannschaft gewesen. Und weil sie den Deutschen am Ende ein durchaus verdientes 2:2 abtrotzten, heißt das im Umkehrschluss, dass bei Löws Combo noch ein bisschen Sand im Getriebe ist. Denn Deutschland ist ab sofort immer Favorit, außer gegen Italien.

Grund zur Sorge? Natürlich nicht, die Liste missratener Vorbereitungsspiele in der deutschen Länderspielgeschichte ist lang. Man erinnere sich nur an die WM 2006 als es davor gegen Italien ein 1:4 in Florenz setzte und auch gegen die tapferen Japaner reichte es in Leverkusen nicht zum Sieg. Die WM im eigenen Land war dann dennoch ein Erfolg. Man spricht ja nicht umsonst von Deutschland als Turniermannschaft.

Es war auch nicht so, dass Löws Männer total einbrachen gegen Finkes Elf (die ja eigentlich Eto'os Elf ist). Sie kommen direkt aus dem Trainingslager, und da sind die Beine schon mal schwer. Ein Fingerzeig war das Spiel dann aber schon, denn Löw spielte nicht mit dem zweiten Anzug.

Er ließ in der Defensive Jerome Boateng diesmal rechts verteidigen und Mertesacker und Hummels in der Mitte, was durchaus furchterregend aussah, denn alle drei sind riesige Gesellen. Der kleine Durm links senkte den Schnitt dann etwas. Die Vier spielten ansprechend, die Versetzung von Philipp Lahm ins Mittelfeld rückt damit näher.

Zumal dort Toni Kroos und Sami Khedira vor der Abwehr noch zu wenig Explosivität versprühten. Im Umschaltspiel nach hinten, das früher mal Ballverlust hieß, offenbarten sich mächtige Lücken. Dafür wirkten in der Offensive weder Mesut Özil noch Mario Götze, der diesmal ganz vorn agierte, vollends auf der Höhe. Es fehlten Spritzigkeit und Esprit. Aber man darf das alles nicht allzu ernst nehmen. Der Chef, er probt noch, in zwei Wochen geht es los. "Dann werden wir in besserer Verfassung sein", versprach Joachim Löw.

Er fährt jetzt erst einmal nach Hause. Nach Freiburg. Wir alle tun das. Am Freitag geht es dann weiter, in Mainz. Gegen Armenien. Man will ja mit einem guten Gefühl nach Brasilien aufbrechen.

Bis dahin?

PAUSE!

  Das weiße Tape am Knie, der skeptische Blick: Aber Bastian Schweinsteiger wird alles tun, um bis zum WM-Beginn fit zu werden

Das weiße Tape am Knie, der skeptische Blick: Aber Bastian Schweinsteiger wird alles tun, um bis zum WM-Beginn fit zu werden

30. Mai: Aus dem Reha-Lager direkt ins Spiel

Nun, da das wunderschöne Passeiertal beginnt hinter uns zu liegen - man nimmt ja Abschied, bevor man wirklich geht -, ist es Zeit, schon einmal Bilanz zu ziehen. Zwar reist die Nationalmannschaft erst am Samstag nach Düsseldorf, um am Sonntag dann in Mönchengladbach gegen Kamerun zum ersten Mal den Ernstfall zu proben. Aber wie man es dreht und wendet: Es geht zu Ende in Norditalien. Als Reporter gab es nicht viel zu beanstanden, doch - weit wichtiger - wie steht es um die wichtigsten Beine der Nation, nun, da die WM immer näher rückt?

Zunächst ein kurzer Einschub. Die letzte WM fand ja in Südafrika statt. Zeit für eine kleine Reminiszenz. In Südafrika gibt es die Big Five. Sie umfasst große mächtige Gesellen, stolze Tiere. Elefant, Nashorn (Spitzmaulnashorn, Breitmaulnashorn), Büffel, Löwe und Leopard. Die Könige der Savanne.

Das deutsche Team kennt neuerdings die Big Four. Dabei handelt es sich ebenfalls um stolze Gesellen, wichtig für das Team, aber leider eben auch zuletzt nicht ganz fit. Khedira, Schweinsteiger, Lahm, Neuer.

Die gute Nachricht vorweg: Von den großen Vier wagen sich mittlerweile drei wieder regelmäßig aus dem weißen Zelt hinter dem Trainingsplatz, wo die Rekonvaleszenten sonst zum Frondienst auf Trimmrädern verdammt sind.

Sami Khedira hat nach seinem Kreuzbandriss schon als Reha-Maßnahme mal eben die Champions League gewonnen, was nicht der schlechteste Auftakt in die WM ist.

Bastian Schweinsteiger, dessen Patellasehne ein weißes Tape schmückt, trainiert gar schon mit der Mannschaft. Ein gutes Zeichen. Mehr allerdings nicht. Denn die Patellasehne ist ein hartnäckiger Gegner. Sie enfaltet ihren Schmerz gern mit kleinen Nadelstichen. Und lässt sich nicht leicht aus dem Schmerzzentrum vertreiben. Die Hochspringer sprechen nicht umsonst vom Jumpers Knee. Nicht wenige von ihnen zwang das kleine Band in die Knie. Schweinsteiger, ein Mann der sich quälen kann, wird alles tun für diese WM, die womöglich seine letzte ist. Aber reicht es? Auch um Löw zu überzeugen?

Beim Kapitän Lahm zeigt sich der Feind im eigenen Huf dagegen in offener Schlacht. An einem Kapselriss im linken Sprunggelenk laboriert Lahm, wie das gern heißt. Ein Tritt verletzte ihn im Pokalfinale, der Heilungsverlauf ist da einfacher vorherzusagen. Lahm läuft bereits wieder um den Platz, absolviert hinter dichten Planen Passübungen. Viel deutet darauf hin, dass er rechtzeitig fit wird. Allerdings musste er das erste Balltraining schon nach fünf Minuten abbrechen.

Bleibt noch Manuel Neuer: Einriss der Kapsel der rechten Schulter. Klingt zunächst mal nicht allzu gut. Dennoch wirkt Neuer dieser Tage tiefenentspannt und bei bester Laune, was ein gutes Zeichen sein kann. Kann. Die Schulter ist kein unwichtiges Körperteil bei einem Torwart, der sich schon mal mit 100 Kilo auf das Gelenk werfen muss. Sollte Neuer wider Erwarten nicht fit werden, stünde allerdings der grundsolide Weidenfeller bereit.

All das ist natürlich nicht optimal für eine Vorbereitung, aber die Deutschen werden gegen Kamerun eine Elf aufs Feld bringen, so viel steht jetzt schon fest. Ob die maladen Körper dann auch den ganz großen Wurf garantieren?

Es ist noch ein bisschen Zeit. Zeit, die alle brauchen werden.

Südtirol hat zumindest in dieser Hinsicht keinen Schaden angerichtet.

  Trainingsplatz mit Ausblick auf weiße Bergspitzen - mehr Idylle bietet das Camp aber nicht

Trainingsplatz mit Ausblick auf weiße Bergspitzen - mehr Idylle bietet das Camp aber nicht

28. Mai: Löw, der Bergsteiger und Temposünder

5895 Meter misst der Kilimandscharo. Wer demnächst im Nordosten Tansanias unterwegs ist (also die meisten von uns), kann ihn nur schwerlich verfehlen, er ist ja der größte Berg Afrikas. Mancher Promi hat den mächtigen Hügel in der Vergangenheit bestiegen, auch der Bundestrainer. Und weil Joachim Löw das Trainingslager der Nationalmannschaft im beschaulichen Passeiertal abhalten lässt, umgeben von weiß bestäubten Spitzen (das Bild oben entstand Mittwochmorgen), muss noch einmal an eine die beeindruckende Expedition unseres Bundestrainers erinnert werden.

Aber nicht nur deshalb.

Zunächst der Blick zurück: Wir schrieben das Jahr 2003, Joachim Löw war noch nicht Bundestrainer, noch nicht einmal Bundes-Assistenztrainer, da machte sich der Badener Löw auf nach Afrika, den stolzen Berg in die Knie zu zwingen. Glaubt man Löw, so ist es ein biblischer Kampf gewesen, damals. "So oft dachte ich, es geht nicht mehr. So oft wollte ich schon umkehren, weil ich mich kaum noch bewegen konnte." Er tat es nicht. Bestieg das wunderschöne Monster und kam als neuer Mensch zurück. "Ich habe so viel gelernt beim Aufstieg. Über mich, über den Willen und übers Durchhalten."

Seit acht Jahren thront Löw mittlerweile über dieser Nationalelf, Durchhalten ist somit zu seiner Lebensmaxime geworden. Doch manchmal ist das mit dem Durchhalten eben auch so eine Sache. Wann macht es Sinn, sich nicht zu beugen, wann gibt man besser nach?

Ein beliebiges Beispiel: Nehmen wir an, Sie sind ein rasanter Autofahrer. Gern fahren Sie ein bisschen schneller als erlaubt, gern auch mal ein bisschen viel schneller als erlaubt. Immer wieder erhalten Sie deshalb Post aus dem wunderschönen Flensburg. Hässliche Punkte werden Ihnen gutgeschrieben. Doch sie mögen Ihre alten Gewohnheiten nicht ändern. Man hat Ihnen schon einmal die Fahrerlaubnis entzogen, doch Sie sind Widerstände gewohnt, also machen Sie erst mal weiter. Bis man Ihnen die Lizenz ein ganzes halbes Jahr entzieht.

Zu lange durchgehalten? Oder nicht lange genug?

Tja, es ist eben immer alles eine Frage der Perspektive.

Joachim Löw wird in den nächsten Monaten – genau sechs sind es – etwas weniger Auto fahren. Er schätzt neuerdings die Bahn und das Reisen mit Chauffeur. Ein Sommerurlaub im offenen Cabrio ist dem Vernehmen nach diesmal eher nicht geplant. Aber Löw hat ohnehin vor Jahren schon angekündigt, dass er sich eine Expedition wie jene zum Höhepunkt Afrikas noch einmal gut vorstellen könne. Es kann da eigentlich für einen wie Löw nur noch ein Ziel geben: der Mount Everest.

Kehrt Löw dann heim, ist das halbe Jahr auch schon wieder vorbei. Er könnte dann wieder Auto fahren. Als Mount-Everest-Bezwinger. Eine gute Nachricht ist das. Für Löw.

Nicht unbedingt für unsere Straßen.

  Pool-Opfer: Ein "Sportbild"-Journalist musste die Bekanntschaft mit Spaßvogel Lukas Podolski nass bezahlen

Pool-Opfer: Ein "Sportbild"-Journalist musste die Bekanntschaft mit Spaßvogel Lukas Podolski nass bezahlen

25. Mai: Wasserwerfer Poldi

Der Beruf des Sportreporters bringt neben Millionenbezügen und allseitiger Bewunderung bekanntermaßen allerlei Annehmlichkeiten mit sich. Betritt man etwa das Teamhotel der deutschen Nationalmannschaft, fragen einen höfliche Menschen, ob man zum Gespräch mit dem Spieler X oder Y ein kühles Getränk zu sich nehmen möchte. Auf keinen Fall soll ein trockener Gaumen das flüssige Gespräch stören. Weil die meisten unserer Nationalspieler recht gut erzogen sind, sieht man vom jüngst heraufgezogenen Pinkel-Gate-Skandal um den Dortmunder Kevin Großkreutz einmal ab, hat man nicht allzu viel zu befürchten, wenn man sich einem Nationalspieler nähert.

Abgesehen von Lukas Podolski, natürlich.

Podolski, in Köln sozialisiert und damit sozusagen qua DNA dem Frohsinn verpflichtet, ließ es sich beim sogenannten Medientag des DFB nicht nehmen, einen Reporter der "Sport-Bild" in den nahen Hotel-Pool zu werfen. Ein kurzer Lupfer von hinten, da flog der arme Kerl auch schon ins immerhin herrlich klare Becken.

Mobiltelefon und Geldbeutet haben den Anschlag auf die Reporterwürde dem Vernehmen nach gut überstanden. Und der Reaktion beide Kombattanten nach zu urteilen, es wurde gefeixt (wenn auch auf DFB-Seite etwas mehr) geschah der kleine Zwischenfall in bester Stimmung.

Podolski verließ den Tatort dennoch gemessenen Schrittes und winkte später von einem der Balkone des Innenhofes. Aus sicherer Entfernung. Reporter waren hier nicht zugelassen.

Wie der stern exklusiv erfuhr, hat der DFB bereits knallharte Konsequenzen angekündigt:

Podolski wurde umgehend zu zwei Tagen Trainingsfrei und einer Sonderprämie verdonnert.

25. Mai: Eine Portion Courage

  Es könnte nichts schaden, wenn ein wenig vom Geist des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer auch die deutsche Nationalelf beseelen würde

Es könnte nichts schaden, wenn ein wenig vom Geist des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer auch die deutsche Nationalelf beseelen würde

Wie wir in einer der früheren Ausgaben Blogs bereits ausgeführt haben, gastiert die Nationalelf im Passeiertal. Zwar dürfte das liebliche Hotel samt Golfplatz den Ausschlag gegeben haben (und ein paar Cent spart der DFB auch, wenn man Oliver Bierhoff richtig verstanden hat), aber natürlich soll vor allem der Geist von Freiheit und Courage die jungen Männer aus Germania durchdringen. Und wo könnte dies besser geschehen als in der Heimat des Andreas Hofer.

Andreas Hofer?

Den Banausen unter uns sei noch mal auf die Sprünge geholfen: Hofer, geboren 1767 in St. Leonhard, kämpfte gegen Napoleon in den Schlachten am Bergisel. Er starb den Tod durch Erschießen.

Das Museum Passeier zum besseren Verständnis einen kleinen Film über den Freiheitskämpfer online gestellt.

So weit wird es gottlob für unsere schmucke Hochglanzelf nicht kommen, sollte die Expedition ins Land des Amazonas nicht vom Erfolg gekrönt sein. Doch ein bisschen vom hoferschen Mut können sie in jedem Fall gut gebrauchen.

Und sei es nur für die Rückkehr...

24. Mai: A good old friend

  Fitness-Guru Mark Verstegen (2.v.r.) in Aktion. Bereits bei der Heim-WM 2006 trimmte der US-Fitmacher das DFB-Team zu Platz drei.

Fitness-Guru Mark Verstegen (2.v.r.) in Aktion. Bereits bei der Heim-WM 2006 trimmte der US-Fitmacher das DFB-Team zu Platz drei.

Bevor die WM-Vorbereitung in die heiße Phase tritt, müssen wir noch einen Moment innehalten, um einen Mann zu würdigen, der in Südtirol urplötzlich aus den Tiefen der Ära Klinsmann wieder aufgetaucht ist. Man hat ihn erst gar nicht erkannt, wie er da mit Bastian Schweinsteiger um den Trainingsplatz lief. Aber an der Frisur hat er sich dann verraten. Bürstenschnitt, kastenformig rasiert, wie man das zuletzt beim großen Detlef Schrempf gesehen hat.

Man möge das jetzt verzeihen, dass einem beim Namen Schrempf (NBA-Profi aus Leverkusen, aber längst ein halber Amerikaner) sogleich die Sprache verrutscht, aber wenn unser heutiger Stargast uns verstehen soll, werden wir an dieser Stelle wohl ein bisschen Englisch untermischen müssen.

Also, let’s give some love to our man Mark Verstegen!

Der ehemalige Nationaltrainer Jürgen Klinsmann heuerte Verstegen, nicht nur wegen der Frisur ein Traum für die Besetzung jedes US-Army-Streifens, 2004 für den DFB an. Verstegen trimmte danach zusammen mit seinem Partner Shad Forsythe die Deutschen zum dritten Platz bei der Heim-WM, wie man heute weiß. Forsythe blieb dann gleich in good new Germany und trainiert seither diverse DFB-Mannschaften. Doch Verstegen, 44, zog es heim. My home is my training center in Florida.

Nun ist er zurück. Und mit ihm die Deuser-Bänder, über die damals, 2004, so gespottet wurde. Heute spottet niemand mehr. Verstegen hat sich durchgesetzt. Ob’s am Ende wirklich den Ausschlag gibt? Bekanntlich versetzt der Glaube ja Berge. Der gute Schweinsteiger läuft auf jeden Fall schon jetzt wie ein Wiesel um den Platz.

Uns bleibt deshalb nur, dem guten Mark zuzurufen: Keep him going, baby!!! Keep him going!!!

23. Mai: Der ewige Stürmer

  Es gab Zeiten, das wurde Teammanager Oliver Bierhoff für diesen Mann eingewechselt: Miro Klose, Deutschlands ewiger Torjäger.

Es gab Zeiten, das wurde Teammanager Oliver Bierhoff für diesen Mann eingewechselt: Miro Klose, Deutschlands ewiger Torjäger.

Okay, ein kleines Rätsel. Folgende logische Kette gilt es zu vervollständigen:

Linke, Ramelow, Metzelder, Frings. Jeremies, Hamann, Bode, Schneider, Neuville.

Und - wer fehlt?

Zu schwer?

Gut, erster Hinweis: Vor Linke fehlt in der Namens-Kette vorn der gute Kahn (dessen Hüfte nicht gut ausschaute beim Treppensteigen neulich in Hamburg, aber das nur nebenbei, wir schweifen ab).

Und hinten? Wer fehlt hinten?

Keine Ahnung?

Zweiter Hinweis: der gute Ronaldo spielte damals noch eine gewisse Rolle für die Herren oben (der echte wohlgemerkt, das Phänomen).

Aaaaah, jetzt dämmerst’s. WM Finale 2002. Es fehlte damals – richtig Ballack, der auch, er war gesperrt. Vor allem aber: Klose. Miroslav Klose.

Nun sitzt dieser Klose am Freitag, zwölf Jahre später, doch tatsächlich auf der Pressekonferenz des DFB. Er ist noch immer Stürmer dieser Elf, die immer noch Weltmeister werden soll. Unglaublich. Haben sie ihn schlicht vergessen?

Man macht diesem Klose ja das größte Kompliment, wenn man einfach mal nachschaut, mit wem er noch gespielt hat. Und was die Herren heute so treiben.

Bierhoff, der damals für Klose ins Spiel kam, verdient seit zehn Jahren als Nationalmannschafts-Manager sein Geld. Metzelder macht in TV-Experte, Hamann auch. Bode macht alles ein bisschen, unter anderem Aufsichtsrat bei Werder Bremen. Jeremies ist Spielerberater (ein sehr gut gebauter, wie eine Studie am Strand von Timmendorf vor Jahren zweifelsfrei ergab). Linke verdingt sich als Sportdirektor in Ingolstadt, Rudi Völler (damals kein Spieler, sondern der Trainer!!!!!) ebenfalls – in Leverkusen.

Klose? Spielt einfach weiter. Immer weiter. Bis zum WM-Torrekord.

Mindestens.

Die nächste WM findet übrigens in vier Jahren in Russland statt.

Selbstverständlich mit Klose. Er ist dann geradezu welpenhafte 40.

22. Mai: Welcher Schuh ist die Nummer eins?

  Sie sehen Großkreuz, Mustafi, Müller und Kroos - doch wenn Sie Ihren Blick nach unten richten, sehen sie ein im wahrsten Sinne bunte Auswahl an Schuhvarianten der Sportartikelindustrie

Sie sehen Großkreuz, Mustafi, Müller und Kroos - doch wenn Sie Ihren Blick nach unten richten, sehen sie ein im wahrsten Sinne bunte Auswahl an Schuhvarianten der Sportartikelindustrie

Aus gegebenem Anlass müssen wir uns heute der Fußballer liebsten Kinder widmen. Falsch, es geht nicht um alles rund um die Frau. Auch nicht der Sportwagen kommt an erster Stelle. Die klare Nummer eins ist und bleibt noch immer das Arbeitsgerät – der Schuh. Weil das erste Training der Elf heute bestaunt werden durfte, konnte man sich persönlich davon überzeugen, welch modische Ausprägungen uns in den nächsten Wochen erwarten werden. Die Sportartikelindustrie staffiert ihre prominentesten Werbeträger ja immer bunter aus, gerade zur Weltmeisterschaft zieht der Verkauf mächtig an. Kevin und Jean-Paul wollen schließlich in den gleichen Tretern über den Pirmasenser Kickplatz fliegen wie Götze und der große Kevin namens Volland. Also trugen Götze und Volland ein knalliges Orange zur Schau, genau wie Ginter, Großkreutz oder Boateng.

Warum der gute alte Klose ebenfalls in Orange steckte, erschloss sich nicht auf den ersten Blick. Bedient er die Fraktion Midlife Crisis? Oder steht der nächste sportliche Frühling bevor. Man weiß es noch nicht. Klose zählt aber ab sofort wieder zu den Jungen.

Wenn man genau hinschaute, schien die Mannschaft unterschiedliche Segmente der deutschen Gesellschaft abzudecken. Männer wie Höwedes, Hummels oder Kroos, allesamt potenzielle Idole des BWL studierenden Twens, steckten in eher konservativem Schuhwerk.

Zeitlos schön weil klassisch, was uns der Bundestrainer präsentierte: Schwarz mit silbernen Streifen. Man hätte beinahe wehmütig werden können. Selbst der sonst obligatorische Anzug wäre zum sportiven Schuhwerk denkbar gewesen. Klarer Tagessieger damit: Löw!

Bleibt noch Marco Reus. Tja, links Türkisblau, rechts Rot. Er ist aufgefallen. Marketing-Ziel erreicht.

Und doch: Möge sein Beispiel nicht Schuhe machen.

21. Mai: Schnaufen am Jaufen

  Wer nach St. Leonard zum Trainingslager der deutschen Fußballnationalmannschaft kommen will, muss hier rüber: der Jaufen-Pass, der das Passeier- mit dem Wipptal verbindet

Wer nach St. Leonard zum Trainingslager der deutschen Fußballnationalmannschaft kommen will, muss hier rüber: der Jaufen-Pass, der das Passeier- mit dem Wipptal verbindet

Ein WM-Blog also. Zunächst kurz zur Klärung, damit wir uns richtig verstehen: Natürlich öffnet sich vor Ihren Augen ein hoch investigatives Gefäß. Nur brisante Informationen sollen hier ihre Veröffentlichung finden. Hochbrisant ist dieser Tage allerdings alles, was im weitesten Sinn mit dieser Nationalmannschaft zu tun hat.

Weil die DFB-Elf für die Zukunft unseres Landes so entscheidend ist, (die Frage nach dem Warum stellt sich 2014 nicht mehr), sind lediglich hartgesottene Reporter einer Aufgabe von solch nationaler Tragweite gewachsen. Es gilt schließlich, dieser Elf unter die Haut zu kriechen. Sie zu durchleuchten. Sich nicht abwimmeln zu lassen. All das schafft nur ein Mann wie ein Ausrufezeichen!

Warum also ich?

Es hat wohl damit zu tun, dass WM-Akkreditierungen so schwer übertragbar sind. Einmal Fifa, immer Fifa. Sechs Turniere sind sechs Turniere, sind sechs Turniere.

Es gibt Schlimmeres.

Mögen Sie Nachsicht walten lassen, wenn mancher Eintrag nicht die Aufmerksamkeit bekam, die er verdient gehabt hätte. Zumindest an Eifer wird es nicht mangeln, wenn ich auch nicht täglich werde berichten können. Kommen Sie also mit auf meine Reise mit dieser Elf. Wann und wo sie endet? Hoffentlich in Rio. Am 13. Juli.

Schon die Anreise ins eigentlich beschauliche Passeiertal zeigt, mit welchen Gewalten man es in den kommenden Wochen zu tun bekommen wird. Erst nachdem man sich mit Eispickel und Seil (mindestens aber mit einem Ford Fiesta) durchs ewige Eis des Jaufenpasses (siehe Bild) gekämpft hat, trifft man, mittlerweile wieder auf unter 1000 Höhenmeter, auf das schmucke Örtchen St Leonard.

In der Gemeinde St. Martin befindet sich dann das Hotel Andreus, das allerdings mit dem Titel Hotel etwas sparsam beschrieben ist. Denn neben der Übernachtung gibt es noch einige andere Annehmlichkeiten, die auf deutsche Nationalspieler warten, wie folgende Einlassungen auf der Homepage des Hauses verraten:

WELLNESS IM PARADIESISCHEN SÜDTIROL IN IHREM SPA RESORT ANDREUS ERLEBEN!

Das Andreus 5 Sterne Luxus Golfhotel & Wellnesshotel in Südtirol, inmitten des schönsten 18-Loch Golfplatz Südtirols, ist ein Ort für alle, die das Besondere lieben.

#Romantik für Paare

#Wellnesshotel mit SPA auf 7000m² großzügiger mediterraner Gartenanlage mit Kuschelnestern

#Traumhafte Familienangebote von Klein bis Groß

#Reichhaltiges und abwechslungsreiches Sportprogramm - Golf, Tennis, Reiten, Biken, Wandern, Nordic Walking, Yoga, Pilates, Personal Training uvm.

#18-Loch Golfplatz direkt am Hotel

#eigener Reitstall mit Koppel

#5 Tennissandplätze in Ihrem Tennis Hotel Andreus

#Absolut ruhige Ferienanlage mit mediterraner Gartenanlage

Auch an Ruhe sollte es nicht mangeln. Bei der Ankunft der Nationalelf riegelten resolute Ordner in Deutschlandtrikots das Hotel-Gelände weiträumig ab. Da sich das imposante Anwesen in den Hang duckt, fernab der Zivilisation, ist an Nacht-Flucht in eine der nicht vorhandenen Bars wohl nicht zu denken. Ein paar Berghütten an den steilen Hängen, mehr ist da nicht. Viel grün, viel steil, links wir rechts. Felix Magath hätte seine helle Freude.

Kurieren die Herren Lahm und Neuer auch deshalb ihre maladen Körper derzeit noch in München aus?

Zumindest Wunderheiler Müller-Wohlfahrt wird den verlängerten Heimataufenthalt mit gemischten Gefühlen verfolgen. Er soll in den kommenden Tagen zwischen München und Südtirol hin und her brausen, damit alle in den Genuss seiner Wunderhände kommen.

Der deutsche Tross, er ist auf jeden Fall im Passeiertal gelandet. Ein mächtiges Presszentrum aus dem schon bewährten noch mächtigeren Plastikzelt neben dem Trainingsplatz zeigt auch dem letzten Bewohner, dass das Herz der Deutschen fortan nicht in Berlin, sondern an der Passer schlägt.

Die Temperatur im Pressezelt? Um die 30 Grad!

Keine Klage. Nur eine Feststellung.

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