10. Januar 2010, 13:27 Uhr

DFB-Spieler fürchten um ihre Familien

Ist die WM in Südafrika wirklich sicher? Nach dem tödlichen Anschlag auf die Busse der Fußball-Nationalmannschaft von Togo kommen auch einigen Spielern des deutschen Teams Zweifel. Nicht nur Nationaltorwart René Adler bangt um die Sicherheit seiner Angehörigen.

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Nationaltorwart René Adler: "Was ist mit den Familienangehörigen?"©

Fast eine halbe Stunde bangte Bayer Leverkusens Profi Assimou Touré im Kugelhagel der Rebellen um sein Leben. "Er ist in einem Schockzustand und traumatisiert", berichtete Bayer-Trainer Jupp Heynckes nach einem Telefonat mit dem 22-jährigen Verteidiger aus Togo am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

Der Überfall auf den Mannschaftsbus, der sich auf dem Weg zum Afrika Cup befand, hatte sich in einem Waldgebiet kurz nach der angolanischen Grenze ereignet, obwohl rund 20 Sicherheitskräfte zum Begleittross gehörten. "Die Spieler haben bei dem Feuergefecht auf dem Boden gelegen", sagte Heynckes. "Es muss fürchterlich gewesen sein."

Touré berichtete laut "Bild am Sonntag", dass zwei Busse zum Konvoi Togos gehört hätten. "Wir hatten dabei noch Glück. Den ersten Bus haben sie völlig durchsiebt. Die dachten wohl, dass wir da drin saßen." Er habe nach den ersten Schüssen nur "unter den Sitz springen und beten" können.

"Was ist mit den Familienangehörigen?"

Betroffen zeigten sich die Bayer-Profis über den Anschlag. "Wir sind bestürzt, denken an unseren Mitspieler. Natürlich auch daran, dass in vier, fünf Monaten in Afrika die WM stattfindet", sagte Bayer-Kapitän Simon Rolfes. Ähnlich äußerte sich Nationaltorwart René Adler: "Das ist doch alles krank. Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen?" Das deutsche Team werde sicherlich beschützt sein, "aber was ist zum Beispiel mit den Familienangehörigen?"

Bayern Münchens Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger gab zu, im ersten Moment auf die Nachricht schockiert reagiert zu haben. "Wenn man so etwas hört, dann zuckt man zusammen und macht sich seine Gedanken", wird der 25-Jährige bei "SpiegelOnline" zitiert. "Schlimm, dass es so etwas gibt auf der Welt", fügte der deutsche Nationalspieler Philipp Lahm bei "Bild.de" hinzu.

Die Fifa wird "da gefordert sein"

Dass der Anschlag gravierende Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft im Sommer in Südafrika haben könnte, glaubt Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser indes nicht. Bei einer WM würden in puncto Sicherheit andere Maßstäbe gelten. Dennoch werde der Weltverband Fifa "da gefordert sein".

Die Mannschaft aus Togo wollte trotz des Überfalls, bei dem zwei Menschen getötet wurden, wie vorgesehen an diesem Montag im angolanischen Cabinda zum ersten Vorrundenspiel gegen Ghana antreten. Dagegen hat sich die togoische Regierung ausgesprochen. Sie will die Mannschaft sofort zurückbeordern.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
SirDidimus (11.01.2010, 10:19 Uhr)
achtung
das ist das nächste thema, was bis zur wm regelmäßig durchgekaut wird. so haben wir fast ein halbes jahr was zu lesen....
muemmelfrau (11.01.2010, 08:35 Uhr)
nur keine sorge
für reise und sicherheit der familien unserer fußballer sorgt der DFB.
zur not muß man die WM dann eben künftig verschlüsselt übertragen, da lässt sich noch so macher euro herauspressen damit sich der DFB das dann auch leisten kann.
Mercedesfan (11.01.2010, 03:47 Uhr)
Unglaubliches Südafrikabild
Seit etwas über 2 Jahren lebe ich in Südafrika. Ich bin im Panzerwagen unterwegs, kann meine Einkäufe nur in geduckter Haltung im Kugelhagel erledigen, vor meine Haustüre stapeln sich Leichen und aus den Wasserhähnen trieft Blut. Mannomann. Was für ein Bild wird denn in der guten alten Heimat von Südafrika gezeichnet? Ich kann @Springbok CT nur beipflichten. Millionen Touristen fahren jedes Jahr nach Südafrika und kehren in aller Regel mit tollen Eindrücken zurück. Mir selbst ist noch nicht das geringste passiert. Wo Touristen hinkommen ist es wahrscheinlich sicherer als in den Problemzonen von Hamburg und Berlin. Exzessive. Gewalt findet (leider) in den townships oder in den berüchtigten cape flats von Kapstadt statt. Dort wird sich kein Besucher verirren. Übrigens wäre auch ein Deutschlandbesucher schlecht beraten, sein Miet-Cabrio in den "Problemzonen" von Hamburg oder Berlin zu parken. Es wird entweder zerkratzt oder abgefackelt. Ach ja, wir haben heute bei angenehmen 24 Grad im Freien Meeresfrüchte und Fisch verspeist, am Nebentisch sassen junge deutsche Touristen, die den Abend ebenfalls sichtlich entspannt genossen. Auf der anderen Strassenseite passte ein freundlicher Parkwächter für ein kleines Trinkgeld auf unseren Wagen auf. Wir sind wohlbehalten wieder zuhause angekommen. Um 1 Uhr (nachts!) habe ich den Hund noch ein letztes Mal Gassi geführt. Ich wurde weder angepöbelt noch habe ich Stichwunden vom Gassigehen davongetragen. Und das geht nun schon seit hunderten von Tagen und Nächten so ähnlich. Ich fürchte, ich werde diese schlimmen und so überaus gefährlichen Zustände noch unabsehbar lange Zeit erleiden müssen
Greeper (10.01.2010, 19:14 Uhr)
> SpringbokCT
Einerseits haben Sie recht, diese Warnungen gab es tatsächlich - andererseits würde ich als Schwarzafrikaner auch nicht nach MeckPom reisen.
flyingfree (10.01.2010, 17:18 Uhr)
Die Frage ist doch
Sind die afrikanischen Fans sicher vor den einfallenden Horden weißer "Fußballfreunde"?
So wie derzeit die Stimmung angeheizt wird, scheint mir das keineswegs gesichert.
SpringbokCT (10.01.2010, 16:40 Uhr)
> Greeper (10.01.2010, 16:01 Uhr)
Sind Sie auf einem Auge blind?
Oder warum unterschlagen Sie die Warnungen anderer Länder an ihre Bürger, bez. der WM 2006 Deutschland zu besuchen. Welche Teile Berlins und Ostdeutschöands zu NoGo-Areas erklärt wurden. Können sie sich nicht mehr an die Schilder entlang der dt. Autobahnen erinnern?

Sie sollten sich sicher sein, in Südafrika werden keine Schilder benötigt die die Bevölkerung auffordern, freundlich zu den ausl. Gästen zu sein.
SpringbokCT (10.01.2010, 16:12 Uhr)
Das Land am Kap
Südafrika hat mit Angola oder Togo ungefähr soviel zu tun, wie Deutschland mit der Republik Moldau. Der Norden Angolas ist von Südafrika ca. 3500 km entfernt. Der Vergleich zeugt lediglich vom stern.de-Bedürfnis, das Weltbild seiner meist sozialistischer/kommunistischer Leserschaft zu befriedigen. Nachdem fast täglich gegen andere Staaten gehetzt wird, in forderster Front USA, Israel, China, Russland, England, Italien und viele andere, wird sich jetzt im Vorfeld der WM auf das Land am Kap eingeschossen.

Südafrika ist eines der faszinierendsten Länder der Erde. Besucher sind sofort begeistert von der Vielfältigkeit dieser außergewöhnlichen Natur und der Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der Menschen. Jeder Besuch dort lohnt sich, nicht nur zur zum Soccer World Cup 2010.

Jeden Morgen zwischen 5 und 6 Uhr landen in Frankfurt 3 Großraumflugzeuge aus Südafrika. Wer die Sicherheit zur WM immer noch in Frage stellt, sollte sich mit einem der über tausend rückkehrenden Urlaubern unterhalten, ob sich nur einer von ihnen unsicher gefühlt hat. Wenn allerdings die Flugzeuge von SA nach D etwas leerer sind wie umgekehrt liegt es daran, dass wesentlich mehr Deutsche nach SA auswandern wie Südafrikaner nach D.

Togo ist übrigens von Kapstadt soweit entfernt wie von Frankfurt.
Greeper (10.01.2010, 16:01 Uhr)
Clever
Was haben die Spieler denn gedacht? Daß sie nach Disneyland fahren? In Südafrika sind solche Vorfälle an der Tagesordnung, nur dieser kam in die Medien, weil es sich um eine Nationalmannschaft gehandelt hat.
Vielleicht sollte Herr Schweinsteiger mal die Internetseite des auswärtiges Amtes, auf der in jedem der südafrikanischen Länder von Gefahr durch Überfälle o.Ä. gewarnt wird, besuchen.

Diese Traumtänzer....
carstenkapstadt (10.01.2010, 15:10 Uhr)
achtung ZYNISMUS!!
ist das ne Sportveranstaltung oder ein Familienausflug??
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