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Lieber Til, als Kritiker mochte ich Hellmuth Karasek, nicht Dich

Der Tatort vom Sonntag polarisierte die Zuschauer. Mit seinen Kritikern ging Til Schweiger anschließend hart ins Gericht. Eine völlig falsche Reaktion, findet stern-Stimme Hans Sarpei. Der offene Brief eines enttäuschten Schweiger-Fans.

Til Schweiger steht in Hamburg vor einer Stellwand mit dem Tatort-Logo

Til Schweiger täte es gut, mit Kritik entspannter umzugehen, findet stern-Stimme Hans Sarpei

Vier Tage und drei Folgen hat es gedauert, bis die Nation über eine Sendung diskutiert, die am vergangenen Sonntag 7,69 Millionen Menschen sahen: den Tatort im Ersten. Den eigentlichen Täter fand man wenige Stunden später im Netz: auf Facebook. Genauer gesagt auf der Seite eines der Schauspieler: der von Til Schweiger.

Schweiger, seines Zeichens Deutschlands wohl bekanntester und erfolgreichster Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Jemand, der mit herausragenden Filmen wie "Keinohrhasen" und "Honig im Kopf" die Nation in die Kinosäle trieb. 

Jemand wie Til ist es gewohnt, im Rampenlicht zu stehen, die Menschen zu unterhalten. Er kennt das Spiel mit den Medien genauso wie deren Kritik. Warum aber, lieber Til, rastest Du dann dennoch regelmäßig in den sozialen Netzwerken so aus, wenn Dich jemand kritisiert? Wenn es bei gesellschaftlichen und sozialen Themen ist, kann ich dies als Vater einer Tochter gut verstehen. Wenn Du Dich auf die Seite von Flüchtlingen stellst und eine eigene Stiftung gründest, ziehe ich meinen Hut vor Dir. Aber: Kritik an Deinen Werken dürfte Dich genauso oft treffen, wie sie mir als aktiver Fußballer zu Ohren kommt. Damit gilt es umzugehen.

Zuschauer haben ein Recht auf ihre eigene Meinung

Dein mit 33 Ausrufezeichen versehener Post jedoch, den Du in der Nacht auf Montag verfasst hast, bringt aktuell Netz, Medien und Branchenkollegen in Wallung. Zu Recht, wie ich finde. Denn nur, weil einem ein Film nicht gefällt, ist man kein Trottel. Nur, weil man kein Fachmann ist, ist man nicht jemand, der sich kein eigenes Urteil bilden kann. Im Gegenteil: Jeder Zuschauer hat das Recht - wie im Fußball auch - eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten. Das gilt fürs Netz wie auch - oder gar erst Recht - für den Umgang mit der Fernbedienung: Wenn mich etwas nicht interessiert, schalte ich halt um.

"Zwei moppelige Kommissare, die Currywurst verspeisen oder Bier vor einem Imbiss zocken", ätzt Du in Richtung Deiner Tatort-Kollegen. Ich meine: Wer es mag, der soll und darf einschalten. 90 Minuten Gelaber, wie Du es beschreibst, haben ihre Berechtigung, wenn es viele Menschen interessiert. Natürlich hast Du viel mehr Ahnung von Craft, denn Du bist Fachmann. Aber bist gerade nicht Du derjenige, der sich sonst für Kino-Rekorde feiern lässt, jetzt aber eine Fachmann-Argumentation führst? 

"Til, Du solltest nicht auch noch Kritiker werden"

Lieber Til, Du bist - wie anfangs von mir betont - einer der besten und erfolgreichsten Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren und Produzenten. Du machst Deinen Job sensationell. Und darum beneidet Dich ein Teil des Volkes auch zu Recht. Mit so viel Talent ausgestattet, solltest Du jedoch nicht auch noch zum Kritiker werden. Weder am Volk, noch an den Medien, noch an Filmen und Branchenkollegen. Als Kritiker mochte ich Marcel Reich-Ranicki oder Herrn Karasek, nicht Dich. 

Das neue Jahr hat gerade erst angefangen. Ein Vorsatz könnte sein, Kollegen künftig nicht öffentlich zu dissen. 

Du solltest Dir das zu Herzen nehmen, wenn Du selbst noch Größer werden willst, als Du in meinen Augen schon bist. 

Dein und Euer Hans Sarpei

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