Der "falsche" Didier rast zum Gold

15. Februar 2010, 20:18 Uhr

22 Jahre nach Pirmin Zurbriggen hat die Schweiz wieder einen Abfahrts-Olympiasieger: Doch nicht Favorit Didier Cuche, sondern Namensvetter Didier Defago raste in Whistler überraschend zu Gold.

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Da legst die nieder: der Schweizer Didier Defago nach seinem Gold-Abfahrtslauf©

Die Olympia-Abfahrt bleibt weiter nicht das Terrain der Top-Favoriten: Didier Defago aus der Schweiz hat zum Auftakt der alpinen Entscheidungen in Whistler überraschend die Königsdisziplin gewonnen. Im Ziel ließ sich der 32-Jährige rückwärts in die Bande fallen, stand dann als Triumphator von Whistler-Creekside wieder auf, riss jubelnd die Arme in die Höhe und schrie die Freude lauthals hinaus.

Am Pistenrand feierten am Montag die eidgenössischen Fans mit übergroßen Kuhglocken - ihnen war egal, dass der "falsche" Didier gewonnen hatte - nicht ihr Gold-Kandidat Cuche, sondern Defago. Der Außenseiter, der bislang nur Edelmetall bei einer Junioren-WM gewonnen hatte, schlug den Favoriten und den "Canadian Cowboys" ein Schnippchen. Silber ging an Aksel Lund Svindal (Norwegen), Bode Miller (USA) holte Bronze. Der Ebinger Stephan Keppler verpasste die erhoffte Top-Ten-Platzierung deutlich und fuhr nicht unter die besten 20.

Favoriten chancenlos

Mit dem nicht erwarteten Coup von Whistler setzte Defago, dem ersten für die Schweiz seit Pirmin Zurbriggen vor 22 Jahren, die große Olympia-Tradition von Abfahrts-Überraschungen fort. Bill Johnson (USA/1984), Tommy Moe (USA/1994), Jean-Luc Cretier (Frankreich/1998) oder Antoine Deneriaz (Frankreich) hießen Abfahrts-Außenseiter vor dem dreimaligen Weltcup-Gewinner Defago, der aber immerhin schon bei den Klassikern in Kitzbühel und Wengen gewinnen konnte. Bei einem Großereignis konnte der Bauzeichner aber noch nie seinen Erfolgsplan verwirklichen.

Die Favoriten nach ihm wie Cuche, dem kurz vor dem Ziel ein verheerender Fahrfehler unterlief, oder Whistler-Lokalmatador Robbie Dixon, der nach einem wilden Ritt stürzte, bissen sich an der vorgeleten Zeit die Zähne aus. "An diesem bestimmten Tag alle vier Jahre musst Du halt mit den richtigen Beinen aufstehen", sagte ARD-Experte Markus Wasmeier. Dann könne man als Fahrer aus dem erweiterten Kreis eben auch die Favoriten schlagen. Auch Miller und Svindal hatten in der Weltcup-Saison noch keine Bäume ausgerissen und holten sich die ersten olympischen Abfahrt-Medaillen. "Es war ein Spaß, aber auch sehr schwer", meinte Miller.

Ammann als Glückbringer

Zwei Tage vor der Damen-Abfahrt mit Maria Riesch und der amerikanischen Top-Abfahrerin Lindsey Vonn am Mittwoch konnten die Eidgenossen die erste alpine Goldmedaille dieser Spiele einfahren. Dagegen ging der Alpin-Rivale Österreich wie in dieser Weltcup-Saison in der Abfahrt wieder leer aus. "Bei Olympia ist es ganz bitter, wenn man Vierter wird", sagte der viertplatzierte Mario Scheiber.

Nach dem Wetterchaos der vergangenen Tage hatte das Warten endlich ein Ende. Die Dave-Murray-Piste, um die es vor Olympia eine regelrechte Geheimniskrämerei gab und den Kanadiern zum Training vorbehalten war, präsentierte sich bei leichten Minusgraden und bewölktem Himmel anders als beim einzigen Testlauf. Und Hobby-Angler Defago, der schon im Training im vorderen Feld mit dabei war, kam mit den neuen Bedingungen am Besten zurecht und fischte vor den Augen von Glücksbringer Simon Ammann das erste Gold.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
brigitteramsau (15.02.2010, 23:48 Uhr)
Warum liest man nichts von den taeglichen Protesten...
...in Vancouver! Tausende protestieren dort naemlich gegen Olympia und was es der Region antut.