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Die Story vom hungernden Ex-Weltmeister

Martin Schmitt ist zurück. "Übertraining" nennt der Skispringer als Grund für seine Auszeit nach der Vierschanzentournee. Die Gewichtshysterie findet der 32-Jährige übertrieben.

Kathrin Zeilmann, Klingenthal

Martin Schmitt gibt Autogramme, bedankt sich höflich bei den Fans, die ihm Mut machen, und stellt sich neben die Helfer vom Skiverein zum Erinnerungsfoto. Die Atmosphäre an der Schanze in Klingenthal im Vogtland um Martin Schmitt ist unaufgeregt, aber herzlich und deshalb ein Kontrast zur Hysterie, die vor vier Wochen entfacht wurde, als der 32-Jährige verkündete, eine längere Pause vom Wettkampfgeschehen machen zu wollen.

Schmitts Auszeit nach der Vierschanzentournee, die er enttäuschend als 21. beendete, hatte eine Flut von Spekulationen zu seinem Gesundheits- und Seelenzustand ausgelöst. Während Ex-Kollege Dieter Thoma fabulierte, Schmitt habe den Energiehaushalt eines 80-Jährigen, bekundete der mittlerweile auf Motorsport umgesattelte Sven Hannawald via "People"-Magazin seine Sorge um Schmitt und dessen vermeintlich fehlende Kilos.

Kein Interesse am öffentlichen Krawall


Schmitt hat kein Interesse am öffentlichen Krawall, deshalb deutet er in Klingenthal nur kurz an, dass da wohl ein wenig Übertreibung im Spiel war und die Gier einiger Medien auf die Story vom hungernden Ex-Weltmeister. "Ich habe das nicht genau verfolgt", sagt Schmitt. "Das ganze Gewichtsthema kam ja durch das Buch von Janne Ahonen wieder auf, der ein extremes Bild vom Skispringen zeichnete." Aber er will auch offen über das Thema Gewicht im Skispringen sprechen.

Der 21. Tourneerang hatte seinen Ansprüchen nicht genügt, im Vorwinter hatte er noch WM-Silber gewonnen. Und viele Jahre davor eine ganze Reihe von Titeln und Triumphen. Schmitt sagt nun über die Vierschanzentournee: "Ich war einfach platt und nicht im Vollbesitz meiner Kräfte." Und will damit auch alle Mutmaßungen beenden, die von größeren Problemen ausgegangen waren als von "Übertraining", wie er seinen damaligen Zustand selbst beschreibt, und daraus resultierender Erschöpfung.

Keine psychischen Probleme


Deutlich verwahrt er sich gegen Spekulationen, psychische Probleme hätten ihn heimgesucht, wie einst den Kollegen Hannawald: "Übertraining und ein Burn-out, das ist nicht vergleichbar. Da wird durch ein einziges Wort so eine Hysterie entfacht, die meinem Zustand nicht angemessen ist."

Schmitt gibt schon zu, dass seine Schwierigkeiten in den vergangenen Monaten mit dem Gewicht zusammenhängen können: "Ich war vielleicht im Sommer zu früh zu leicht." Der Spagat, sein Gewicht im Griff zu haben und trotzdem athletisch zu sein, sei nicht gelungen.

Mit drei Kilo mehr auf den Hüften müsste er sechs Meter weiter springen, um den Gewichtsnachteil zu kompensieren, rechnet er vor. "Es ist eine Gratwanderung: Man muss leicht und trotzdem leistungsfähig sein." Aber er klingt nicht so, als hadere er damit. "Im Moment ist das Reglement nun einmal so." Schmitt sagt, dass er sich immer ausführlich mit dem Thema "ausgewogene Ernährung" beschäftigt hat: "Um auf das optimale Körpergewicht zu kommen, muss man sich einschränken."

Diesen Artikel haben wir für Sie in der Financial Times Deutschland gefunden.

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FTD

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